Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 89 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Notwendigkeit der neuen Gemeinschaft. 89 Übel und die Ungerechtigkeit durch Schlagworte mundgerecht madit, und sich der Erkenntnis verschließt, daß die Umgestaltung unseres ganzen gesellschaftlichen Lebens höchste Notwendigkeit ist. In dieser Vorurteilslosigkeit den bestehenden Zuständen gegenüber, trifft sich die Jugend mit den Besitzlosen, mit dem Arbeiter, Da dieser beim Nachsprechen der bürgerlichen Vorurteile und Schlagworte nicht fett wird, wie aer Bürger, steht er der Gesellschaft und dem Staate vorurteilsfreier gegenüber und wird so zum natürlichen Bundes^ und Kampfe genossen der Jugend. III. Das Jugendbereich. Die Erneuerung unseres Volkes, will sie mehr sein als eine Reformati on, muß ein werk der Jugend sein, und zwar einer Jugend, die den Sinn für Gerechtigkeit und Schönheit und die Kraft zur unbedingten Tat nicht durch das Leben im bürgerlichen Alltag verloren hat. Aber eingestellt in das Getriebe dieses alles Hohe erniedrigenden Lebens werden unter der Jugend nur allzuwenige imstande sein, sich ihre Jugendlichkeit zu erhalten. Zuviele Kräfte zerren nach entgegengesetzter Richtung. Darum muß die Jugend sich irgend ein Bereich schaffen, in dem diese entwertenden Kräfte ausgeschaltet sind, wo im Zusammenleben mit wahren Führern der Jugend und mit Gleichgesinnten der junge Mensch sich vor den entheiligenden Einflüssen der Umwelt bewahren kann. Um ein Beispiel zu nennen: Wie entheiligend allein wirkt das öffentliche Bürgerleben und das Verhältnis der Geschlechter untereinander! Wieviel tausend Kräfte sind hier am Werk, vom verständnisvollen Blinzeln eines älteren Be^ kannten bis zur grob aufgetragenen Tendenz einer modernen Operette, um in der Jugend die Achtung vor der Frau zu untergraben. Wo soll der junge Mensch die Kraft hernehmen, sich nach dem eigenen Ideal auszuleben, wo doch fast alle Menschen seiner Umgebung der gleichen, durch die Lüge versteckten öffentlichen Meinung huldigen, wenn es im Zentrum seines Lebens nicht ein Reich gibt, in dem eine von Grund aus andere Wertung Giftigkeit hat? Wohl wäre eine neue Schule, wo die Jugend mit ihren Lehrern zu^ sammenwohnt, die Schulgemeinde, der Ort, welcher der Idee des Jugend^ reiches am nächsten stände, und der Kampf für sie wird auch zu den Aufgaben der jüdischen Jugendgemeinschaft gehören. Aber wie wenige Eltern geben ihre Kinder zur Erziehung außerhalb des Hauses und für wie wenige Kinder ist in einer Schulgemeinde Raum? Wir müssen uns daher mit einer »Jugendheimgemeinde« begnügen, die im Anfang eine Wohnung, später ein Haus mit Garten in der Stadt, und ein Heim auf dem Lande in der Umgebung der Stadt hat,- hier wird sich die Jugend in der freien Zeit eine, ihrem Geiste gemäße Heimat bereiten. Ferner wird man die Idee der Jugendsiedlung auf eine Weise verwirklichen, die in Amerika in gewissen Kreisen bereits Eingang