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Jerubbaal · 1918-06-01 · 3 (6.1918) · p. Seite 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
3 (6.1918)
Date
1918-06-01
Page
Seite 86 (sequence 4)
Language
German
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86 Siegfried Lehman n : rungen unserer Propheten gemäß eine vollkommene Gemeinschaft in Palästina zu schaffen. Juden, die das Bekenntnis zum Judentum nicht verbinden mit dem Streben, die Reinheit und Wahrheit fordernde Idee des Judentums im eigenen Leben zu verwirklichen. Juden, die Gott nur dann gelten lassen, wenn Rentabilität und Zweckmäßigkeit nicht ge^ fährdet ist. Auf der andern Seite steht die Jugend, deren Unbedingtheit noch nicht durch alltägliches Zusammenleben mit der bürgerlichen Masse gebeugt ist. Bei ihr stehen die Juden, die den Idealismus nicht als eine ganz schöne aber unfruchtbare Krankheit der Juden ansehen, die zu Gunsten eines praktischen Sinnes für die Wirklichkeit von einem reifen aufgeklärten Menschen zu überwinden ist, sondern die das Bekenntnis zu einem die heutige Umwelt als Maßstab verneinenden Idealismus gleichzeitig mir dem Bekenntnis zum Judentum aussprachen. Juden, denen Zionismus mehr bedeutet als das Streben, in Palästina das Abbild eines europäischen Staates zu schaffen, einen Staat mehr in die Welt zu setzen. Sozialisten und Vertreter des Kapitalismus, Religiöse und Unreligiöse,. Idealisten und Naturalisten *~ alle diese Gegensätze enthält unsere Be^ wegung. Müssen nicht Gemeinschaften, die diese Gegensätze umfassen, trotz gemeinsamen Berufes, trotz gleichem Willen wieder ein Volk zu werden, unorganische und daher unberechtigte Gebilde sein, wenn sie mehr sein wollen als Zweckverbände, nämlich: wahre jugendliche Gemeinschaften? Müssen sich nicht hier die Kräfte, die sich auf die Gestaltung unsres Volkes richten sollten, erschöpfen im Kampf innerhalb der eigenen Ge-- meinschaft, vorausgesetzt, daß ihr Menschen angehören, denen nicht nur an einem gesellschaftlichen Leben und an der Teilnahme an organisa* torischen Arbeiten gelegen ist, sondern an der unbedingten Anerkennung" und Durchsetzung der von ihnen als wahr und gut befundenen Fordes rungen? Und wo der junge Mensch nicht die Kraft hat, dauernd im. Kampf mit den übrigen zu leben, was bleibt ihm anderes übrig, als sich zu entwerten, als Kompromisse zu schließen und seine die Unbedingte heiten wollenden Forderungen der umgebenden öffentlichen Meinung anzupassen? Der Spott der in der Überzahl vorhandenen Bürger, ihr herablassend freundliches Klopfen auf die Schulter: »Bin auch mal jung und ein solcher Idealist gewesen, auch du wirst dich noch ändern«, — diese Stellung der andern raubt dem jungen Menschen die Sicherheit und läßt seine Kraft erlahmen, die ihn und die andern in einer Gemeinschaft Gleichgesinnter aufwärts getragen hätte. Die Wertschätzung und damit auch die ge*- samte Lebensführung eines Sozialisten und eines Bürgers aus Berlin-W eines materiell und eines geistig orientierten Menschen sind so von einan* der verschieden, daß eine diese Wesenverschiedenheiten umschließende Gemeinschaft, die, wie schon gesagt, nicht nur ein Zweckverband zur Wahrung gemeinsamer Interessen, sondern eine auf dem Geiste der Brüderlichkeit aufgebaute Gemeinschaft sein will, ein unwahres und daher unschöpferisches Gebilde sein muß, ein Gebilde, welches nur me--

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