Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 3 (6.1918)
- Date
- 1918-06-01
- Page
- Seite 85 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Notwendigkeit der neuen Gemeinschaft. Beitrag zum Programm einer neuen jüdisdien Jugendgemeinschaft. Wir wenden uns mit diesem Programm an die jungen jüdischen Menschen, die das falsche Prinzip der Vereinigung, welches den heute bestehenden Organisationen der national gesinnten Jugend von 15—25 Jahren zu Grunde Hegt, eikannt haben und aus dieser Erkenntnis heraus eine neue Gemeinschaft wollen. Welches war das Prinzip, nach dem sich die national^jüdische Jugend in Deutschland und Österreich zusammenschloß? Nicht die Gleichgerichtetheit des Willens, nicht Verbundenheit durch gleiche Wesensart, sondern ein ganz Zufälliges, Oberflächliches bestimmte den Zusammenschluß: der Beruf oder die gesellschaftliche Stellung oder ein besonderes Teilinteresse: man teilte die nationale Jugend ein in Studenten<innen>, Kaufleute, Wanderer, Turner<innen>, Ruderer usw. Früher, als der Zionismus nur eine politische Idee gewesen war, die sich die Aufgabe setzte, Palästina als Siedlungsland zu gewinnen, mag allein die Gemeinsamkeit des nach Palästina gerichteten Willens genügend gewesen sein, um die Menschen in diesen Gruppen zu einer wirklichen Einheit zusammenzuschließen. Damals mag diese Art des Zusammenschlusses zweckmäßig und gerechtfertigt gewesen sein. Heute aber, wo das natio^ nale Judentum uns weniger eine politische Angelegenheit ist, der man durch organisatorische Betätigung und Agitation Genüge leisten kann, sondern eine die Umwandlung des ganzen Menschen erfordernde Idee kann der Palästinagedanke nicht mehr allein das Kriterium einer zusammen lebenden und zusammen schaffenden Gemeinschaft bilden. Denn innerhalb des Judentums, das sich zum Volke bekennt, gibt es die gleichen, unüberbrückbaren Wesensverschiedenheiten und grundlegenden Gegen^ sätze, wie wir sie unter den national gesinnten Menschen aller Völker finden. Die Begriffe von der Vollkommenheit eines Volkes sind völlig verschiedene. Es ist selbstverständlich, daß die zahlreichen deutschen Studenten, die im Alldeutschen den vollkommenen Typ des Deutschen sehen, im Leben und Schaffen keine Gemeinsamkeit haben mit den studentischen Kreisen,, die sich z. B. um die religiös-demokratische Zeit* schrift »Die Tat«. gruppieren, dennoch richten sich die Kräfte beider Schichten getrennt auf das Gleiche: auf das deutsche Volk. Warum wollen wir in der nationakjüdischen Jugend die Gegensätze, die hfer ebenfalls in anderer Gegenüberstellung und nicht in dem gleichen extremen Maße wirksam sind, heute noch übersehen und sie zu einer künstlichen Einheit zusammenpressen? In der zionistischen Bewegung stehen deshalb auf der einen Seite die Bürgerlichen, die im wahrsten Sinne des Wortes mit der Wirklichkeit Rechnenden. Abgesehen von einigen Reförmchen, bejahen sie die Unsitte lichkeit der heutigen Zustände der allgemeinen Gesellschaft und der Wirt* Schaft. Es sind die Juden, die von unzweckmäßigen Experimenten reden, wenn man ihnen von der Forderung der Zionjuden spricht, den Fordes 7