Mannheim
Compact Memory

Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 83

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 83 (sequence 41)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3776398-6437699-6437743--100-3776494
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Rundschau: Von hebräischen Lehrbüchern. 83 Von hebräisdben Lehrbüdhern. L Eine Rubrik »Von hebräischen Lehr* büchern« darf in einer jüdischen Jugend* Zeitschrift unserer Tage nicht fehlen. Die Zeit der bloß allgemeinen Hinweise auf Wert und Bedeutung des Hebräischen ist gottlob vorüber und die vorhandenen Mittel zur Erlernung der Sprache sind so verschiedenartig und verschiedenwertig, daß es heute einer festen Führung durch die vorhandenen und mannigfacher An* regung für die erst zu schaffenden Lehr* bücher bedarf. Während im Osten eine reiche Unterrichtsliteratur die jeweiligen Bedürfnisse befriedigt <die jüdische Schule schuf dort das jüdische Lehrbuch), ist der Westen in seinem Streben nach Beherrschung des lebendigen hebräischen Wortes auf Not* behelfe angewiesen, die in nur sehr un* vollkommener Weise geeignet sind, ihn seinem Ziele auf möglichst geradem und raschem Wege näher zu bringen. Denn die Benutzung hebräischer Lehrbücher aus dem Osten, die für ein anderes Schülermaterial geschrieben sind <sie verdanken ja größtenteils der pädagogischen Praxis ihre Entstehung und allmähliche Vervollkommnung), entspringt doch mehr der Verlegenheit um passendere Lehrbücher, als der Überzeugung, daß sie für das westliche Schülermaterial besonders geeignet wären. Schon der eine Umstand, daß die Anfängerlehrbücher um solche handelt es sich für den Westen doch in erster Linie — im Osten fast ausschließlich für Kinder von 6—10 Jahren ver* faßt werden, zeigt, daß diese Lehrbücher von einer älteren Jugend nicht mit gleichem Nutzen dem Lernen zugrunde gelegt werden können. Wie aber sollte ein solches Buch unserem Anfänger, der zumeist doch erst mit 16 Jahren und darüber sich ernstlich mit dem Hebräisdi* lernen befaßt, ein seinen höheren sprach* liehen Bedürfnissen entsprechendes Lehr* mittel darstellen! Ein zweites, nicht weniger ungeeig* netes Ersatzmittel sind die landläufigen wissenschaftlichen hebräischen Gramma* tiken <für Gymnasiasten, Studenten, Theologen etc.), die zwar ein sehr gründ* liches Verständnis für grammatischen Aufbau und syntaktische Eigentümlichkeit der Sprache vermitteln, dem Durch* schnittsanfänger <besonders dem nicht humanistisch gebildeten) ein verwirrendes Übermaß rein sprachlautlicher und ent* wicklungsgeschichtlicher Erkenntnisse zu* mutet, ganz abgesehen davon, daß diese Grammatiken sich ausschließlich auf die Bibelsprache konzentrieren und durch ängstliches Festhalten an den biblischen Texten nur unzusammenhängendes und unbewegliches Übungsmaterial bieten. In dem Versuch, diese fühlbare Lücke auszufüllen, besteht die Bedeutung des hebräischen Lehrbuches »Sfat amenu« von Moses Rath. Das Rathsche Lehr* buch hat sich — im Gegensatz zu den ostjüdischen Lehrbüchern — zum Prin* zip gemacht, dem Schüler in den Übungs* und Lesestücken keine ihm unerklär* liehe Form unterkommen zu lassen. Wenn dieses Prinzip an vielen Stellen noch nicht vollkommen durchgeführt ist, so liegt das nur an gewissen <nicht zu unterschätzenden, aber auch nicht un* überwindlichen) Schwierigkeiten. Das Lehrbuch teilt also den Vorzug des systematischen Aufbaus mit den wissen* schaftlichen Grammatiken. Andererseits aber lehnt es sich in der Behandlung des Hebräischen in seiner Totalität, in der Beweglichkeit seiner Übungen und Mannigfaltigkeit seines stofflichen An* schauungskreises an die besten Vor* bilder ostjüdischer Unterrichtsliteratur an. Nirgends beeinträchtigt die rein gram* matische Erörterung den lebendigen Fluß der praktischen Übung und überall nimmt die Übung weitgehende Rück* sieht auf das grammatisch zu Vertiefende. Freilich soll nicht verschwiegen werden, daß das Rathsche Lehrbuch noch viel* facher Verbesserungen fähig ist. Auf die mannigfachen Einzelheiten, ^die beim

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.