Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 2 (5.1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 82 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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82 Vom Leben der Jugend: Blauweiß. könne, ja bleiben müsse, wenn man es wirklich ganz geworden, das fand immer klareren gedanklichen Ausdruck und es begann das Suchen nach der Form, die es reifen Menschen ermög* liehen sollte, innerhalb des Blauweiß zu leben. Dieses Suchen dauerte'lange und war nicht immer ganz schmerzlos. Es wurde manches versucht, was sich als untaug* lieh erwies, andererseits fehlte auch einzelnen Führern, trotz besten Willens, das Verständnis hierfür oder sie stießen sich an dem Ungewohnten der neuen Form und machten dafür die Sadie verantwortlich. Der Umstand, daß gerade immer wieder unsere Reifsten uns vom Militärdienst genommen wurden, ver* zögerte naturgemäß ebenfalls die Ent* Wicklung. Aber schließlich hat, gerade in aller* jüngster Zeit der Gedanke sich all* gemeine Geltung verschafft, daß es allen reiferen Blauweißen möglich ge* macht werden müsse, innerhalb des Blauweiß ein eigenes Gemeinschaftsleben zu führen, unbeengt durch Formen, die für andere Altersstufen unbedingt nötig sein können, reifere Menschen aber in ihrer Entfaltung hemmen. Und in diesem Sinne haben Führer und Wanderer sich im Blauweiß eine freie Gemeinschaft geschaffen. Die Formen dieser Gemeinschaft sollen sich erst entwickeln, aber über den Inhalt herrscht, unter einer großen Überzahl Klarheit. Und es ist zu hoffen, daß der Inhalt sich auch seine adäquate Form finden wird/ die der jüdischen Jugend arteigene Form, die das Kopisten tum aller Rieh* tungen überwindet. Grundgedanken dieser Gemeinschaft und ihrer Verfassung wurden in wenigen Sätzen niederzulegen versudit und ich zitiere sie hier: Die im Wanderbund den Kinder* und Jugendgruppen entwachsenen Wan* derer schließen sich mit den Führern des Blauweiß zu einer Gemeinschaft zusammen, die auch Juden und Jüdinnen aufnehmen kann, die bis dahin außer* halb des Wanderbundes standen. Zweierlei ist der Sinn der Gemein* schaft, da sie innerhalb des Blauweiß richtungsetzend sein will, indem sie die Gemeinsamkeiten der jüdischen Wan^ derer zur Gemeinschaft erhebt und diese in die Gesamtbewegung der Erneue* rung jüdischen Volkstums einstellt. Wesentlich scheint ihr auch die leben* dige Fühlungnahme und der persönliche Kontakt mit den bewegenden Kräften der jüdischen Gegenwart. Auch eine verstehende Anschauung der zwischen* völkischen Bewegungen ist der Gemein* schaft erwünscht. Die Gemeinschaft ist innerhalb des Blauweiß autonom, jeder ihr Ange* hörender ist Blauweißer. Innerhalb der Gemeinschaft gibt es nach freier Wahl zusammengeschlossene Gruppen, die aus ihrer Mitte je einen Vertreter wählen. Diese Vertreter bilden den Wandererrat, der die tech* nischen Angelegenheiten erledigt, nur Instrument der Gemeinschaft, nicht deren Leitung ist. Es werden daher alle der Gemeinschaft wesentlichen Angelegen* heiten von ihr selbst entschieden. Den Gruppen ist in allen inneren Angelegenheiten völlige Freiheit be* lassen, so können sie auch in freier Gefolgschaft sich Führern anschließen. Diesen erwachsen hieraus <im Gegensatz zu den in den Kinder* und Jugend* gruppen aktiven Führern) keinerlei tech*' nisene Verpflichtungen. Da die Gemeinschaft zunächst nur von dem allen gemeinsamen Gefühl ihres Sinnes und ihrer Willensrichtung zusammengebunden ist, sieht sie zu* nächst von statutarischer Festlegung ihrer Programmatik ab. Mit dieser Gemeinschaft treten wir Blauweiße in die Reihen der jüdischen Jugendbewegung. Wir wollen gleicher* maßen von beiden Seiten her, durch Selbsterziehung und durch Dienst am Volke unser Ziel uns bauen, volles jüdisches Menschentum in und für Erez Israel. Schon der Weg dahin ist beglückend. Rudolfine MenzeI~Waltuch.