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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 79

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 79 (sequence 37)
Language
German
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Warum wir siedeln wollen. 79 künstlerisch*geistigen als alleinigem Lebensinhalt skeptisch gegenüber. Betrachten wir den Typus des bür* gerlich erwerbenden Menschen: Sehen wir sogar ab von all den Fabriksarbeitern, schlecht Angestellten, Über* arbeiteten, Unterernährten, Verbitterten und betrachten wir jene wenigen, denen der Erwerb geglückt ist, die erfolgreich waren im Leben, so stehen sie alle am Ende ihrer Laufbahn mit jener aus* sichtslosen, unnützen Leere da, ist ihr Sein voll flacher, ekelerregender Ge* bärden, wie wir es von unseren Eltern, Onkeln und Tanten bis zum Über* drusse kennen und wahrlich kein Verklangen zeigen, es ihnen nach zutun. Sehen wir in jene andere Kategorie der künstlerisch und geistig Produzieren* den und sehen wir hier sogar ab von der Überzahl der faktisch zugrunde Gegangenen, nehmen wir als Beispiel die wenigen Erfolgreichen, so sehen wir auch diese überladen mit demselben Unrat wie erstere. Betrachten wir nun noch jene Kate* gorie, die, obwohl fast alle ihre Hand* lungen in bürgerliche Staffage hüllend, doch stündlich ihre Gegnerschaft zu ihr betont. Warum, so müssen wir uns fragen, widerspricht die Lebensform und viel* leicht auch ihr Inhalt so sehr ihrem Wollen? Wir, die wir die Aussichtslosigkeit einer sinnvollen Einordnung in die heutige Gesellschaft ebenso erkennen wie ehemals die in die Familie und Schule, wir wenden uns heute wie da* ma/s zu uns selbst, um gemeinsam unseren eigenen Weg zu gehen. Und zwar keinen Weg, der gerade noch annehmbar ist, keinen Weg, der durch Wüsten alltäglicher Flachheit und Korruption an einigen Oasen vorbeiführt, keinen Weg, den wir am Rettungs* Strohhalme des Selbsterhaltungstriebes dahinschleichen, sondern einen Weg, den wir mit stürmischer Bejahung antreten, der uns in ein Werk* und Tatland weist, wo die alltägliche Geste sich würdig an unsere letzten großen Ziele reiht. Mag das Land, in das wir ziehen, abgemessen sein oder nicht, mag die wirtschaftliche Tätigkeit jedes einzelnen voraus fixiert sein oder nicht, ins Un* gewisse segeln wir und das einzige, das uns führt, ist unser Eros, der sich entfalten will nach eigenen Gesetzen im eigenen Land. Endlich wollen wir auf unsere innere Stimme hören, die uns zu Taten ruft, die im Rahmen der bürgerlichen Gesell* Schaftsordnung unmöglich sind, der zu folgen uns aber allein eigene Wert* Schätzung verspricht. Nicht zu abstrakten Illusionen wollen wir flüchten, wenn das Ich zu mahnen beginnt, noch die Maschine des Alltags wollen wir anrufen, damit sie die innere Stimme überklopfe, aber zu uns wollen wir kommen. An die Erde "sind wir gebunden. Nahrung, Kleidung, Wohnung müssen wir uns schaffen und mit den Mit* menschen in irgend einem Verhältnis leben. Das heißt für uns aber nicht, daß wir körperlich und geistig verelenden müssen und uns unsere Gesellschaft nicht wählen können. Denn die Menschen haben sich zu einer Gesellschaft zusammengeschlossen, die die ganze Erde umfaßt und in der die Herstellung von Wohnung, Kleidung und Nahrung eine derart unökonomische, von gewinnsüchtigen Motiven geleitete ist, daß trotz hochentwickelter Technik der Durchschnittsmensch einen über* großen Teil des Tages in übermäßiger, oft unhygienischer Arbeit verbringen muß. Außerdem hat diese Gesellschaft Formen gezeitigt, derart durchgängig bindender, uns unmöglicher Art, daß wir sie nie und nimmer annehmen können. Also bleiben uns, wollen wir konse* quent und tathaft sein, nur zwei Wege. Entweder wir räumen alles uns Widerwärtige aus dem Wege. Das wollen und können wir nicht, abgesehen davon, daß wir ja doch hoffen, wenig* stens einen Teil der Menschen schließ* lieh durch unsere Tat zu bekehren oder wir schaffen uns unsere Bedarfsgegen* 6*

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