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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 71 (sequence 29)
Language
German
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Robert Emil Weiß: Wie ich den Antisemitismus erlebte. 71 geben? Wir erstreben Palästina als Boden für unsere Seele, wo sie sich ihren Weg bahnen kann, den sie dann von ihrem eigenen Wesen geführt, ungehindert von schmählichen äußeren Hemmungen selber finden wird. Wir streben nach jüdisch geläutertem Judentum, letzten Endes dasselbe wie menschlich geläutertes Menschentum, doch soll bei uns die Läuterung aus unserem Wesen kommen, von ihm gefordert, mit ihm übereinstimmen, erst so werden wir Einklang mit der Umgebung herstellen. Durch die Erfüllung des Judentums zu vollen M e n s ch e n gediehen, versöhnen wir uns dann auch mit der ganzen Welt. Wenn wir unseren Ursprung vergessen und uns auf fremden Boden stellen, die Welt um uns her zu betrachten, können wir es vielleicht bei Willen und Selbsttäuschung dazu bringen, zu meinen: wir stehen fest und sehen gut. Unsere Anschauung von den Dingen gleicht dann fast der Wahrheit, sie ist es aber nicht, weil wir falsch, nicht fest genug stehen, weil wir eine ungemäße Perspektive haben, unsere Augen blicken schief, scheel. Unser Standpunkt ist falsch, darum ist Disharmonie in unserem Schauen, wir verrenken unseren Geist in dieser unnatürlichen Lage, und noch das ehrlichste Bestreben, weist dann einen Unterton von Unechtheit auf. Der Boden entspricht unserem Wesen nicht und wir verkümmern, er geziemt uns nicht und Unbehagen frißt an unserer Seele. Darum wollen wir uns sammeln, in uns gehen, uns besinnen, auf unsere Seele lauschen, den uns geziemenden Boden, irdischen wie geistigen erspähen und in Besitz nehmen. Dann erst werden wir den richtigen Blidtpunkt gewinnen, der unserem Wesen gemäß, werden lernen, aufrecht, geradeaus blicken, ausgesöhnt, mit der Welt in geklärtem Einklang. Auf diesem Boden, von Hemmungen unbehelligt, wird unser Blick geläutert werden, unsere Betrachtungsweise klar und einfach, offen und gütig, weil von trübenden Störungen gesichert: ohne Mißtrauen der Welt geöffnet, weil innen im Frieden einig, stark und einfältig,- bereit, alles Lautere von aus* wärts zu prüfen und in Reinheit aufzunehmen, weil innen keine Zwie* tracht, kein Bangen vor Zerstörung sein wird. Damals erst werden wir streben können zur Verwirklichung der eigentlichen Ziele, gestellt durch die geläuterte zionistische Weltanschauung. Mei'r Wiener. Wie ich den Antisemitismus erlebte. Wenn ich persönliche Erlebnisse erzähle, so geschieht es deshalb, weil der Weg, der mich zu meinem Volke führte, derselbe ist, den tausend andere gleich mir beschritten haben. Wenn ich in Schulausflügen durch herrlichen »deutschen« Wald ging und die kräftigen deutschen Mitschüler durch ihn tollen und jauchzen sah, als ob sie mit den Bäumen ein gemeinsames Band verbinden würde, und nur wir Juden, die meisten etwas schwächlicher Natur, verständnislos — einige mit überlegenem Lächeln <— dem Balgen der deutschen Kameraden nachsahen, da faßte uns eine Sehnsucht, es' ihnen gleich tun zu können. Ich merkte, daß der Unterschied zwischen den »christlichen« und den

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