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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 70

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 70 (sequence 28)
Language
German
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70 Meir Wiener: Ziele des Zionismus. Mit Palästina ist der Zionismus noch nicht erfüllt, da beginnen erst seine Aufgaben, von heiligen Propheten seit Jahrtausenden immer wieder gestellt,- im irdischen Jeruschalem beginnt der Weg zum Ziel zum Jeruschalem der Höhen^ Jahrtausende lebten wir von Zion verbannt und verharrten in unserem jüdischen Sein, weil wir das himmlische Zion mit uns, in uns tragen,- was aber ist uns das irdische Zion ohne das himmlische? Harmonie kann erst dort im irdischen Zion erstrebt werden, vergessen wir darüber nicht das letzte Ziel — das letzte Zion. Groß ist die Gefahr, den Weg falsch zu sehen, wie immer, wenn ein praktischer Teil einer Aufgabe sich zu erfüllen anschickt, die letzte Anstrengung kann das Grab des Zieles werden. Strebte der Zionismus nur zur Schaffung materieller Möglichkeiten des nationalen Auslebens, wäre er einer Mode zu vergleichen, die in die Provinz verspätet eintraf. »Zu sein wie die anderen Völker, welche weiteste Möglichkeit zur Entfaltung des eigenen Wesens haben!« Ist aber dieses, wozu sie die Entfaltungsmöglichkeit haben, auch wert, entfaltet zu werden? Und darauf kommt es an. Völker, die ihr Zion hienieden erreicht haben, wie sind sie ohne das höhere Zion? Die besten ihrer Söhne denken an sie mit Schaudern. »Frei, wovon? Was schiert das Zarathustra! Hell aber soll mir dein Auge künden: frei, wozu?« Kein Ziel ist uns »als Jude Mensch sein«, wenn unter »Mensch« der europäische, wie er ist und nicht wie er sein will, gedacht wird. Ist aber unter Mensch der erhoffte, erstrebte gemeint, dann, warum muß es gerade der vom europäischen Menschen seinem Wesen gemäß geforderte sein und nicht der vom Juden, warum dann nicht: Jüdischer Jude? Wie lange noch müssen wir uns in andere vergaffen und noch bei der Läuterung unserer Seele zu anderen schielen: so wollen wir sein als Juden, was sie als Menschen. Da sie uns verachten, sollen wir um jeden Preis ihnen ähnlich werden, »menschlich« werden, auch noch, wenn wir Juden sein wollen, zu sagen: In allen Stücken sind wir euch ähnlich und die Unterschiede sind so klein, wie sie auch eure Völker gegeneinander aufweisen, »Menschen« sind wir, wenn auch jüdische. Unbewußter Hinter* grund dieses Gedankenganges ist Assimilation, statt einzeln in ihr aufgehen, statt sich zu ihr zu begeben, soll sie in unsere Gemeinschaft hineingetragen werden, und so ist »jüdischer Mensch« nichts anderes, als früher z. B. jüdischer Deutsche, nur ist statt des nationalen ein weit* bürgerliches Beiwort gewählt. Dem Judentum ist mit dem »Vermensch* liehen« nach Art des Menschentums das i s t, nicht geholfen, das M e n s ch e ntum aber, wie es sein soll, folgt zumindest eben sowohl aus dem ge* läuterten Judentum. All unser Streben seit tausenden Jahren soll zuletzt in diesem ungeläuterten »Menschentum« münden,- sind wir denn wirklich so schmutzig, daß wir nach einem Bad in diesem trüben Schlamm lechzen müßten? Jüdische Juden müssen wir werden, so werden wir Menschen sein. Nicht um sein zu können, wie jedes Volk, erstreben wir Palästina. Die alten Juden trösteten sich, daß ihre Taten sich an den toten Mauern, am toten Boden und nicht am Geist gerächt haben, sollen wir uns mit der Widerherstellung des toten Boaens, der toten Mauern zufrieden

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