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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 66 (sequence 24)
Language
German
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66 MeYr Wiener: Denn alle Verschiedenheit ist unwesentlich gegenüber der gemeinsamen Not/ den gemeinsamen Qbeln, dem gemeinsamen Erbfeind: Hunger, Krankheit und Verbrechen! Dazu kommt noch die mehr philosophische Erwägung, die Schopenhauer also ausdrückt: »Fast alle Menschen bedenken unablässig, daß sie der und der Mensch sind, nebst den Korollarien, die sich daraus ergeben, aber daß sie überhaupt Menschen sind und welche Korollarien hieraus folgen, das fällt ihnen kaum ein und ist doch die Hauptsache«. Daß sie zu dieser oder jener Nation gehören, wird ihnen auch genug häufig vor* gesagt, aber daß homo sapiens eine Gattungsbezeichnung ist, wird allzu oft vergessen. Nicht der nationale Kampf um die völkische Andersartigkeit und gegen fremde völkische Wesen, sondern der internationale Kampf um* das Wohl aller Menschen und gegen die genannten Feinde aller Menschen ist der berechtigte Kampf, der heilige Krieg! Nicht das nationale Ideal der völkischen Selbstherrlichkeit, sondern das internationale der sozialen Hilfe ist das der logisch^ethischen Forderung gerecht werdende Jugendideal von heute. Es ist auch ein jüdisches Ideal, zu dessen Erfüllung wir uns erziehen wollen, dem wir unsere Begeisterung opfern, für das wir unser Herzblut ver* gießen werden! Für unsere jüdischen Brüder und für unsere nichtjüdischen Vettern! So sind wir sozial-denkende und sozial-fühlende Zionsjugend. Es kann die Zeit kommen, da unsere nationalen Wünsche erfüllt sein werden und wir werden hilflos der größeren Not der sozialen Frage gegen* überstehen. Eine Zeit, da alle Politik nur als Sozialpolitik Daseinsberech* tfcung finden wird. Für diese Zeit gilt es gewappnet sein und kein Jota an Energie in Zwecklosigkeiten verlieren. Benö Freistadt. Ziele des Zionismus. Wie sind wir und wie wollen wir sein? Wir sind schlecht und wollen gut sein. Beginnen wir damit, die Tiefe des Schlammes, den Jahrtausende elendsten Lebens und ungesunden Denkens über die jüdische Seele angesetzt haben, zu ermessen. Wahrlich, Begeisterung und gütiges Erbarmen kann verschönern, kann Unheiligkeit in Heiligkeit wanddn,- und es soll geschehen, wo es sich um lebensnotwendige Rechtfertigung der Vergangenheit handelt, nidit aber beim Aufbau der Zukunft. Weg da mit allem Zerfressenen, Angefaulten, Scheinheiligen. Aufbau heischt: Klarheit, Festigkeit und Güte. Dies des Zionisten vornehmste Pflicht, an der Genesung der Seele zu arbeiten. Bis ins Innerste muß er aufgewühlt werden: wen nicht ein Schauer ergriffen und aufgerüttelt, daß er entschlossen gelobte: »Ich bin schlecht, nun aber will ich gut sein!« ist kein Zionist. Rücksichtslos offene Augen hat der Zionist für all die ekle Verwesung des Galuth und ist beseelt von lebensgierigem Willen zur Genesung.

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