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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 65

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 65 (sequence 23)
Language
German
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Jugendideale. 65 kann, wo die nationalen Grenzen anfangen, Deshalb nicht, weil Jugendbegeisterung das Weiteste, das Höchste zu seiner Befriedigung braucht Aber als opportunistische Hilfskonstruktion, von allem Anfang an bloß als vorletzte Sprosse auf der Leiter der messianischen Heilsverkündigung gedacht, ist jeder Nationalismus verständlich und faßbar. Gewiß, man wird einwenden, Z i o n i s m u s ist mehr als Nationalismus, zionistische Erziehung mehr als Jugendbildung im jüdiscfa^nationalen Geiste. Gewiß> Zionismus heißt Bejahung jüdischer Eigenart, heißt Pflege jüdischer Kultur, heißt auch Hilfe für jüdische Bedrängnis, und heißt auch Wirken jüdischer Politik. Aber all dies steht mit ganzem Gewichte auf der nationalen Idee. Wurzelt aus ihr und ist nur aus ihr allein verständlich. Abgesehen davon, daß es zweifelhaft erscheinen kann, ob die Idee des nationalen Dünkels eines jeden Volkes, dem Jüdischen Geiste angepaßt ist, ob sie nicht vielmehr als jüdischem Radikalismus zu eng und jüdischem Weltgefühl zu klein, ein aufgepfropftes fremdes Reis auf Jischais Stamme darstellt — die Sehnsucht nach Welterlösung bei den alten jüdischen Propheten scheint eine solche Vermutung zu rechtfertigen abgesehen von diesen unwesentlichen Bedenken, muß jeder zugeben, daß es nicht die richtige Methode sein kann, Gegensätze zu überbrüdten, Klüfte zu überschreiten, auseinandergerissenen Menschen das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit zu verleihen — zusammengehörig durch das gleiche, große Leid ~* indem man die Selbständigkeit und das Anderssein der einzelnen Gruppen noch schärfer betont, und deutlicher unterstreicht, kurz Gegensätze schürt, anstatt Brücken zu schlagen. Der Haß der andern gegen uns ist ungerechtfertigt, er wird aber umso bitterer, je andersartiger wir werden. Ich schließe gewiß nicht die Forderung daraus ebenso zu werden wie jene. Bei weitem nicht! Damit wünschte ich die Assimilation. Aber ich wünsche, daß wir und die anderen, die ja auch keine geschlossene Einheit sind, aufgehen sollen in einem höheren Dritten, in einer über^ geordneten Organisation, daß wir und sie den kindischen Streit um unsere bedrohte und natürlich wertvolle Eigenart aufgeben. Nicht, daß wir auf diese verzichten! Aber es ist zwecklos, die Andersartigkeit in ewigem Streit hervorzuheben, sie unendlichemale zu beteuern und so künstlich ewige Gegensätze zu schüren, ewige Feindschaften zu hegen, ewige Kriege vorzubereiten. In den kindlich-naiven Bildern der Haggadah ist der Böse^ wicht, der wohlbewaffnete Krieger! Und Grillparzer sagt, der Weg der Kultur geht von der Humanität über die Nationalität zur Bestialität. Und in seinem blutenden Kriegserlebnis läßt Henry Barbusse, in dem visionären Schlußkapitel seines Buches »Das Feuer«, einen vom Elend des Krieges zu Tode öehetzten also ausrufen: »Und es gibt solche, die sagen, die Rassen hassen einander.« Und er antwortet: sie fälschen die anbetungswürdige Moral. Wie viele Verbrechen haben sie mit einem Worte zu Tugenden gemacht, indem sie sie nationale nannten. Selbst die Wahrheit gestalten sie um. An Stelle der ewigen Wahrheit setzt jeder seine nationale Wahrheit. Soviel Völker; soviel Wahrheiten, die einander nicht gelten lassen und die Wahrheit fälschen und sie verzerren.«

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