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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 64

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 64 (sequence 22)
Language
German
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64 Benö Freistadt: nach kein eigentliches Jugendideal, denn jedes Ideal ist fähig, die Jugend zu begeistern, sofern es nur ethisch fundiert und logisch erweitert ist. Die aüs der zwiefachen Wurzel der ethischen Hilfsbereitschaft und der logischen Erweiterungsnotwendigkeit entsprossene Idee, welcher sich die Begeisterung der Jugend bemächtigt, wird zur Bewegung,- sie ist das Ferment der kulturellen Fortentwicklung, sie ist das Ideal der Jugend. Überblickt man flüchtig die einzelnen Stufen der menschlichen Kultur* geschichte, so sieht man sich gleichsam gezwungen, an eine Erweiterung und Entwicklung der politischen Denkweise zu glauben. Man braucht nicht bis zu den Urzeiten des Sippen* und Hordenlebens zurückzugreifen, es genügt, sich anschaulich zu machen, welche Wege aus der mittelalterlichen Zunftmoral und Städtepolitik bis zu den herrschenden nationalen Binheits* bestrebungen führen. Während dort die Berufsgenossen und höchstens die Bewohner der gleichen Stadt sich als eine engere Einheit fühlen und da* rüber hinaus nur noch den weiten Rahmen der Kirchengemeinschaft an* erkennen, erweitert sidi hier das Gemeinsamkeitsgefühl zur Einheit der Nation. Das Objekt der ethischen Verantwortung wird größer, die Herr* schaft egoistischer Urtriebe kleiner, es hat eine Erweiterung des Inter* essenhorizontes stattgefunden, die Menschheit hat einen halben Schritt nach vorwärts getan. Hier setzen wir nun mit der brennenden Frage ein, die uns Jungen mehr als alles am Herzen liegt: Kann die Idee in ihrem Laufe auf halbem Wege stehen bleiben? Liegt nicht vielmehr ein Denkzwang zur um* fassenderen Erweiterung vor? Wenn ich dem bedrängten Rüben und Simon zu Hilfe eile, muß ich nicht gleichso den Wenzel und Iwan vor Unrecht schützen? Ist es möglich, meinem ethischen Horizont Grenzen zu setzen? Wir stehen vor der Frage nationale Politik oder internationale? Jüdischnationalismus oder nicht? Zionismus als Endziel oder bloß als Mittel zum Zweck? Welches sei das Ideal unserer Jugend? Wenn man eine politische Idee als Resultierende aus einer Reihe von Bedingungen, als Komponenten, entwickeln kann, so genügt dies wohl zu ihrer Erklärung, nicht aber zum Nachweis ihrer Existenzberechtigung als Erziehungsziel unserer Jugend, als Ideal unseres Jugendgeistes. Gewiß, der jüdische Nationalismus ist als Notwehr gegenüber den Assimilations* bestrebungen geblendeter Fremdanbeter und gegenüber der fanatisch* blinden Ungerechtigkeit grundsätzlicher Judenfeinde nicht allein berechtigt, sondern sogar notwendig. Er war, wie jeder andere Nationalismus, ein notwendiges Entwickluiigsstadiunv aber sicherlich kein letztes Ziel. Und der Zionismus, der ihn zum wesentlichen Bestandteil hat, mit dem er organisch verwachsen ist und von dem er nicht getrennt werden kann, ist berechtigt als Qbergangsform der Entwicklung, ist notwendig als Hilfs* mittel zum ewigen Zweck der ethischen Idee, ist als Jugendideal annehmbar, aber nur mit dem Signum des Provisoriums versehn. Nicht aber kann er gedacht werden als letztes Ziel der Geschichtsentwicklung, nicht aufgefaßt werden als absoluter Selbstzweck, der sich allein genug ist. Deshalb uicht, weil das menschlich*logische Erweiterungsstreben in der Verwirk* lichung des menschlich*ethischen Zieles unmöglich gewaltsam halt machen

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