Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 2 (5.1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 63 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Benö Freistadt: Jugendideale. 63 Jugendideale. Die Jugend des Geistes ist ewig und die Ewigkeit ist die Jugend, Jean Paul. Das Ziel aller politischen, religiösen und kulturellen Bewegungen, man kann fast sagen aller menschlichen Bestrebungen, die in einer Gemeinschaft ausgeführt werden, ist in formaler Hinsicht ein gleiches, nämlich ein ethisches. Immer handelt es sich darum, eine geringere oder größere Gruppe von Menschen in irgend einer Hinsicht zu beglücken, oder ihre Leiden zu verringern. Nicht als ob es keine unethischen Bewegungen und Bestreu bungen gegeben hätte! Keiner wird behaupten wollen, daß die Inquisition ethisch positiv bewertet werden kann, wenn auch vielleicht die Absicht der blutrünstigen Fanatiker nicht unbedingt eine schlechte gewesen sein muß. Aber amoralisch, ohne Beziehung und Einstellung zur Ethik, un^ orientiert zu den Problemen von Gut und Böse, war noch nie eine Be^ wegung der Weltgeschichte. Von den zeitgenössischen Denkern wird jedoch eine solche, in ihren Zielen also ethische Bewegung, stets nur dann gebilligt, wenn sie außer ihrer Wurzelung in einem ethischen Gefühle, auch noch der strengen Prüfung der Logik standhält. Und diese fordert Erweiterungsfähigkeit und geschlossene Einheit in allen aus ihr gefolgerten Konsequenzen. Erst dann wird die Bewegung fähig, dauernde Begeisterung für sich in Anspruch zu nehmen. Denn die Menschen haben eine fundamentale Neigung, stets zu verallgemeinern, sich mit dem Beschränkten nicht zufrieden zu geben und von demselben ausgehend über das Weitere rastlos bis zum weitesten zu schreiten. Mit den Worten Wielands; »Nichts halb zu tun ist edler Geister Art.« Diese Konsequenz in der Erweiterung gewonnener Ergebnisse, die uns Juden mehr als allen andern anhaftet — Christus, Spinoza, Marx waren Söhne unseres Volkes —' ist die Ursache aller Radikalismen. Die Schöpfer aller sozialen Bewegungen, selbst die philosophischer Systeme, stellten dieselben in ihrer radikalsten Form auf. Alle diese Bewegungen, aber -~ ich nenne sie soziale, weil sie eine Gemeinschaft, die bewegt werden soll, voraussetzen —* fordern, in ihrem Zwecke ethisch, in ihrer Konsequenz logisch, zu ihrer Realisierung noch einen unersetzbaren Faktor: Die Jugend. Das einzige Kriterium, das sich mit Sicherheit, und zwar zwingend auf die Jugend anwenden läßt, ist Begeisterungsfähigkeit. Nur wer imstande ist, aus sich selbst heraustretend für eine Idee Begeisterung aufzubringen, gehört zu den »ewig Jungen«. Alle andern bilden die große Menge der »Altgeborenen«. Keine Altersfrage liegt hier vor, sondern das psycho^ logische Problem der Begeisterungsfähigkeit. Begeisterungsfähigkeit jedoch ist eine bloß formale Qualität,- sie ist noch inhaltsleer. Erst an dem Inhalt, der von außen zukommt, entzündet sie sich, befruchtet aber in vollendeter Wechselwirkung die ihr zugetragene Idee, indem sie dieselbe um ein gewaltiges Stück vorwärtsbringt. Die Jugend wird mit ihrer Begeisterung das Blut der Bewegung. Sie war es im klassischen Altertum, sie war es in den Stürmen des 48er-Jahres und sie ist es auch heute. Es gibt dem^ 5*