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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 61

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 61 (sequence 19)
Language
German
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Das Dilemma. 61 Der Assimilationsgedanke (vom Idealen sc. hergesehen). Er bedeutet den Eingang des jüdischen Willens in die Gefühlsrichtung des jeweils gegebenen Nationalstaates unter der Absicht einer kulturellen Steigerung dieses Nationalzustandes. Die Orientierung eines allmenschlichen Gefühls geht ein, nicht auf, in das Wesen des zufälligen Staatskörpers, und die Angleichung ist eine doppelseitige — der nationale Zentralismus wird weltpolitisch, und die Idee der Weltordnung realisiert sich als innernationale Arbeit in der Bedachtheft auf die Nation als dem zunächstliegenden Wirk* samkeitselement für die Säuberung der Welt. Die zweite. Methode ist die zionistische oder besser die nationaljüdisdie. Denn ebenso, wie es in der assimilativen Orientierung eine rein egoistische Opportunitätsrichtung gibt, teilt sich die zionistische Absicht in eine kosmo* politische und in eine kryptoindividualistische Zweckgenmeischaft. Wir Erechen hier nur vom jüdischen Idealismus. Für den universell idealistischen ionismus liegt die Garantie der Weltwende aus Freud in Leid in der Schaffung eines geistigen Nährbodens, der in einer Konzentration mensch* lieber Gedanklichkeit <und gedanklicher Menschlichkeit) rastlos neue Wellen liebenden Geistes über die verheerte Erde aussendet, eine Kraftquelle der Gerechtigkeitsidee, eine lebendige Mahnung und Besinnung, ein ewiges Manifest durch Glauben und Beispiel. In der kosmopolitischen Idealität ist der zionistische Staat die Keimzelle des werdenden Reiches Gottes auf Erden. Und Gott ist die Liebe. Die dritte Richtung formte sich der jüdische Idealismus in der Phalanx der Alljuden. Eine Ironie, daß die Geburt dieses Wortes im Alldeutschen geschah. Alljudentum, nicht als der Begriff einer machtpolitischen Expansionstendenz, wohl aber als der Ausdruck für den allmenschlichen Geist der jüdi* sehen Mission. Die Diaspora des jüdischen Volkes ist nicht Unglüick, sondern Glück, die Sendung der jüdischen Weltanschauung verbürgt sdi in jenem Fluidum der Menschlichkeit, das allein über die Zeiten, Formen und Grenzpfähle hinweg, göttlichen Atems voll, hinüberschwingt, eine heiße, gewaltige Welle von Recht und Vernunft, und entwogend aus den Tiefen der Seele der Juden. Nicht mehr die Scholle, der Telegraphendraht vermittelt! Die Sendung des Judentums zur Vollendung der Welt ist das Mittlertum zwischen den Staaten und Völkern. Die Diaspora ist ein Gnadengeschenk. So treten in gleicher Zielstrebigkeit, harmonisdc in der Absicht, und nur in den Mitteln different, die jüdischen Parteien in das öffentliche Leben. Es ist wie mit dem Sozialismus, die Technik variiert. Und es ist sozialistische wie jüdische Tragik: Mißtrauen breitet sich, Bruderkrieg entsteht, die Kräfte zersplittern. Das Geistige gerät ins Dilemma. Dem objektiven Urteil erscheint das Recht aller! Die Diaspora, die glänzendste organisatorische Gegebenheit für die durchgängig schrankenlose Durchs Setzung der Welt mit dem Geiste der Gerechtigkeit und Versöhnlichkeit ist zugleich die größte Gefahr dieses Geistes, Blöcke von Gefahren he* lauern den Vereinzelten, Berge von Widerständen bedrohen die Spannkraft des Willens. Und der Zionismus, die unerhörteste Verdichtung idealischer Energien, ein Dynamo der hirnlichen Triebkräfte, legt Bresche 5

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