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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 58

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 58 (sequence 16)
Language
German
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58 E. Elijahu Rappeport: Jung-Juda. darin krank. Sie scheuen sich Gott zu glauben, weil sie wissen —- daß das nicht vornehm ist. Sie kennen das sinnleere Wort Atheismus und putzen damit ihre Nichtigkeit auf. Wahrlich, sie haben diese Krankheit nidht aus Zijon mitgenommen, sondern im kranken Europa damit lange als Medizin gehandelt und für diesen stinkenden Artikel so viel Reklame gemacht, daß er ihnen jetzt selber gut genug dünkt. Die Kleingläubigen finden ein erzwungenes Lachen für die Juden, die Jeschurun nicht kennen wollen, aber sie lachen nicht über sich, daß sie Kinder Gottes sind und ihren Vater nicht kennen wollen. Sie wollen ihr Land wieder, und was mehr sie verloren haben, ihren Glauben, den suchen sie nicht! Nirgends im jüdischen Volk finden wir Glauben. Hier Hochmut des Aberglaubens, dort Kleinmut des Unglaubens. Aber der Mut des Glaubens ist gering und das Gottwissen ist krank. Und so wollen wir in unser Land? Ohne Propheten wollen Juden etwas ausrichten? Nein! Ich schwöre euch, ehederin nicht der Prophet kommt, der uns unser Land gibt, werden wir es nicht besitzen! Aber ich schwöre euch auch, daß der Prophet kommen wird, weil er kommen muß! Schon heute spürt, der aufhorcht, wie es unter den Juden gärt und wie sie nach dem Propheten rufen. Und Jeschurun ruft nicht umsonst nach seinen Berufenen! Ich sage darum nicht, daß wir nichts tun können als warten, aber ich sage, daß wir nicht glauben dürfen, das Land zu gewinnen, wenn wir nicht uns selbst erst als Juden gewonnen. Ein Jude ohne Gottesbewußt^ sein ist eine Glocke ohne Schwengel. Es gibt wohl eine große Zahl von Juden, die an ihrem Platze treu geblieben sind, das sind diejenigen unter den orthodoxen Juden, deren Aufgabe es nicht ist, über ihr Tun nachzudenken, sondern die einfach alle Gebräuche halten, ohne zu zweifeln. Ihr Glaube ist ihre eigene Sache, aber ihr Bewußtsein ist die reine jüdische Religion. Gar nicht aber kann ich das Handeln jener Leute billigen, die mit ihrem Dienst lügen. Das sind jene, die in ihrem Herzen Gott längst verloren haben, aber statt ihn zu suchen, blind und blöde alle mosaischen Gebräuche weiter befolgen. Am traurigsten aber ergeht es jenen, die mit ihren mosaischen Gebräu^ dien ihren Gott aufzugeben vermeinen, die dann glauben^ etwas Großes gefunden zu haben und dennoch das Größte verloren haben. Wir können nicht hoffen, daß wir im Galuth die jüdische Religion wieder zu einem starken Volksbesitz ausgestalten werden. Die mosaischen Gebräuche sind es allein nicht imstande und das zweifelnde Suchen vermag es nicht. Alles, was wir können, ist, uns vorbereiten auf den Propheten, der kommen muß, weil wir ihn brauchen. Nur ein Prophet kann den Juden ihren Gott wiedergeben und nur gottstarke Juden können Palästina wiedergewinnen. Ich spreche über jüdische Religion und mosaische Gebräuche nicht, um die mosaischen Gebräuche als wertlos zu bezeichnen und einen modernen Blödsinn, wie eine Vernunftreligion zu predigen, sondern vor allem, um zu sagen, was in dieser kranken Zeit gesagt werden muß: Solange wir Juden Haschern nicht wiedergefunden haben, werden wir das Land unserer

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