Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 2 (5.1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 57 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Jung*Juda. 57 der Bibel steht. Und dennoch ist das der Geist und Sinn der Bibel; Sie aber entgegnen: »Spricht nicht Gott selbst zu Abraham und Moses? und wie könnte er sprechen, wenn er nicht außerhalb der Dinge wäre?« Die Kleingläubigen merken gut auf den Buchstaben, aber sie merken nicht den Sinn. Diese Erzählungen von Gottes Wundern sind mythische Bildungen und Mythos bedeutet immer Konkretisierung der nationalen Abstraktionen. Wenn ihr nun also sagt: »So sind die Erzählungen der Bibel nicht wahr,« dann seid ihr im Irrtum und leugnet, wo es nichts zu leugnen gibt. Es gibt in der heiligen Schrift kein unwahres Wörtlein, weil ein Wort nicht wahr oder unwahr sein kann an sich, sondern erst der Sprecher machts zur Lüge. Aber es gibt in keinem Buche so viel und so großstehend ewige Wahrheit. Ganz wahr ist es, daß Gott zu Abraham gesprochen und jedes Wort, das die Bibel von diesem Gespräche uns zubringt, ist die wahre jüdische Geschichte, denn die Geschichte eines Volkes ereignet sich nicht durch äußeres Geschehen, sondern im Volk. In der jüdischen Religion nimmt nicht nur das Gesetz und der Kampf um das Gesetz eine große Bedeutung an, sondern auch vor allem der Kampf gegen das erstarrte Gesetz. Schon die ersten Propheten mußten sich gegen den blinden Gesetzesgehorsam, der dem wahren Dienst keine Rechnung trägt, wenden. Noch mehr aber gaben stets die Gebräuche den Anlaß zur Weiterbildung der Religion. Immer, wenn die Gebräuche leer wurden und zur einzigen Hauptsache, entstand Revolution dagegen. Eine der größten derartigen Bewegungen war durch Jeschua hervorgerufen worden. Er erkannte die weltbewegende Tiefe der jüdischen Religion und hatte ein unbändiges Gottesbewußtsein und mußte sich daher als Aschiak fühlen, da er rings um sich sah, wie durch die Macht der Priesterherrschaft der Glaube ein Kultus zu werden begann. Alles was er predigte, war der lebendige Glaube und sein Dienst die Liebe. Diese Liebe ist nicht etwa etwas Unjüdisches, wie denn das Leben des Jeschua nichts anderes war, als Offenbarung des Judentums. Darum muß uns die Erscheinung Jeschua etwas Wichtiges sein, wenn wir auch gewisse Folgen dieser Erscheinung, das Christentum, wie immer betrachten. Die Liebe, die Jeschua lehrt, ist die Ruhe, die wir erlangen, wenn wir uns als Elemente des Universums bewußt werden. Daß ein großer, ja der größte Teil des hohen Wertes der Lehre des Jeschua für das jüdische Volk verlorengegangen ist, ist die Schuld derjenigen Priester, die in falschem Eifer jede normale Beschäftigung mit den hohen Offenbarungen dieses Maschiach verboten haben. Ein zweiter Maschiach, der noch sehr weit davon ist, als jüdischer Maschiach angesprochen zu werden, ist der Renegat Spinoza. Alle seine Werke sind Offenbarungen des Judentums und gehören zu den wichtigsten Dokumenten der jüdischen Religion. Abermals eine Offenbarung des Juden^ tums brachten Baal Schern und seine Schüler und heutigentags offenbart Martin Buber. Heutigentages stehet es traurig um Jeschurun, denn er ist arg zerrissen. Die Juden nehmen heute das Maul voll Judentum, aber ihre Seele ist