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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 56

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 56 (sequence 14)
Language
German
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56 E. Elijahu Rappeport: Wissenschaft. Diese Gemäßheit ist keine zufällige, sondern für das Denken die einzig mögliche. Zum Bewußtsein kann dem Menschen die Welt auch durch ästhetische Prinzipien gelangen »Kunst«, aber denken kann der Mensch die Welt nur menschlich, also nach den Prinzipien des bedingten Wissens. Ein wesentliches Organ der Religion ist der Brauch* Er besteht aus einer vorgeschriebenen Art der äußerlichen Lebensführung und sein Sinn ist, das innere Leben zu symbolisieren. Und der Zweck dieses Symbolisierens ist die Erreichung der größtmöglichen Gemeinschaft aller Religionssomit Nationsgenossen. VVorwiegend wird dieser Zweck durch das gemeinsame Gebet erreicht. Die Gebräuche entstehen natürlich aus allen mög^ liehen Bedürfnissen heraus. Unter denen gibt es solche, die ganz an einen bestimmten Ort, oder eine bestimmte Zeit gebunden sind. Daher kommt es, daß bei Konservierung aller Gebräuche, oder auch nur möglichst vieler, der Religion selbst leicht Schaden zugefügt werden kann. Doch sind die Gebräuche, sobald sie erstarren, Anlaß zu Revolutionen und haben in diesem Sinne bei einem gesunden Volk einen hohen Wert. Die Gebräuche sollen also im wesentlichen zweierlei: Erstens sollen sie die Gemeinsam* keit des religiösen Bewußtseins kräftigen, zweitens sollen sieden Glauben konservieren. Es ist damit genügend von Religion im allgemeinen gesagt, um von der jüdischen Religion im besonderen zu sprechen. Das Gottesbewußtsein der Juden, als einen der wesentlichsten Faktoren des Judentums, habe ich schon einmal besprochen und will nur erinnern. Ich sagte damals, das Judentum lebt in einem Widerspruch und die Form seines Lebens ist das Suchen nach Vereinheitlichung. Der Widerspruch ist der, in dem das Individualbewußtsein des Einzelnen und des Volkes als Individuum zum Universal^ oder Gottesbewußtsein stehen. Zu allen Zeiten haben die Juden das Universum als eine notwendige Einheit aufgefaßt und als Teil des Universums von diesem ein Bewußtsein gesucht und im Gottesbewußt* sein gefunden. Aber zu gleicher Zeit war der individualisierende Trieb bei ihnen sowohl für den Einzelnen, als für das Volk als Individuum sehr stark und sie haben sich gemäß den Trieben des praktischen Ver* Standes streng und scharf gesondert. Das Wesentlichste an der jüdischen Religion ist das Bewußtsein, daß der einzelne Mensch mit allem Geschehen persönlich verwoben ist, daß er organisch in die Welt eingefugt ist und daß alles in der Welt göttlich ist. An dem wichtigsten Grundsatz: »Du darfst dir kein Abbild machen!« kann man diesen wesentlichsten Zug der jüdischen Religion erkennen. Gott ist nicht ein endliches Ding, sondern er ist in allen Dingen, so ist er auch im Menschen. Er ist das lebendige Prinzip in allen Dingen und nur der ungewohnte Klang kann hindern zu sagen: Haschern ist die Welt. Was die meisten von unseren Juden hindert, das zu sehen, ist ihre Kleingläubigkeit. Sie hängen ganz an den Buchstaben, ohne sich bewußt zu werden, wie sie an Gott hängen. Wenn ich ihnen also sage, Gott ist nicht außer der Welt und kann dennoch nicht durch die Welt begrenzt werden und ist darum die Welt selbst, so sagen sie, daß davon nichts in

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