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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 54

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 54 (sequence 12)
Language
German
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54 E. Elijahu R'a p p e p o r t: wir eure Meinung ehren. Gebet uns die Liebe, womit ihr eure Meinung liebet.- denn Haß erwecket Haß und nur Liebe erwecket Liebe. So werden wir so nahe aneinanderkommen, als uns Gott genähert hat. Und wahrlich, das schwöre ich euch zu, ganz nahe zueinander hat uns Gott getan. Willfahret ihr meiner Bitte, so werdet ihr die Ruhe gewinnen, die der höchste Lohn des menschlichen Tuns sein kann. In Europa stehen alle Erörterungen über Religion unter dem Eindruck einer >>unnationalen*christlichen« Religion, die, wenn sie überhaupt anders als in Büchern existiert, jedesfalls etwas Grundverschiedenes ist von dem, was man Religion mit Recht nennt. Es wird gewöhnlich so dargestellt, als wäre die Religion etwas prinzipiell Steriles, sowohl in dem Sinn, daß sie nicht produziert als auch in dem Sinne, daß sie nicht verändert werde. Die Religion glaubt man gestorben, und die Priester selbst läuten ihr die Sterbeglocke. Und an all diesem Sagen liegt wirklich etwas Wahres. Es befinden sich nämlich alle Völker, mit denen wir unmittelbar zu tun haben, in dem krankhaften Zustand, daß die nationalen Kräfte, die bei normaler Entwicklung in der Religion konzentriert sind, gegenwärtig arg zersplittert sind. Was ist nun eigentlich Religion? Man kann es von verschiedenen Seiten her betrachten und einordnen. Als allgemein menschliches Merkmal ist die Religion tatsächlich dasjenige, was menschliche Gesellschaft von Tiergesell* Schäften unterscheidet. Die anderen gesellschaftlichen Triebe sind bei Tier* gesellschaften zweifellos besser entwickelt als bei Menschengesellschatten. Nie noch hat menschliche Gesellschaft so funktioniert wie ein Bienen* oder Ameisenstaat. Aber alle Tiergeselkchaften bleiben Staatsgemeinschaften mit maschinmäßig gutem Funktionieren und erheben sich niemals zu National* gemeinschaften, zu Nationen. Das nun ist dasselbe, als wenn ich sagte, den Tieren fehlt jedwede Religion. Damit ist aber noch nicht viel für den Begriff der Religion gesagt und wir müssen sehen, wie Religion bei Menschen entsteht. Wenn es irgend ein Volk geben könnte, das bloß für seine primär* vitalen Interessen Sorge tragen würde, bloß für die Gegenwart und bedingte Zukunft Arbeit leisten würde, dann müßte das ein Volk ohne Religion sein, siehe — da — eine Tiergesellschaft, ein Staat. Denn die Tiere tragen in ihrem Handeln keine absolute Zukunft. Aber eine mensch* liehe Gesellschaft gibt es nicht, die auf die bloße Gegenwart und bedingte Zukunft gerichtet ist. Das auf die absolute Zukunft zielgerichtete Bewußt* sein kennzeichnet das Volk. Daraus entspringt das Bedürfnis, die Außen* weit in das individuell beschränkte Bewußtsein zu ziehen. Das Bedürfnis, die Außenwelt zu erleben, die Außenwelt zu begreifen. Und das ist die Quelle der Religion. Das einem Volke gemeinsame Bewußtsein von der Außenwelt ist seine Religion. Die Religion sucht somit die Außenwelt zu erklären. Es ist dann leicht zu begreifen, warum das Volk an einer einmal gewählten Erklärungs* form sehr strenge festhält, besonders, wenn man bedenkt, daß auch ethische Elemente frühzeitig in die Religion eintreten. Aber nicht bloß ethische Elemente. Alles Volksbewußtsein tritt in diese Religion ein und

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