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Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 52

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 52 (sequence 10)
Language
German
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52 Eugen Hoeflich: verankert hat, auch geistig nach dem Asien, aus dem wir kamen, ehe uns die kläglichen europäischen Jahrhunderte anfielen. Nach dem Asien der vollen und konsequenten Gefühle, nach dem Asien der Absolutheit im Guten und im Schlechten. Die Brücke ist schmal, die uns hinüberführt und fester Wille tut not, um nicht zurückzustürzen in die sinnlose Vergangen* heit. Drüben aber steht das Leben mit seinem ehrlichen Kampf und mit seinen kompromisslosen vollen Siegen und mit seiner ganzen Güte. Dort hinüber müssen wir die Taten unsres Lebens tragen, denn an uns ist es, in unsere Weltgeschichte richtungsgebend einzugreifen, das alte Judentum aus der Trägheit dieser Tage, aus Zweckdasein, Merkantilismus und Lauheit zu reißen, ehe es ganz untergeht im Buropäertum. Drüben ist das Leben. Drüben wollen wir unsere Gemeinschaft gründen, die herrlidier sein soll, wahrer und innerlicher als je eine war, eine Gemeinschaft, die aufgebaut ist auf dem Rechte der Jugend, auf Liebe und auf die Ehrlichkeit, auf Ja und Nein, auf Du und Ich. An uns ist es, unser Volk zu führen, denn in uns ist die Leidenschaft, die nicht zögert und zaudert, und wir sind es, die ihm das Blut des Sieges geben. Wir, die Jungen haben das Leben auf unserer Seite, das größte Recht des Lebens, wenn wir fordernd in die Schranken dieses Kampfes treten. Unser Leitspruch aber sei: »Wir wollen kein Europa in Asien!« Wir wollen kein Europa in Asien. Wir wollen keine jüdisdie Gemeinschaft im jüdischen Lande, die sich auf die alten abgebrauchten Formen europäischen Gemeinschaftslebens aufbaut, auf der alten unwahren Ethik, die nichts gemein hat mit den Gesetzen unsres Blutes. Es ist uns eine Gemeinschaft not, die, nicht aus ökonomischem Zwange geboren, einzig und allein eine neue, alte, jüdische Ethik zur Grundlage hat: Liebe, Gerechtigkeit und ganze Gefühle. Wenn wir aber, das fordernd, die Brücke zum Drüben überschreiten wollen, müssen wir an uns die Forderung richten nach dem Letzten, nadi dem Tiefsten, dem Absoluten, dem zwingenden Drang nadi innerer Einheit. Hinter uns Europa, vor uns die Heimat. Wenn wir unsre Dörfer bauen werden, wollen wir sie mit einer Schutzmauer umgeben, über deren Toren stehen wird: Ihr, die ihr hier eingehet, lasset eure Geschäfte draußen. Denn wenn wir eine bewußte Gemeinschaft setzen wollen an die Stelle des zufälligen und gewohnheits* mäßigen Beisammenlebens, an die Stelle des heutigen europäischen Aneinandervorbeilebens im gemeinsamen Räume, müssen wir uns klar wer* den, daß wir keine Politiker sein wollen, keine Diplomaten und keine Spekulanten, sondern Mensdien, nichts weiter als jüdische Menschen. Tausendmal besser ein jüdischer Beduine, als ein jüdischer Spekulant dessen Moral die Moral des Spekulanten ist, der fürs Heute lebt und mit dem Kurse von morgen fällt. Lieber singen als zählen, lieber staunen als kalkulieren, lieber den Boden unsres Landes küssen als ihn berechnen. Wir müssen erkennen, was uns nötig ist: Die staunende Demut vor dem Grandiosen: die alte Religiosität. Es muß uns klar werden, daß nidits anderes das Judentum im Judentum zusammengehalten hat in den Jahren des Exils, als seine Religion. Nicht Nationalismus, nicht Rasse,

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