Mannheim
Compact Memory

Jerubbaal · 1918-05-01 · 2 (5.1918) · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
2 (5.1918)
Date
1918-05-01
Page
Seite 51 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3776398-6437699-6437743--068-3776462
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Vom Propheten Mose. 51 gaben dem König einstimmig folgende Antwort: Nach dem, was wir sehen, zu urteilen, muß der berühmte Mann, das wollen wir unserm Herrn gestehen, ein Mensch von böser Veranlagung, voll Hochmut, Habgier und heftiger Triebe sein, einer, in dem man alle Laster, die die mensche liehe Seele herabwürdigen, vermuten kann. Da ergrimmte der König und sprach: Ihr verhöhnt mich wohl,- von überallher höre ich nichts als Ruhmvolles über den herrlichen Mann. Nun erschraken die Untergebenen, die Gesichtsforscher und der Künstler, und suchten sich mit demütiger Stimme zu rechtfertigen. Die Weisen gaben dem Maler die Schuld und sagten, daß die Zeichnung falsch sei,- der Künstler wiederum schob die Schuld auf die Beurteiler, die das Bild nicht zu deuten verstünden. Da nun der König die Wahrheit wissen wollte, begab er sich in eigener Person mit seinen Reitern in das Lager Israels. Er kam und sah noch von der Ferne das Angesicht Moses, des Mannes Gottes. Er holte das Bildnis hervor und verglich es mit der lebendigen Erscheinung, und siehe, das stimmte mit dieser überein. Dessen verwunderte sich der Fürst ohne Maßen. Er suchte das Zelt des Propheten auf, büdvte sich und fiel vor ihm auf sein Angesicht und erzählte, was ihm mit dem Werke des Künstlers widerfahren war. Er sprach: Sei mir gnädig, du Mann Gottes! Ehe ich dein Antlitz gesehen hatte, glaubte ich, daß die Arbeit des Malers mißlungen wäre,- nun ich dich von Angesicht schaue, sehe ich, daß die Gesichtsdeuter, die an meinem Tische speisen, mich betrogen haben, und daß das, was sie treiben, Afterkunst ist. Da erwiderte Mose dem Fürsten und sprach: Nicht so, mein Herr,- sowohl deinem Bild als deinen Weisen ist Recht .zu geben. Wäre ich nicht von Natur, wie mich dir die Nachdenklichen schilderten, ich gliche einem verdorrten Stücke Holz, von dem man gleichfalls sagen kann, daß es von Untugenden frei ist. Jawohl, mein Herr, ich stehe nicht an, dir zu bekennen, daß all die Fehler, die die Gesichtsdeuter aus meinem Bilde herausgelesen haben, und noch viele andere, in mir vorhanden sind, daß ich aber durch die Kraft meines Willens ihrer Herr geworden bin, so daß das Gegenteil davon nunmehr meine zweite Natur ausmacht. Das ist der Grund dafür, daß ich solchen Namen errungen habe, und daß ich verherrlicht werde im Himmel da oben und auf der Erde da unten. {übersetzt von R. R.> Leidenschaft: Wort und Tat. Jugend ist Recht. Der innerliche Besitz der Jugend gibt ihr das Recht zu fordern. Diese Idee aber, deren Ziel Forderung der Jugend ist, ist die stärkste, hinreißendste, die von der Jugend propagiert wird, denn die Jugend ist die Tat, die Worten entbäumt, die den stärksten, von Kom^ promissen am wenigsten berührten Sinnen sidh entreißen. Die innerliche Entscheidung, die zur zwingenden Notwendigkeit wird in dem Menschen, der sich dem Zweckdasein des Tages entheben kann, weist uns, junge Juden, in denen Europa sich noch nicht unentwurzelbar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.