Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 2 (5.1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 50 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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50 M. J. Bin Gorion: hier gewesen sein,- suche es also anderswo. Oder du hast am Ende gar nichts verloren, dann geh weiter, wo du hinwillst. Und die beiden Männer zankten miteinander und hieben aufeinander ein. Da erhob sich der Prophet und wollte sie trennen,- ehe er aber hinzugekommen war, hatte der Mann, der das Geld verloren, den andern erschlagen und war davon* gelaufen. Da war Mose voll Barmherzigkeit über den, der ohne Schuld den Tod erlitten hatte, und'es nahm ihn wunder, daß unser Herrgott solche Dinge geschehen läßt. Er sprach: Herr, von dreierlei ungerechten Taten war ich eben Zeuge, Du hast fürs erste zugegeben, daß einer um seine Habe gekommen ist,- du hast fürs zweite zugelassen, daß einer, dem sie nicht gehörte, sich an ihr erfreut hat und von niemand in ihrem Besitz gestört wurde,- du hast fürs dritte nicht verhindert, daß einer, der nichts verbrochen hat, getötet worden ist. Und dessen nicht genug, mußte noch der Mann, der den Verlust erlitten hat, zu einem Mörder werden. So kläre mich denn auf, allmächtiger Gott, wie die Geschehnisse zu verstehen sind. Da erwiderte der Herr seinem Diener Mose und sprach: Du wähnst, mein Handeln sei verkehrt, und so dünkt manches, was ich tue, den Menschen wunderlich, denn er weiß nicht, daß alles seinen Grund und seine Richtigkeit hat. Du sollst nunmehr erfahren, daß der, der den Beutel verloren hat, wohl selber redlich war, daß sein Vater aber dieses Geld geraubt hatte. Der damals Bestohlene wiederum war der Vater des Mannes, der den Beutel gefunden hat. Also fügte ich, daß der Sohn des Eigentümers zu seinem rechtmäßigen Erbe gelangte. Von dem, der erwürgt worden ist, soll dir offenbart werden, daß er des Diebstahls zwar nicht schuldig war, daß er aber einst, es ist lange her, den Bruder des Mannes, der ihn jetzt umgebracht, erschlagen hatte. Die Mordtat hatte keine Zeugen gehabt, und das Blut des Getöteten blieb ungerächt. Also ließ ich es geschehen, daß der Mörder von dem Bruder seines Opfers verdächtigt und totgeschlagen worden ist. Und so lasse ich so manches in der Welt sich zutragen, was der Mensch nimmer verstehen kann. Keiner kann meine Wege erforschen, und ihr mögt oftmal nicht begreifen, warum es zuzeiten dem Frevler wohl, dem Gerechten aber übel ergeht. Diese Erzählung steht im »Buche der Geschichten« geschrieben. Das Bildnis. Als Mose Israel aus dem Lande Ägypten geführt hatte und die Kunde davon zu den Völkern gedrungen war, erfaßte sie Furcht und Staunen, und sie verwunderten sich baß über den Mann, der solche Heldentaten vollbracht hatte. Ein arabischer König aber begehrte sehnlich, den Sohn Amrams zu sehen, und sandte einen erlesenen Maler in das Lager der Ebräer mit dem Auftrage, ihm von dem Führer der Stämme Jakobs ein Bildnis zu verfertigen. Der Künstler ging hin, bildete die Gestalt Moses ab und brachte die Leinwand seinen Fürsten. Da ließ der König die Weisen kommen und gab ihnen auf, aus dem Bilde das innere Wesen und den Charakter des Dargestellten herauszulesen und das Geheimnis seiner Kraft aus seinen Zügen zu ergründen. Die Weisen beschauten das Bildnis und