Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 2 (5.1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- Seite 49 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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J. bin G o r i o n : Vom Propheten Mose. 49 Selbsteroberung, mein Gericht und meine Reinigung zu teilen haben«. Ja, du hast recht: man kann helfen. . . wenn man nur erst helfen wollen kann. Dann aber, wenn dir dies Schwerste gelungen ist, auch noch diese ganze ungeheuerlich zerrissene Gegenwart zu einem Drinnen zu machen, wenn du die härteste Probe bestanden hast, wird dir nicht für einen ent^ züdkten Augenblick, sondern für die Wirklichkeit deines Lebens Drinnen und Draußen zur Einheit werden. Wer alle Kraft seiner Seele dransetzt, das Draußen mit all seiner Pein und seinem Widerspruch ins Drinnen aufzunehmen, das Drinnen mit all seinem Heil und seiner Forderung im Draußen zu verwirklichen — von dem darf gesagt werden, daß er jüdisch lebt. Denn der Kern des Judentums ist, dem Leben eines Volkes anvertraut, die Lehre der realisierbaren Einheit von Drinnen und Draußen. Martin Buber. Vom Propheten Mose.*> Zwei Gesdiiditen, mitgeteilt von M. J. bin G o r i o n. Am Brunnen Unser Lehrer Mose hatte zur Gepflogenheit, einsame Stätten aufzusuchen, wo er mit sich selbst Zwiesprache hielt, und wo der Geist Gottes über ihn kam. Eines Tages ruhte er unter einem Baume, von dem in einiger Entfernung sich eine Quelle befand, und gab sich seinen Gedanken hin. Da sah er einen Mann an den Brunnen kommen und Wasser trinken und danach wieder seine Straße ziehen. Dem Manne aber war ein Beutel entfallen, und er hatte es nicht gemerkt. Nach einer Weile kam ein anderer Mann an den Brunnen, trank gleichfalls Wasser und sah den Beutel liegen. Er hob ihn freudig auf ünd setzte seinen Weg fort. Nach ihm machte ein dritter Wanderer Rast vor der Quelle, und der verweilte an der Stätte längere Zeit. Unterdessen war der erste Mann des Verlustes gewahr und sprach bei sich: Gewiß hab ich den Beutel am Brunnen fallen lassen, als ich mich bückte und Wasser trank. Und er lief behend zurück und sah da einen Mann rasten. Er fragte ihn: Was machst du hier? Der Angesprochene erwiderte: Ich bin müde und ruhe hier ein wenig/ ich habe hier etwas gegessen und getrunken und nun will ich meine Straße weiter ziehen. Da sprach der Mann, der das Geld verloren hatte: So hast du wohl meinen Beutel gefunden, den ich hier habe liegen lassen,- es kann kein anderer gewesen sein als du, denn es ist erst eine Weile her, daß ich ihn verloren habe. Der Beschuldigte antwortete: Freund, ich habe fürwahr deine Börse nicht bei mir,- zeihe mich nicht zu Unrecht des Raubes. Ist es erst kurze Zeit, daß dir dein Geld abhanden gekommen ist, so kann es nicht *> Aus dem dritten Teil der Sammlung >Der Born Judas«, der demnächst im Insel - Verlag zu Leipzig erscheint. 1