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Jerubbaal · 1918-04-01 · 1 (4.1918) · p. Seite 42

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
1 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 42 (sequence 44)
Language
German
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42 Rundschau. — Literatur« deren Entwicklung ihr gemeinsames Werk ist/ daher überall ein inniges, verständnisvolles und aufopferndes Zu* sammenarbeiten aller und insbesondere der schaffenden Geister in den Garten» Städten. Die heutige Großstadt aber ist eine kulturell, ethisch und ästhetisch bedeutungslose Menschenmasse/ kein Ganzes, sondern ein Auseinander* fallendes. Immerhin, so anfanghaft und kom* promißvoll alles Bisherige in der Garten* Stadtbewegung ist, das Erreichte ist schön und hoffnungsvoll. Eine Anzahl Siedlungen sind geschaffen, in denen die Menschheit bereits einen neuen Geist zu atmen beginnt. Der Betretende fühlt: Hier ist ein neues Zeitalter im Anbrechen. Überall hat sich hier ein neuer Geist neue Lebensformen ge* schaffen: nirgends z. B. Reklameplakate und sonstige aufdringliche Suggestivität, nirgends unnützer Lärm, keine Armen und keine Bettler, obwohl die Garten* Städte für alle Klassen und Stände ge* dacht sind <was schon daraus erhellt, daß sich in den deutschen Gartenstädten die Jahresmiete pro Häuschen mit drei Zimmern, Küche, Bad, Garten etc. auf zirka 300'— Mark beläuft). Überall gemeinnützige Einrichtungen, überall die wichtigsten Errungenschaften der Technik und der Ökonomie. Die Gartenstädte sind Siedlungen von Menschen, denen das Leben in der Großstadt zu ungesund, häßlich, freude* los, passiv, naturfern und ungerecht ge* worden ist. Eine Flucht aus tiefster Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Leben, unternommen aus der Unmög* lichkeit heraus, in den großen Städten weiterleben zu können. Gegenüber den alten, durch Willkür, dumpfen Zufall und Korruption groß* gewordenen Städten, die anarchisch wachsen und verfallen, stellen sie den jugendlichen Typus menschlicher Ansied* lung dar, entstanden aus einer straffen, organischen Realisierung der Bedürfnisse des Geistes, der dem Leib selbst noch seine Lebensformen vorschreibt. Man vergesse aber nicht: die Initiatoren stellen immer nur die Kader der neuen Garten* Stadt dar. Die große Menge der zu* ziehenden Bevölkerung ergänzt sich aus den Abwanderern überfullter Nachbar* Städte, aus den Arbeitern der aufs Land wandernden Industrien, aus den Ab* Wanderern vom flachen Lande, die in der Stadt Brot und Anregung suchen. Alle diese gilt es mit starkem Geiste zu durchdringen und so ein genossen* schaftliches und kulturelles Ganzes zu schaffen. Die Gartenstadt hat die Tendenz, immer höhere Synthesen aus sich heraus zu schaffen. Alles, was zur Erhöhung der Menschheit oder der Menschlichkeit beiträgt, sucht Eingliederung in ihr System oder wird es suchen: -Land* erziehungsheime, Freie Schulgemeinden* Montessori*Schulen, Dalcrozeschulen, weltliche Klöster, Produktiv* und Konsumgenossenschaften. Kurz alle Aus* druckformen einer neuen Zeit. So wachsen die Gartenstädte ganz von selbst, organisch, zu immer umfassen* deren, integraleren Siedlungen, die alle Seiten des sich neugründenden Lebens einschließen und werden denen zu hoff* nungsvollen Eilanden, denen die Gegen* wart eine schmerzliche Unerträglichkeit geworden ist. Den Geistern, die nach Verwirklichung ringen, ist hier mitten in einer anscheinend trostlosen Zeit ein Weg gewiesen, ein Boden für das Tun gegeben und ein Ausweg gezeigt, aus der Gegenwart auszutreten und da* d u rch in die Zukunft zu schreiten, daß man allerorten, an möglichst viel Punkten zugleich in sie hineinzuschreiten beginnt. Max Ermers. Literatur. E. Howard: Gartenstädte in Sicht <Verlag Diedrichs, Jena). Hans Kampffmeyer: Die Gartenstadt* bewegung <Verlag Teubner). Aus englischen Gartenstädten <Verlag Deutsche GartenstaduGesellschaft). Berlepsch*Valendäs: Die Gartenstadt* bewegung in England <Verlag Olden* bourg, München).

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