Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 41 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Rundschau. 41 Schienenstrang umläuft die äußerste Zone dort, wo die Stadt an den eigenen landwirtschaftlichen Gürtel grenzt, führt an den Fabriken vorüber — zur nächsten Gartenstadt. Keine derselben größer als 60.000 Einwohner; normaler Weise überhaupt nur für 30.000 Menschen gedacht. Für das Gesundheitliche ist reichlich gesorgt. Im Stadtzentrum ein großer Park als Luftreservoir, Promenade und Spielplatz, der es allen Gartenstädtern erlaubt, in wenigen Minuten Ozonatmo* Sphäre zu erreichen. Um den Zentralpark die öffentlichen Gebäude:- Räthaus, Museen, Theater, Bibliotheken etc. Dann ein paar Zonen kleiner Einfamilienhäuser, jedes mit ein paar hundert Quadratmetern Gartenland umgeben, das groß genug ist, um den Kindern ein sicherer Spielplatz, den Erwachsenen ein abgeschlossener Erholungsort, der Hauswirtschaft ein Gemüse* und Obstlieferant zu sein. Anschließend ein großer Parkgürtel, in dem die Schulen und Brziehungs* anstalten stehen,- dann wieder ein paar Zonen von Einfamilienhäusern. An der Peripherie —- sinngemäß verteilt und gesondert ~ die Krankenhäuser, Fabriken, Lagerhäuser, Bahnhöfe. Um das Ganze als neues Luftreservoir und als land* wirtschaftliche Zone: Felder, Wiesen, Weiden, Haine. Die Stadt ist im Besitze der Garten* Stadtgenossenschaft, die mit der Stadt* gemeinde identisch ist, in der jeder Einwohner Genossenschafter ist. Seine Mitgliedschaft sichert ihm den dauernden Besitz eines Hauses, einer Wohnung, eines Gartens. Kauf, Verkauf, Spekula* tion mit Boden und Gebäuden sind hier unbekannt. Jeder zahlt seine Miete an die Genossenschaftskassa. Wertsteige* rungen, zu denen alle beigetragen haben, kommen auch in den Erhöhungen der Miet* und Pachtpreise, die die Genossen* schaft beschließt, zum Ausdruck. Die Gesamtheit ist es, die von den Über* Schüssen profitiert, die dann zum Bau und zur Erhaltung unentgeltlicher Theater, Badeanstalten, Volksheime, Sportplätze, Kinderheime usw. verwendet werden, zum Bau all jener Einrichtungen, die den Menschen aus dem Reiche der Notdurft ins Reich der Freiheit und des Überflusses heben. Die Phantasie, der Eigenart der Bewohner ist hier jeder Spielraum gelassen und reichliche MitteJ stehen durch diese Wertsteigerungen zur Verfügung. Die ausgeführten Gartenstädte sind natürlich vom Schema weit entfernt — glücklicherweise. Überall z. B. hat man sich im Grundplan dem Terrain angepaßt und dadurch reizvolle Variationen des ursprünglichen Gedankens geschaffen. Da übrigens die Gartenstädte das stän* dige Versuchsfeld der Städtebauer und Architekten, der Volkswirtschaftler und Sozialreformer, der Ethiker und Künstler, der Hygieniker, Pädagogen und Reformer aller Art geworden sind, war eine Mono* tonie nicht zu befürchten,- eher das Gegenteil. Letchworth, Hampstead, Ealing, Hellerau, Gronauer Wald und wie die zwei Dutzend Gartenstädte und Gartenvorstädte sonst heißen, stellen jede für sich eine andere Welt im kleinen vor. Schlimmer war es schon, daß man bei der ökonomischen Fundamentierung <wegen der Gelder* auftreibung) Kompromisse - mit der Gegenwart schließen mußte. Aufgabe einer weitausholenden, prinzipientreueren Jugend wird es sein, diese Klippen des wirtschaftlichen Lebens tapferer und ausharrender zu umschiffen und nicht auf der nächsten Sandbank zu landen. Immerhin, was erreicht wurde, mitten im heutigen kapitalistischen Wirtschafts* leben erreicht wurde, ist schon über alle Maßen groß. Es wurden Siedlungs* formen geschaffen, die nicht wie die heutigen Städte ein steinernes Meer mit wimmelnden, zusammenhanglosen Men* sehen darstellen, sondern lebendige Or* ganismen. Die Menschen wissen dort, daß sie einer Gemeinde angehören, durch einander und für einander leben und wirken, im städtischen Ganzen arbeiten und durch dasselbe in ihrer Individualität gesteigert werden, bei der Ausgestaltung der städtischen Eigenart mitbestimmen dürfen .... kurz, daß die Stadt und