Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 40 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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40 Rundschau. verfehlt ist, wird sich dem jüdischen Leser der »Reden« sofort aufdrängen. Nur lebendig besitzen! Unser Ve r* hältnis zum Hebräischen prüfe man unter dem Eindruck der vierten Rede. Fichte führt aus, daß das Denken in einer gelernten Sprache die geistige Entwicklung unterbindet, weil der Weg vom sinnlichen Bild zur über* sinnlichen Bedeutung nicht erlebt ist, die Sprache also dem Sprechenden noch tot bleibt. Daß hier Gefahren für uns be* stehen, muß zugestanden werden <schwer* lieh im selben Maße für die Ostjuden, welche ihre Ausdrücke für Abstraktes zum großen Teil aus dem Hebräischen herausgebildet haben). Wenn höhere Gründe dennoch die Rückkehr zur tot gewesenen Sprache gebieten, so genügt eben nicht das Lernen: ein inniges Leben mit und in der Sprache wird erfordert. Vieles andere für uns Lehrreiche wird der Leser der »Reden« auf jeder Seite finden. Heute, wo die Gestaltung der wirtschaftlichen Zukunft und Gesell« schaftsordnung Palästinas für uns aktuell ist, mögen von uns auch die <im deutschen Volk ungehört verhallten) Worte gehört werden, mit denen Fichte in den »Reden«, wie vorher im »geschlossenen Handels* Staat« vor dem Eindringen der »Welt« Wirtschaft« nach Deutschland warnte. Wichtiger aber als alles einzelne ist, daß wir uns die Grundlage des Fichte* sehen Volksbewußtseins zu eigen machen, das eben aus seinem Glauben an das Unsichtbare, an den Geist entspringt: das Volk ist nichts, wenn es nicht Hülle des Ewigen ist, eine Gesellschaft von Menschen, welche »unter einem beson* dem Gesetze der Entwicklung des Gött* liehen aus ihm steht«. Hugo Bergmann. Rundschau. Gartenstadtbewegung. Ein paar tausend Häuser, die halb* versteckt in Gärten und Parks liegendem paar Dutzend Fabriken, an der Ortsperipherie so gelegen, daß der herrschende Wind nicht die Verpestung der Luft gestattet / ein paar Qyadratkilo* meter Äcker und Wiesen, rings um die Gemeinde, um sie mit Gemüse, Obst, Milch, eventuellauch mit Fleisch und Brot* frucht zu versorgen; Häuser, Gärten, Parks, Äcker, Wiesen im genossenschaft* liehen Besitze aller Ortsbewohner, dem Handel und der Spekulation entzogen: das sind die Grundelemente, die eine menschliche Ansiedlung zur Gartenstadt machen. Ruskin hat sie als Ethiker und Kunst* freundgefordert, WilliamMorris in seinem Zukunftsroman »Kunde von Nirgend* wo« mit dichterischer Phantasie geahnt, Ebenezer Howard aber hat sie vor zwei Jahrzehnten in seinem Buche»To*morro w« erstmals genau im Plane entworfen, psychologisdi tiefer motiviert und wirU schaftlidi sicher fundamentiert. Zwei unverlierbare Unterströmungen unserer heutigen Kultur haben sich in der Gartenstadtbewegung vereinigt: das Rousseau'sche Streben nach »Rückkehr zur Natur«, das eigentlich nichts anderes als eine Sehnsucht nach Befreiung von großstädtischer Unkultur bedeutet und das sozialistische Gerechtigkeitsstreben, das die gewaltigen Wertsteigerungen des städtischen Bodens und seiner Gebäude nicht den Einzelnen, die daran kein Ver* dienst haben, sondern der Gesamtheit zuführen will. Die ersten Pläne Howards dachten sich die Gartenstädte schematisch als kreisrunde Gebilde, zu Hunderten und Tausenden über das Land verstreut, als neue Kulturzentren, geeignet, die Menschen von den heutigen Großstädten, aber auch vom flachen Lande zu ihnen abwandern zu lassen. Radiale und konzentrische Straßen zerlegen die Stadt in Sektoren und Zonen. Ein Bahn*