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Jerubbaal · 1918-04-01 · 1 (4.1918) · p. Seite 36

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
1 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 36 (sequence 38)
Language
German
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36 Vom Leben der Jugend. war das einleitende Referat Fräulein Dr. Cora Berliners, das in objektivster Weise alles Einigende hätte hervorheben müssen, durchaus nur eine Parteirede, die unter gelegentlicher An* wendung unserer Phraseologie das Pro* gramm einer sozusagen gemäßigten Assi* milation vertrat. Wenn Fräulein Doktor Berliner von der Hegemonie ihres deutsdien Empfindens über ihr jüdisches sprechen konnte und unserer abweichenden Auffassung eben gerade Duldung ver* hieß, da man unter veränderten Ver* hältnissen sozusagen milder über national* jüdische Gesinnung dächte, so bewies das nur, daß der Vertreter der jüdisch* nationalen Gruppe Herr Dr. Fritz Loewenstein mit Recht einZusam* menarbeiten mit den anderen auch in solchen Dingen ablehnte, die an und für sich in den Rahmen unserer Auf* gaben fallen. Denn es ist klar, daß die Voraussetzungen, unter denen ein Li* beraler oder meinetwegen ein Neutraler an jüdische Tatsachen und Notwendig* keiten herangehen wird, so verschieden von denen sind, die für einen National* juden vorliegen, daß die gleichen Worte nicht nur nicht das Gleiche, sondern Grundverschiedenes bedeuten. Deshalb muß jedes gemeinsame Programm und fast jede gemeinsame Arbeit eine Fik* tion, eine Quelle dauernder Reibungen und, noch schlimmer, eine Lüge sein. Oder ist es etwa dasselbe, jüdische Ge* schichte zu treiben als objektives, leiden* schaftsloses Studium einer Religions* gemeinschaft oder heißen Herzens in ihr das Geschick des Volkes, dem man an* gehört, und so sein eigenes zu suchen? Ist es dasselbe, Hebräisch als die tote Sprache unserer Gebete und einer längst vermoderten Vergangenheit zu lernen oder als den Ausdruck eines neuen Lebens und als ein Mittel der Anteil* nähme an dem Dasein und Schaffen unserer Brüder in aller Welt? Daß Fräulein Dr. Berliner durch die neuesten Ereignisse in Palästina »er* schüttert« wurde, glauben wir ihr gerne,- aber läßt sich wirklich diese gelegentliche Erschütterung dem starken Willen nach Erez Israel vergleichen, der immer mächtiger unsere Jugend bewegt? Die Rede Fräulein Dr. Berliners zeigte — hätte sie es auch nicht geradezu ausgesprochen — deutlich, was mit dieser Notablenversammlung beabsichtigt war. Es sollte aller Parteiung, aller starken Einseitigkeit gegenüber das heute nicht mehr recht zugkräftige Neutrali* tätsprogramm der jüdischen Jugend* vereine Deutschlands in neuer Glorie erstrahlen — es sollten Liberalismus, Orthodoxie und nationales Judentum sozusagen nur Provinzen des allein selig machenden juste milieu werden, das stets den Verstand besticht und den Charak* ter verdirbt. Es war uns eine Genugtuung, daß Orthodoxe und Liberale dies gleichfalls erkannten und gleich uns eine derartige Verständigung ohne gemeinsame Grund* lagen ablehnten. Ja, ihre Ablehnung war in der Form gewiß milder, in der Sache zweifellos schärfer als die unsere. Denn die einzige Möglichkeit, diese zwecklose Sitzung dennoch für die Zukunft frucht* bar zu machen, die Einsetzung eines Ausschusses zur Vorbereitung des Ju* gendtages wurde von uns gewiesen und von Herrn' Dr. Martin B u b e r mit Worten vertreten, deren kluge Versöhn* lichkeit starken Beifall nicht nur in unseren Reihen weckte. Aber Herrn Dr. Apfel schien an der Sache selbst nichts gelegen zu sein. Er wollte lediglich den Sieg seines Neu* tralitätsprogramms, das für uns doch unannehmbar war. Deshalb brachte er unseren aussichtsreichen Vermittlungs* Vorschlag und damit die Verhandlungen selbst zum Scheitern. Er tat es umso leichteren Herzens, als die gar zu klugen Vorschläge Fräulein Dr. Berliners die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend, das Schüfer*Wandern und die Fürsorge für Volksschüler und Schul* entlassene seiner Verständigungsgemein* schaft zu überlassen selbstverständliche Ablehnung gefunden hatten. Herr Dr, Apfel wird also jene Verantwortung für das Mißlingen seiner eigenen Pläne vor Mit* und Nachwelt

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