Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vom Leben der Jugend. 35 Basis vorhanden seih wird, von der aus eine Verständigung geschaffen werden kann. Die auf Anregung des Herrn Rechts* anwaltes Dr. Apfel einberufene Ver* Sammlung war nicht imstande dazu. An Stelle der Jungen und Begeisterungs* fähigen waren die bekannten * Führer« gekommen, die in diesem Kriege nichts vergessen und nichts gelernt haben. Es war viel Organisation und wenig Jugend im gelben Saal des Kaiserhofs und nie* mand vermochte zu beurteilen, ob diese Interessenvertreter wirklich die Führer der Jugend waren. Vom Standpunkte der Jugend aus waren also die Verhandlungen gescheitert, ehe sie begonnen hatten. Denn da es sich, wie Fräulein Dr. Berliner in ihrem einleitenden Referate mit Recht sagte, bei uns nicht um Jugendpflege, sondern um Jugendbewegung handelt, so durfte man nicht die Jugend zum bloßen Objekt politischer Parteien machen. Die Jugendbewegungen aller Zeiten und aller Völker sollten es eindringlich, bewiesen haben, daß Jugend nie Zweckmäßigkeiten und Kompromisse anerkennt, sondern nur unbedingtes Ringen um »der Menschheit große Gegenstände« unter rücksichtsloser Hingabe der ganzen Persönlichkeit ver* stehen und würdigen wird. Wenn wir dennoch bereit waren, die Möglichkeiten einer Verständigung zu suchen, so geschah das einmal in dem Wunsche, die gebotene Hand jüdischer Brüder wenn möglich nicht auszuschlagen, sodann in dem ehrlichen Willen, dem durch unsere Erfolge genugsam erklärten Friedensbedürfnis anderer Richtungen Rechnung zu tragen, vor allem aber, um die Vorbedingungen für die große Aus* Sprache der ganzen jüdischen Jugend schaffen zu helfen, die eine Notwendig* keit geworden ist. Denn es ist undenkbar, daß der interessierteste, der tatbereiteste Teil unseres Volkes auf die Dauer ein Spielball der älteren Generation sein sollte, ohne die Möglichkeit zu haben, in freier - Aussprache, Jugend zu Jugend, die Anschauungen klären und aus der gewonnenen Erkenntnis mit jugendlicher Unabhängigkeit die Folgerungen ziehen zu können. Wer also wirklich eine Verständigung der jüdischen Jugend nicht nur einzelner ihrer Führer wollte, der mußte mit uns den Jugendtag fordern, den niemand zu scheuen brauchte, der an die Kraft seiner Idee und an die von ihm vertretene Jugend glaubte. Wir waren demnach die Einzigen, die eine Verständigung der Jugend selbst wirklich wollten, wenn uns auch an einem Zwedkverband jüdischer Parteien weniger gelegen sein konnte. Ein solcher ist z. B. die V. I. O. D., deren kluges Minimal* Programm allen Richtungen und Inter* essengruppen Berücksichtigung und Er*- füllung eines Teiles ihrer außenpolitischen Forderungen verheißt. Wohl konnte eine politische Institution, wie die zionistische Vereinigung für Deutschland, sich For* derungen zu eigen machen, die wenigstens im Rahmen ihrer eigenen Absichten liegen. Nie aber konnte sie, geschweige die national*jüdische Jugend, die von der zionistischen Organisation nicht weniger unabhängig ist wie von irgend einer anderen, Kompromissen zustimmen, die ihr Programm im geringsten Beeinträchtigt hätten, nie sich auf Forderungen fest* legen lassen, die ihr Gewissen stets hätte als Halbheiten empfinden müssen. Sollte also durchaus ein politisches Korn* promiß erzielt werden, so mußten von vornherein solche Punkte festgelegt sein, über die ein Streit innerhalb der Jugend nicht möglich war und die Vorschläge jüdischer Jugendbibliotheken, einer jüdischen Aka* demie der Wissenschaften, eines gemein* samen Vorgehens zwecks Berufsberatung und Berufsumschichtung wiesen einige Wege dazu und sollten in ihrer Bedeutung nicht unterschätzt werden. Wollte man aber mehr, wollte man wirklich »eine Verständigung«, so mußte man dem von uns geforderten Jugendtage zustimmen. Das haben die Einberufer der Ver* Sammlung nicht erkannt. Weder wollten sie den Jugendtag oder die notwendigen Schritte dazu, noch hatten sie ein Pro* gramm vorbereitet, das auch nur die geringste Möglichkeit einer wenigstens formalen Verständigung bot. Vielmehr 3*