Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 34 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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34 Vom Leben der Jugend. Jede Ortsgruppe hat wenigstens zwei Beamte: einen Verwalter und einen Sprach* lehrer <Dolmetsch>. Jeder Benjamin zahlt einen Schekel im halben Jahr und eine Stunde in der Woche Leistung; der Führer einen Schekel im halben Jahr und zwei Stunden in der Woche Leistung überdies. Jeder Schekel kann abgelöst werden durch eine Woche 6 X 7 Stunden Leistung. Die Leistung durch keinen Betrag Geldes. Soweit einer Leistung zahlt, ist er dem Leiter dieser Arbeit zum Gehorsam verpflichtet. Die Einteilung der Leistung bestimmt die Führerschaft der Ortsguppe und die Mittler* schaft. Ordnung, Arbeit, Budget, Prinzipien der Lebensführung und Haltung bestimmt für sich die bestimmende Zusammenkunft der Gemeinde im Rahmen der allgemeinen Bestimmungen der Meister. Dasselbe gilt für die bestimmende Zusammenkunft der Ortsgruppe und der Wahlgruppe. Die Meisterschaft kann Beschlüsse motiviert verwerfen, nachdem sie die Begründung der bestimmenden Zusammenkunft eingeholt hat und deren Antwort auf ihre Ein« wände vernommen hat. Dieser Verwurf ist bindend. Bestraft können nur Verstöße gegen die bestimmende Zusammenkunft werden u. zw. nur von dieser selbst. Für den Verhandlungstag ist die Mittlerschaft einzu* laden. Es bestraft die bestimmende Zusammenkunft nach den allgemeinen Bestim* mungen der Meisterschaft. Der Einspruch des Mittlers hat Aufschub bis zum Urteil des Meisters zur Folge. Jeder hat das Recht zur Beschwerde und zum Antrag. Siegfried Bern fei d. j_[Vom Leben Deutschland. Am Dienstag, den 5. März 1918, fand im gelben Saal des Hotel Kaiserhof in Berlin eine Sitzung der jüdischen Jugend* Organisationen Deutschlands statt, die über die Möglichkeit einer Verständigung der verchiedenen Gruppen, der ortho* doxen, liberalen, neutralen und national* jüdischen zu verhandeln hatte. Die Ver* handlungen sind gescheitert. Und wieder erhebt sich, wie stets in solchen Fällen, auf dem Trümmerhaufen von Berech* nungen, Plänen und großen Worten die Doppelfrage: Wer trägt die Schuld? und: Was nun? Verständigung hat immer eine Voraus* Setzung: es muß eine Grundlage vor* handen sein, die es den Verhandelnden möglich macht, die Anschauungen der anderen Parteien zu würdigen und die Größe des eigenen Entgegenkommens abzuschätzen. Man hätte meinen sollen, daß der jüdischen Jugend eine derartige der Jugend.)_ Basis nicht ermangle, man hätte an* nehmen dürfen, daß Judentum und Jugend* lichkeit die beiden Pfeiler wären, auf denen das Haus der Verständigung sich hätte erheben können. Die Enttäuschung mußte um so größer sein, als sich heraus* stellte, daß dies nicht der Fall war. Gewiß glauben wir an den ehrlichen Willen aller Richtungen der beteiligten Jugendorganisationen zum Judentum, wie sie es auffassen. Wir trauen darüber hinaus auf die werbende Kraft des jüdi* sehen Gemeinschaftsgefühls wie wir es auffassen. Ohne anzunehmen, daß heute oder morgen der nationale Gedanke die ganze jüdische Jugend Deutschlands er* fassen wird, sind wir doch überzeugt davon, daß über kurz oder lang das Bewußtsein der Zugehörigkeit zum Juden* tum die erste Stelle im Fühlen und Denken des jungen Juden einnehmen wird. Wir glauben eben an die Möglich* keit einer Verständigung der jüdischen Jugend, weil in nicht allzu ferner Zeit die