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Jerubbaal · 1918-04-01 · 1 (4.1918) · p. Seite 32

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
1 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 32 (sequence 34)
Language
German
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32 Aus dem jüdischen Volksheim in Berlin. 1. einen Wertzuwachs für uns, 2. für die Ostjuden bedeuten. Wenn ich vom Wert der ostjüdischen Lebensformen, von der Notwendig* keit der strengen Befolgung des Gesetzes überzeugt wäre, so wäre es selbstverständlich, daß ich für mich die Übersiedlung wünschte. Dabei würde midi am meisten das Gefühl leiten, daß ich selbst bei diesem Zusammen* leben gewinnen würde. Ähnlich wie idi es im Volksheim im Verkehr mit unseren erwachsenen Mädchen fühle, d, h. ich empfinde Gewinn an Wärme und Heimatsgefühl, nicht Zuwachs an persönlichem Wert. Früher glaubte ich als Opfer, nicht aus Überzeugung sei die Einordnung unter das Gesetz zu fordern. Heute bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß wir das Recht haben, neue Formen zu suchen und möchte bis dahin lieber bewußt formlos leben <und das ist das Schwerere) als mich zu mir fremden Formen bekennen. Unter diesen Umständen halte ich mich für ganz ungeeignet für den Osten und würde erst dann dies Urteil ändern, wenn idi nun auch das Recht erkennen würde, unsrerseits die jüdische Geschlossenheit der Formen zu sprengen, bewußt revolutionär zu wirken. Dies wäre der zweite Fall, indem ich unsere Arbeit drüben für notwendig hielte. Zu dieser Erkenntnis bin ich aber noch nicht gekommen und möchte nunmehr meinerseits in unserem Kreis zwei Fragen stellen: 1. Ist die Befolgung des Gesetzes notwendig, und zwar aus inneren oder politischen Gründen? 2. Dürfen wir revolutionär wirken oder in der Praxis: ist in unserem persönlichen Leben Rücksicht auf die Anschauungen unserer Volksheimjugend notwendig? Es ist selbstverständlich, daß wir ihnen nicht mit unseren Sitten ins Gesicht schlagen, aber haben wir nicht die Pflicht, ohne Heuchelei sehen zu lassen, daß wir anders empfinden und handeln wie sie? Mir scheint das äußerliche Nachmachen unehrlich und auch lächerlich. . .. Übersiedlung nach Palästina. Ich kann nur so viel sagen, daß ich Sehnsucht nach Palästina habe. Meine Fähigkeit dort zu bleiben, wird, abgesehen von der Möglichkeit, die geeignete Arbeit dort zu finden, davon abhängen, ob ich dort einen noch so kleinen Kreis Gleichgesinnter hätte. Ich brauche Menschen! Daher möchte ich die sechste Frage bejahen. Ich glaube, daß auch für andere eine solche Kolonie Vorbedingung sein wird. Der Beruf in Palästina. Ich studiere Philosophie und Geschichte. Mein Ziel ist der deutsche »Oberlehrer«. Aber bestimmt nicht die An* Stellung an der bewußten Staatsschule! Mein höchster Wunsch ist die Arbeit später an einer jüdischen Schulgemeinde. Er steht mir auch über dem Wunsch, nach Palästina zu gehen. Und idi glaube, daß die Schul* gemeinde früher in Deutschland als in Palästina verwirklicht werden wird. Keine Beantwortung fällt mir so leidit, wie diese. Der Zusammen* Schluß in Form einer Schulgemeinde ist nicht nur, wie ich schon sagte, mein höchster Wunsch, sondern ich halte solchen Zusammenschluß auch für notwendig. Einen herzlichen Gruß g

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