Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 31 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Aus dem jüdischen Volksheim in Berlin. 31 vielleicht drüben auswirken, wer aber sonst? Doch in meinen alljährlichen Ferien will ich manchmal nach Rußland gehen, für mich zum Gewinn. Tut es noch not, den Volksheimgedanken in den Osten zu tragen? Ist er nicht schon vielerorten vorhanden? Jedenfalls kann es einst durch unsere Jugend am wirksamsten geschehen, die viel mehr Bindungen dorthin hat als wir. Unsere Aufgabe scheint mir gegenwärtig ganz und gar hier zu liegen. Auch hier warten Tausende junger Juden auf uns. Wohin sollen die sich wenden, wenn wir gehen? Immer wieder wären wir doch bereit, mit der hiesigen Jugend einst nach Palästina zu gehen. Dann wird auch eine Kolonie von Deutschjuden, die ich nur schweren Herzens ertragen würde, nicht mehr erforderlich sein. Die Brücke zu den aus Rußland heimgekehrten Juden schlägt unsre Jugend. Ich weiß nicht, wessen ich fähig sein werde in Palästina. Vielleicht wird eines der Waisenhäuser mich brauchen. Wie gerne möchte ich diese furchtbaren Kasernen sprengen und den Kindern die Freiheit wiedergeben. Ich allein vermag nicht viel zu ändern, aber unser Mädchenbund macht mich so zuversichtlich. Mit einer Reihe dieser Mädchen möchte ich einst hinübergehen, nachdem sie hier vorher eine ihnen gemäße Fachausbildung erhalten haben. Drum drängt sich mir außer der Schulgemeinde und Jugendfarm immer stärker die Notwendigkeit einer jüdischen Dependance des Pestalozzi^ Fröbelhauses auf. Mein Eindruck dieses Instituts als der besten Ausbiß dungsstätte für Mädchen wird immer wieder durch die Menschen, die ich aus ihm hervorgehen sehe, bestätigt. Wenn wir die nötigen Mittel für die Lehrkräfte bekommen könnten, wäre das Volksheim der vorzüglichste Platz zum Aufbau eines solchen Seminars. Warum eine jüdische Dependance, wenn das Pestalozzi-Fröbelhaus so vorzüglich ist? Es wird dort doch ein ungeheurer deutscher Wissensstoff vermittelt, der gegen Jüdisches einzutauschen wäre und was noch wichtiger ist: das Pestalozzi^FröbeU haus hat nur blonde, deutsche Kinder und unser Volksheim . . .! Wir brauchen also Geld, unendlich viel Geld,« wer kann für solchen Zwedi Geld schaffen? Bestehen dagegen im Osten dergleichen jüdische Ansiedlungsstätten, wäre es allerdings wünchenswert, daß wir dorthin unsere Schülerinnen entsenden / doch dieses Opfer werden die Eltern meist nicht bringen können und wollen. Wer weiß von den Ausbildungsmöglichkeiten im Osten? In Herzlichkeit Eure G. W. Liebe Freunde! Heute wird in der Helfersitzung über »Persönlichkeitserziehung« aus Wynekens Schule und Jugendkultur gesprochen. Da ich nun leider — krankheitshalber — nicht dabei sein kann, will ich den heutigen Abend benützeiX um Siegfried Lehmanns Fragen zu beantworten. ... Ansiedlung unter Ostjuden. Unsere Mitarbeit in Polen und Galizien kann aus zwei Gesichtspunkten erwünscht sein. Sie kann