Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 30 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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30 Aus dem iüdisdien Volksheim in Berlin. Mittel, es sei denn, wir finden einen Mäcen, einer ganz selbständigen Siedelung wohl im Wege sein werden ~~ ein Bckchen Land erwerben für Schulgemeinde, Jugendfarm, Jugendwerkstatt. Um dieses Zentrum erst denke ich mir die Siedelungen in Einzel- und Gesellschaftshäusern. Die jüdische Siedelung von uns Jungen muß sich von allen sonstigen Siedelungen dadurch unterscheiden, daß sie nicht allein dem individuellen Sein gilt, sondern sich eineüberpersönliche Aufgabe stellt, nämlich die Jugend. Ältere, befriedigte Völker, z. B. die Engländer, haben keine Jugend in unserm kämpferischen Sinne, die mögen das genießende, ruhig fließende Leben der bisherigen, ländlich^städtischen Siedlung führen, wir aber müssen, weil wir an einem Anfang stehen, einem Ziele nächstreben. Mir scheint, uns kann das Siedlungsleben in der Diaspora nicht weniger als eine Aufgabe und nicht mehr als ein Mittel zur Vorbereitung für Palästina sein. Die Gartenstadtsiedelung ist niemals Verrat am Settlementsgedanken, ist überhaupt erst seine positive Seite, denn sie ist uns heute ja nicht mehr denkbar ohne Volksheimjugend und -Gemeinde* Der im städtischen Volksheim sich vollziehende, gewiß durchaus notwendige Assimilierungs* prozeß — als Reinigung und Klärung gedacht zerstört zwar die brüchige Gestalt des östlichen Juden, vermag die neue aber nicht ans Tageslicht zu heben. Draußen, wo alle Saiten des Menschen angeschlagen werden, wird der junge Jude in der Gemeinschaft — und wir mit ihm — die neue eigene Form finden. Das Volksheim in der Stadt soll, solange wir in der Diaspora leben, nicht aufhören zu bestehen. Enge Beziehungen werden es mit der Siedlung verbinden und aller Zuwachs dorthin kommt von ihm. Der Innen- und Außenaufbau wird für mehrere Jahre unser ganzes Sein verlangen und doch nichts anderes als ein Vorbereiten für Palästina sein, für uns und unsere Kinder. Heute sind wir, trotz aller Gemeinschaftssehnsucht und reicher Erfüllungen doch noch Isolierte auf dem Wege nach Zion. Ich kann ohne Volksheimjugend nicht nach Palästina gehen. Und diese vorzu* bereiten, zutiefst willig, arbeits- und hingabefähig werden zu lassen, damit sie einst nicht an dem schweren palästinensischen Pionierleben zugrunde gehe, wird unsere vorzüglichste Aufgabe in der Gartenstadt sein. Ich glaube wirklich nach einigen Jahren engsten, stärksten Gemeinschafts^ lebens hier wird unser Zug nach Palästina wie ein Aufstand sein. Heute sind wir hier gewiß der Steigerung und Weitung aller Kräfte fähig. Gingen wir aber schon jetzt nach Palästina, — einzelne mögen sich stark genug fühlen und die sollen nicht säumen — mir scheint, es würde Raubbau bedeuten und gebrochene Menschen zeitigen. Dies gilt nur für die schulentlassene Jugend. Die jüngere Jugend, vereinigt in einer palästinensischen freien Schulgemeinde, hat wohl das Glück, selbst schon tief verwurzeln zu können. Könnte ich glauben, daß wir im Osten nötiger und erfolgreicher als hier sein werden, wäre ich ganz bereit, hinüber zu gehen. Dort aber sind Menschen gewiß am Werke, östliche Intelligenz, vertraut mit den gese* benen Verhältnissen, mit den jüdischen Sprachen und den Menschen. Was können wir dort vollbringen? Ein Arzt, ein Nationalökonom könnte sich