Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28 Rappeport: Jung^Juda. Haschern. In diesem universellen Ich ist alles. Jedes endliche Ich ist in dem universellen, und wenn wir tief genug blicken können, dann ist die Wesens lieit meines Ich nur in Haschern von Bedeutung. Ich ynd du, wir sind nicht gegeneinander, nicht beieinander, wenn wir absolut sehen, sondern wir sind beide im universellen Ich, Ich bin dir so nahe, wie meine rechte Hand meiner linken. Es gibt kein mein und kein dein neben dem uni* verseilen mein, das auch das universelle dein ist, sondern nur ein Mein* und-dein-miteinander in Gott. Gottes Wohl und Wehe, wenn Raum wäre in Gott für Wohl und Wehe, wäre mein Wohl und Wehe, somit auch deines. Dein Wohl und Wehe ist auch meines. So ist die Wirklichkeit. Aber die Tendenz, die das endliche Ich ent-., wickelt hat und es erhalten will, muß das Bewußtsein von dieser Wirklichkeit zu verdrängen suchen. Denn wenn ich ein bestimmtes Quantum Stoff als mein Ich vor allem anderen erhalten will, dann ist es mir hindere lieh, dich mir gleich zu achten. Mein Leben kann ich nur auf Kosten des Lebens anderer Daseinsformen fristen, und nie kann es mir dabei Nutzen schaffen, das andere zu meinem Ich zu rechnen. Das universelle Ichbewußt* sein mußte der Tendenz weichen, die das BinzeWch schafft und erhält. In Bezug auf diese Tendenz habe ich absoluten Sinn und bin gegenübergestellt dem Nicht*Ich, in Bezug aber auf Gott, ist das eine nidit mehr als das andere in Gott. Es hat also diese Tendenz nicht bloß die Täu* schung des absoluten Einzel-Ich bewirkt, sondern das universelle Ich*Bewußt* sein im Individuum auch verdrängt. Es ist notwendig, daß uns dies klar werde. Denken wir uns zum Bilde ein Glas voll Wasser. In diesem Glase ist alles Wasser gleichbedeutend. Madien wir die Fiktion, dieses Quantum Wasser hätte ein Ich*Bewußtsein in irgend einer Form. Nun sei ein Tropfe in diesem Wasser, oder mehrere, die seien genötigt, sich speziell als Ich zu betrachten. Der eine Tropfe steht nun dem andern gegenüber wie ich dir. In irgend einer Form aber muß das Bewußtseindes ganzen Wassers doch wohl auf das der Tropfen wirken. Zumal wenn es den Tropfen manchmal zum Bewußtsein käme, daß sie Tropfen im Wasser sind. Klein müssen sie sich fühlen als Tropfen, doch groß als Wassertropfen. Und gibt es eine Tendenz, die die Tropfen im Wasser als einzelne Ich erhalten will, so bringt sie dieses Ich in Widerstreit zu dem allgemeinen Ich des Quantums Wasser. Wir sind solche Tropfen. Hier ist der Zwiespalt und Widerstreit, von dem Buber sprach: Ein Volk, das mit allen Gewalten seiner Seele die Wahrheit verlangt, ihrer absolut, nicht zu Zwecken bedarf, muß notwendig in die Tiefe der Kluft, die zwischen der Individualität des Volkes als Volk und der Tat* sächlichkeit besteht, mit tiefen Blidcen schauen und einen Eindruck empfangen, dessen Wirkungsich in den Elementen des Volkes zeigen muß. Die Juden haben dieser Wahrheit schon in Zeiten frühester Kindheit, da Jeschurun noch empfänglicher war, entgegengestrebt und diesen Wider* spruch erfaßt, der darum ihr ganzes Wesen ausmacht. Also liegt dieser Zwiespalt im tiefsten Wesen des Judentums und im tiefsten des Ein* zelnen. Aber es ist nicht so aufzufassen, als wäre dieser Zwiespalt eine