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Jerubbaal · 1918-04-01 · 1 (4.1918) · p. Seite 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
1 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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Jung^Juda. 25 und Verein ist scheinbar der sicherste Schutz gegen Gemeinschaft. So trat denn auch meines Wissens damals die Gemeinschaft niemals als Macht 1 von außen dem Einzelnen entgegen, sondern war nur lose Hingabe der Einzelnen an die Anderen. Da trat von zwei Seiten her der Wille nach dem Erleben einer höheren Gemeinschaft an unseren kleinen Kreis. Die eine Seite war die der bewußten Ungeduld. Programmatisch und über eine in verlockende und hinreißende Worte verkleidete Willenskundgebung sollte die Gemeinschaft herbeigeführt werden. Das Mittel sollte Geselligkeit sein. Was daraus wurde ist leicht zu erraten. Viel gemeinsam getrunkenes Bier, gemeinsam verbrauchte Luft, Ekel des Einen vor der Nähe des Anderen und höchstens einige Scherze gemeinsamer Albernheit. Ich gestehe, daß ich trotz heftigem innerem Widerstreben mit bestem Willen an dieser Sache teilnahm und dem erlebten Mißerfolg nicht die richtige Adresse zu geben verstand. Es lag natürlich an dem ausgesprochenen Willen, der nicht von der Gesamt^ heit auf die Einzelnen gekommen war, sondern von dem Einzelnen auf die Gesamtheit, die dennoch nur Vielheit, nicht Einheit war. Einheit aber läßt sieht nicht machen, sondern ist oder geschieht als Wunder und Gnade. Die andere Seite, von der aus der Wille nach höherer Gemeinschaft an . uns trat, war das Zusammenschließen ganz weniger, im Grunde waren es nur zwei, die ganz von der Sucht zu »klären« <das Wort ist auch in seiner volkstümlichen Bedeutung zu nehmen) getrieben, die Sektion Jung^Juda dahin vergewaltigten, daß sie in die bevorstehenden Diskussionsabende ein . einheitliches System bringen wollten und durch ein aufgestelltes Programm auch brachten. Von dieser scheinbaren Vergewaltigung, von der schließlich die Vergewaltiger selbst, überwältigt wurden, will ich nun berichten. Wir, die wir gedacht hatten, mit unseren eben erkannten wissenschaftlichen Methoden Klarheit in die Begriffe zu bringen, die der Ausdruck blutgetragener Fragen waren, empfingen auf dem Wege der ungeahnten Gemeinschaft erst den unbegrifflichen, geburthaften Zauber lebendigen Erfassens. Von zwei dieser Besprechungen will ich nun berichten. Von der ein^ leitenden »Judentum« und von einer im weiteren Verlauf der Abende: »Ober jüdische Religion und mosaische Gebräuche«. Ich lasse dabei gerne alle kindischen Gesten, die daraus sprechen, stehen, da ich hier nicht Gedanken, sondern Denkungsart übermitteln will. Erster Abend: Judentum. »Wir sind hier mit mancherlei Vorurteilen zusammengekommen, um unser Denken an tieferen Momenten des Judentums zu bereichern und umso mühevoller gestaltet sich daher unsere Arbeit. Aus formalen und logischen Gründen drängt sich uns als erste die Frage auf: Gibt es ein Judentum? Mir scheint diese Frage samt ihrer Anwort wie: Existiere ich? Ich denke, also bin ich. Das Judentum lebt und wirkt, also ist es. Aber in dieser Antwort liegt auch mein Wollen. Ich will, daß. es ein Judentum gibt, darum ist es. Andere wollen nicht,

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