Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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24 E. Efijähu Rappeport: sehen? Wir mißtrauen euch tief. Wir wissen noch nichts von unserem Volk. Wir sehen nur so wie ihr's aussprecht, ist's euch ein Deckmantel für alle menschliche Unzulänglichkeit. Wir aber wollen ganz von vorne beginnen. Das Letzte im Auge haben, das Ganze von uns fordern, nichts glauben, alles erwägen. Wir wissen noch nicht, wohin schließlich der Weg uns führen soll. Ihr sagt, ins Nebulose. Wir aber glauben an unseren Blick, der das Gute erspähen will und an unseren Fuß, der den Weg gehen soll. Nicht alle Wege führen nach Rom. Nicht auf Bewahrung und Bewunderung gegenwärtiger Form kommt es an. Wir lehnen sie ab, und suchen den Weg der Reinheit, Unbedingtheit, der lachenden Überwindung. Und wir sind nicht allein: Bei uns, vor uns gehen unsere Führer, die schöpferischen Menschen. Und in ihrem Wirken liegt ein ganz besimmtes Wesen, eine ganz bestimmte Art Menschlichkeit: Und auch die heißt: Volk. Und sieh, dies gleiche Wesen, in unserem Leben und Denken wirkt sichs aus, wo wirs nur ganz wurzeln lassen ringsum in der Natur und ganz gerichtet halten aufs Menschentum. Und dies sei uns: Volk: Wurzel^ land, die tiefsten Säfte aufzusaugen daraus, um die schönsten Blüten auf* treiben zu lassen des Menschentums. Viele meinen, wir Juden stünden auf der ersten Stufe. Ich glaube sie haben unrecht. Frida Schiff. »Jung^Juda«. Ein Bericht geistiger Gemeinschaft Dieser Bericht soll Zeugnis und Beispiel sein, daß wahre Gemeinschaft des Geistes an keinerlei Regeln gebunden ist, sondern sich wie Gnade über Menschen ergießt, die dessen gar nicht gewärtig sind, vielleicht auch in ihrem Bewußtsein gar nicht festzustellen vermögen oder wollen, was sich mit ihnen ereignete. Wie weit es mir nun gelingen wird, aus meinem Gedächtnis und der Klarheit des Erlebnisses durch Bericht, also durch Festhalten von Äußerlichem, jenes Einzigartige wiederzugeben, das mir als Gemeinschaft sich darbot, das wird Glückssache und Sache des Lesers sein. Ich will hier von Tatsächlichem berichten und werde mir dennoch jede Lüge gestatten, die geeignet sein könnte, jener erlebten Seelengemeinschaft Ausdruck zu verleihen. Aus dem I. Wiener jüdischen Turnverein hatten sich vor etwa zehn Jahren einige jugendlich gesinnte, sonst an Alter, Bildung, Geschlecht und Lebensauffassung völlig verschiedene Menschen zu einer Sektion unter dem Namen »Jung*Juda« zusammengetan. Der Zusammenschluß fand darin seinen Ausdruck, daß diese Leute allwöchentlich einmal zusammentraten und nach dem Referate Eines aus ihrer Mitte, oder gelegentlich auch eines Gastes, irgend eine jüdische Frage diskutierten. Dazwischen wurden auch gemeinsame Gänge in die nähere Umgebung Wiens veranstaltet, oder gesellige Zusammenkünfte mit Vorträgen, Liedern und geladenen Gästen. In nichts unterschied sich Jung-Juda von irgend einem anderen »Verein«