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Jerubbaal · 1918-04-01 · 1 (4.1918) · p. Seite 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
1 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 23 (sequence 25)
Language
German
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Frida Schiff: Jugend und Volk. 23 Jugend und Volk, <Aus einem Tagebudi.) Es gibt drei Stufen des Verhältnisses zwischen der Jugend und dem Volk, in das sie eingegliedert ist. Vorbedingung für die erste Stufe ist: Das Volk steht im Bxistenkampf. Die ganze auflehnerische Kraft der Jugend stellt sich in dessen Dienst, denn Jugendkultur bedarf der Volkskultur, also ist ihr Geschick notwendig mit dieser verbunden. Dies fordert nun: Physischen Kampf, physische Rüstung und Bereitung. Da heißt es, möglichst einig sein, welchen Weg man auch immer gehe, damit sich nur die Leistungen alle aneinanderfügen, da heißt es, sich möglichst festzuwurzeln in das, was noch an eignem Boden übrig ist, um Argumente, um Inhalt, um die nötige Affektladung zu gewinnen. Anders gestaltet sich das Veihältnis der Jugend zum Volke, wenn dieses um seine Freiheit, seine geistige Existenz kämpft. Da kämpft die Jugend an der Seite der Schöpfer, Wecker, Hüter des Volksgeistes, welcher ist ein Stück Menschengeist, eine bestimmte Weise menschlichen Lebens und Gedankenwertes, die einmalig ist. Sie kämpft gegen den äußeren und inneren Feind der Bedrückung, für die Verwirklichung des geistigen Menschen, des freien, der gefordert wird. Sie kämpft gegen Philister und Mucker, gegen Bedingte und Unwesentliche, mit Einsatz ihres Blutes, aber noch tiefer: Mit persönlichem, geistigem Mut, Freimut. Was kümmert dich der nationale Mensch der ist? Sofern er nicht den Willen zum Menschentum in seiner ihm höchstmöglichsten, konzentrierten Form — der nationalen — hat, ist er verächtlich wie der Feind draußen. Was kümmert dich der Name deines Volkes, sofern sich nidit in dem Klang eine Forderung birgt, die hinausweist über das Gegenwärtige? Die Nation steht an der Wende. Möge sie geistig sein oder nicht sein. Dritte Stufe: Das Volk hat seinen »Platz an der Sonne«. Niemand dürfte behaupten, ihm würde das Recht streitig gemacht, als ganzer Mensch in seiner spezifisch-möglichen Form zu leben. Und doch, wo ist ein solcher zu finden? Ich sehe nichts als halbe, vertrocknete Kreaturen, verbogen, zerbrochen oft im »Kampf ums Dasein«. Der Ernst des Lebens geht voran, er füllt, nun sie Muße hätten, ihr Dasein aus, die Idee hängt mit irgend einem zerlöcherten Zipfel hinten dran, eine Gewohnheit fügt sich an die andere in starrer Form. Wo Leben, wo Bewegung, die über sich hinausweist? Wir sind's ja schon, das auserwählte Volk, wir haben sie ja schon, unsere herrliche Kultur, unsere großartige Geschichte und Sprache und unsere Klassiker. Sehe nur jeder, wie er sich zu all den nationalen Gütern bekenne. Jugend, da stehst du auf und zerbrichst die lächerlichen Formen mit deiner Frage: Was ist Wert? Wo steckt eure Größe, euer Einsatz, euer Suchen, eure' Verantwortung, was erkennt ihr als des Menschen Weg, Aufgabe und Ziel, was für Weiser setztet ihr euch auf diesen Weg, wess Hingabe seid ihr fähig, wo sind die Zeichen lachender Überwindung eurer selbst und was habt ihr überwunden, ehe ihr dazu kamt, »ja« zu sagen, welche Distanz vermögt ihr zu setzen zwischen euren Blickpunkt und euer tägliches Treiben? Was seid ihr selbst für Men^

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