Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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22 Robert W c 1t s c h: Die Rolle der lugend in der Politik. maßung Selbstkritik und Besinnung als Voraussetzung aller Politik erkennen Denn nicht der Machtumfang der Gemeinschaft soll erweitert werden, sondern die Menschen in ihrem Wesen vertieft, in ihrer Sittlichkeit erhoben. ■ Aus dem Gesagten wird schon klar, wie wir uns die Rolle der j ü d i ~ s ch e n Jugend in der politischen, nationalen Bewegung denken. Ich habe pben mit Absicht stets das Wort »Gemeinschaft« gebraucht, um möglichst weiten Spielraum zu lassen: Staat, Volk, Partei, Organisation, kurz jeder soziale örganismus-.kann darunter gedacht werden. Die für uns wichtigste Bewegung, der Zionismus, steht vor denselben Gefahren wie jede orga* nisierte Gemeinschaft/ darum wollen wir auf der Wacht sein, daß keine »Politik« die Reinheit der Idee trübe. Die Jugend muß die Idee schützen, sie stets von neuem gebären. Wenn die Idee in der Stumpfheit des Partei* lebens zu verblassen droht, wenn politische Zwecke den bekannten Apparat von Taktik, Opportunismus, Bedingtheit und Gebundenheit mobilisieren, dann muß die Jugend mit der ganzen Leidenschaft ihrer Seele das Ver* trauen zu der Idee aufrichten, die keiner Mittel, keines Zwanges bedarf und deren Wahrheit unerschütterlich ist. Es ist hier nicht der Unterschied etwa zwischen sogenanntem »Radikalismus« und Nachgiebigkeit im Partei* leben gemeint,- es ist überhaupt nicht an Prinzipien zu denken, über die verhandelt werden kann,- sondern das Leben, in dem die Idee sich be* währt. Uqsere zionistische Politik muß zionistische Lebensentfaltung sein. Gestaltung der Gemeinschaft von innen, ein Nationalismus der Mensch* lichkeit. Es ist immer ein Mangel an Vertrauen zur Kraft der Idee, wenn man sie durch Zwang und List unterstützen zu müssen vermeint. Unser Nationalismus fürchtet nicht die Freiheit der Individuen: er kann vielmehr nur durch sie seine wahre Bedeutung erfüllen. Das Volk will mehr als ein korrektes Parteigetriebe mit noch soviel »politischen Erfolgen«. Wenn unsere Jugend leben wird wie junge Menschen leben, die für eine Idee ihr ganzes Selbst einzusetzen bereit sind, dann braucht uns um den nationalen Geist nicht bange zu sein. Er wird immer wieder durch* brechen, immer wieder das Erstarrende erschüttern, scheinbar vielleicht verdrängt werden, in Wahrheit aber Sieger sein. Als Träger des Geistes, als unbedingte Vorkämpfer der reinen Idee sich zu fühlen und eine stete Erneuerung der Bewegung der Seelen zu bewirken, das scheint mir die wichtigste Rolle der Jugend in der Politik. Und gerade in diesem Augen^ blidv wo der Zionismus so sehr in die Weltpolitik gezerrt wird, sei sie daran gemahnt. Vergessen wir nicht, daß unsere Idee Befreiung der jü^ dischen Menschen meint die vor allem ein geistiges Ereignis ist/ begeben wir uns nicht in neue Sklavenketten. Seien wir streng gegen uns und täuschen wir uns nicht darüber, daß wir. von niemandes Gnaden etwas werden können, wozu wir uns nicht selber durchringen, aufschwingen. Und seien wir auf der Hut, daß unsere neue, entstehende Welt nicht die Giftstoffe der alten, zusammenbrechenden aufnehme. Wer jung ist <und, zu unserem Glücke, es gibt nodi Jugendliche auch unter den Alten), der wende sich nicht von der Politik ab, indem er sie den Männern des Opportunismus preisgibt, sondern der mache die Politik zu dem was sie einzig sein sollte: gemeinsames Tun zur Verwirklichung der Idee. Robert Weltsch.