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Jerubbaal · 1918-04-01 · 1 (4.1918) · p. Seite 21

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
1 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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Die Rolfe der Jugend in der Politik« 21 Grund ihrer Erfahrungen wissen, daß es ja doch nur auf die Durchsetzung* im Wirtschaftskampf ankommt und alles andere, das man etwa in Theater, Romanen oder selbst Zeitschriften noch gelten lassen kann, im Grunde doch nur Literatur ist, über die man lächelt, wenn man im Lehnstuhl sitzt, kurz: Schwindel. Prinzipien hat man nur, wenn sie was eintragen. Die Jugend muß mit allem Nachdruck zeigen, daß das Leben ihr nur dann lebenswert ist, wenn die Idee, wenn Wahrheit und Geist unbedingt gewollt werden, ernst genommen werden. Ein Opportunismus, der auch das Geistige dem Nutzzweck unterordnet, erscheint uns als das zutiefst Verwerfliche. Darum muß die Politik der Wahrheit dienen, weil es sonst unvermeidlich zu Konflikten kommen muß: es gibt eine Grenze, wo die Macht der Gemeinschaft über das Individuum aufhört. Niemand darf zu etwas gezwungen werden, was gegen sein inneres Gesetz verstößt. Alle Gemeinschaftsordnung dient nur dem Wohle des Menschen,- der Mensch, der für seine Taten und sein Leben verantwortliche, steht immer vor dem Richterstuhl des* Ewigen. Die Entwicklung führt über den Einzelnen hinaus zur Gemeinschaft,- aber das Ziel, letzten Endes, ist doch nur wieder Jeder Einzelne. Weil der Gegensatz zwischen Einzelnen und Gemeinschaft im tieferen Sinn der Gegensatz des Geistes gegen die Trägheit ist, so ist ein wich* tiger Teil der Politik immer die »Erziehung« der Jugend gewesen. Das heißt: jene, die sich zur Politik berufen dünken, die Herrschenden, sahen richtig, daß sie in ihrem Kampf gejjen den Geist nicht frühzeitig genug anfangen können ,• sie erdachten ein System der Mechanisierung der Seelen, der Hintergehung des Geistes, und schufen die Schule, die öffentliche Meinung, die patriotisch-loyale Gesinnung. Die Erziehung, deren sich die Politik bemächtigt hat, hat zum Ziel die Erzeugung loyaler Bürger,- die Mittel sind nicht beschränkt, und die Wahrheit ist nicht mehr oberstes Gesetz... Es ist eine Aufgabe der Politik der Jugend, die Erziehung der Politik zu entreißen. Hier ist der Jugend eigenste Angelegenheit,- sie will nicht ein Objekt sein, das für einen Zweck tauglich gemacht wird,- sie will den vollen Gehalt ihres Menschentums mit allen Wonnen und allen Lasten der Freiheit ausschöpfen dürfen,- sie will sich nicht verkrüppeln lassen. Es ist ein allzu leichter Ausweg aus der Schwierigkeit, der ungeheuren Kompliziertheit des Lebens, wenn man durch Uniformierung der Charaktere und Gesinnungen das Eigentliche, Wesentliche, die imponderable seelische Energie der Persönlichkeit ausschalten oder übersehen will. Die Jugend hat noch nicht gelernt, sich zu bescheiden und ihr Leben auf dargebotene Leisten zu spannen,- sie will die Fülle des Lebens walten lassen. Das Erwachen des individuellen Bewußtseins ist ein spezifisch ju^ gendliches Phänomen. Für sie wird der Mensch wieder der zentrale Punkt aller Politik seih. Die Politik, die uns nottut, ist jenes Gemeinschaftshandeln, das die im Menschen als geistigem Wesen schlummernden Werte freimacht. Dieses Ziel wird den Namen der Politik wieder zu Ehren bringen und ihr Ansehen als höchste Betätigung des Menschen wieder herstellen. Wenn wir einsehen, daß alles auf den Menschen ankommt und nicht auf die Macht irgend einer Gruppe, dann werden wir statt Qberhebung und An^

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