Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 19 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Rolle der Jugend in der Politik. 19 die für die Gesamtheit getroffen werden, sind dann irgendwie auf diesen Zweck eingestellt. Eine rücksichtslose Durchsetzung eigener materieller Vorteile muß immer zum Kampf führen. Wenn dieses Streben ein Naturgesetz ist, das auch beim Menschen, im Bereich des Geistes, nicht durchbrochen werden kann, dann haben die naturwissenschaftlichen Evolutionisten und Biologisten mit ihrer Kampf-ums^Dasein-Theorie recht. Dann konnte mit Recht gesagt werden, der Krieg sei nur Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln,- denn dann ist auch Politik nur Krieg »mit anderen Mitteln«. Der »ehr-- liehe«, erlaubte Mord fehlt, aber die anderen »Mittel« sind ebenso erlaubt wie im Kriege, wo die gesamte Sittlichkeit als aufgehoben gilt <und dodi, infolge der Hilflosigkeit der auf den Moralbegriff angewiesenen Strafrechtler, pro foro interno irgendwie aufrechterhalten werden soll . . . das Chaos ist fertig, und die Welt muß untergehen). Schließlich wird dann auch in der Politik Lüge, Betrüg, Brutalität, geradezu zur Tugend verklärt, weil die Konstruktion des »Patriotismus« als sittlich normierender Begriff hinzutritt. Das ist die große Gefahr, die dem sittlichen Bewußtsein des Einzelnen von der Politik droht. Wäre sie nur eingestandenes Machtstreben, so wäre auch dem hemmungslosen Egoismus des Privatinteresses durch Aufstellung solcher Ziele Vorschub geleistet. Darum wird dieser Begriff des Patriot tismus eingeschmuggelt und durch systematische Beeinflussung das Bewußtsein der großen Mehrheit tatsächlidi überrumpelt. Hier bricht die Politik in den eigensten Bezirk des Geistes ein,- in den Bezirk, wo der Geist frei entscheiden soll und seine Souveränität wahren muß. Der Geist als höchste, unbestechliche Macht kennt keine Verstridumg in Zwecke,- er ist auf das eine Wahre gerichtet, das um seiner selbst willen, um seiner Wahrheit willen, gilt. Der schwerste Schlag für den Geist ist es, wenn eine Wahrheit nicht um ihrer selbst willen formuliert wird, sondern weil sie einem Zweck nützlich ist. Sobald sie sich nicht mehr brauchbar erweist, wird sie preisgegeben. So tritt Politik geradezu in Gegensatz zur Idee. Aber wir jungen Menschen glauben nicht und wollen nicht glauben, daß Idee und Politik Gegensätze sind. Für uns ist Politik der Weg zurVerwirklichung der Idee. Alle Politik muß der Wahrheit dienen, nicht die Wahrheit der Politik. Das ist die Forderung nach Wiederaufrichtung des Geistes im Gemeinschaftsleben. Jedes Glied der Gemeinschaft ist dafür verantwortlich. Es war ein unvergeßlicher, ergreifender Augenblick, als der Vertreter des revolutionären Rußland in BrestJLitowsk erklärte: Da wir die Idee des Selbstbestimmungsrechtes der Völker anerkennen, so geben wir jedem Volke das Recht, sein Los zu bestimmen, selbst wenn dies zur Lostren^ nung von Rußland führt. . . Das ist ein Novum in unserer Zeit: Auch im Völkerleben soll die Idee gelten, ohne Rücksicht auf den eigenen Vor^ teil. <Dies nur nebenbei bemerkt,- ohne entscheiden zu wollen, wie weit diese Erklärung durch Späteres desavouiert wurde ~~ vielleicht auch nur infolge des ohnmächtig-verzweifelten Ringens gegen eine Welt der Verlogenheit und Intrigue.) Besinnung auf Menschentum, Würde und Frei^