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Jerubbaal · 1918-04-01 · 1 (4.1918) · p. Seite 18

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
1 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 18 (sequence 20)
Language
German
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18 Robert Wcltsch: Diesen bürgerlichen Typus hat der Liberalismus geschaffen. Die nach dem Zerfall einer alten, festgefügten Weltordnung aufsteigenden sozialen Schichten hatten ihr zentrales Interesse im Ausbau der neuen sozialen und geistigen Welt/ dabei hat die Freigabe des Individuums dazu ver^ führt, zunächst einmal im Wirtschaftsleben alle Möglichkeiten dieser Freiheit auszukosten — man wollte sich im Kampf ums Dasein behaupten und rüstete entsprechend, mit einem Zusatz ungefährlichen »schöngeistigen« Gebarens. Der wahre, bewegende, schöpferische Geist, der immer Auflehnung gegen das Bestehende, Morschgewordene ist, war in Fesseln geschlagen. Wenn man nur lebte und die Geschäfte gingen, dazu noch etwas »Unterhaltung« und »Zerstreuung« . . . Alles andere ließ sich ertragen. Wir machen einen Sprung in unsere Gegenwart. Und sehen, daß heute fast allenthalben eine Forderung nach Anteil der weiteren Kreise des Volkes an der Politik gestellt wird. Ein Kampf beginnt und wird mit größerer oder geringerer Leidenschaft geführt. Man erinnert sich, man hat es gespürt, daß die Angelegenheit der Gesamtheit Sache jedes Einzelnen ist. Man wurde aufgerüttelt aus dem Wahn, daß man nur sein privates Leben zu führen habe und alles andre von selbst ginge. Die Gestaltung der Gesamtverhältnisse ist von entscheidender Bedeutung für den Einzelnen. Jeder ist mit verantwortlich, wie er für seine eigenen Taten verantworte lieh ist. Politik ist Lebensgestaltung,- auch die Jugend muß in die Politik eingreifen — niemand spürt sittliche Verantwortung so deutlich wie der junge Mensch. Der unerträgliche Druck und Zwang, der durch den Krieg über jeden einzelnen Menschen gekommen ist, hat die Besinnung geweckt. Man hatte die Sklaverei gern ertragen, solange die Fleischtöpfe bereitstanden,- aber nun wird es ernst mit dem Dienen und man begännt zu räsonnieren. Aber abgesehen von den Elementen, die sich in ihrem materiellen Leben beeinträchtigt sehen, sind auch die Menschen, die stets das Güte um der Idee willen wollten, angesichts der großen Katastrophe inne geworden, daß die Leitung der Gemeinschaft das wichtigste Fundament auch für die sittliche Handlungsmöglichkeit des einzelnen Menschen schafft. Man hatte den kleinen Dingen alle Aufmerksamkeit zugewandt und war nun in den wichtigsten und entscheidenden Augenblicken preisgegeben. Und da mußte es klar werden, was Politik ist, und wie sie sich zum sittlichen Leben des Einzelnen verhält. Politik ist das Handeln, das sich auf einen für die Gesamtheit erstrebten Zweck richtet und der Wille zur Durchsetzung dieses Zweckes in der Gemein^ schaft um jeden Preis. Da aber Ideen, die das Ziel bestimmen, immer nur in den Köpfen einzelner Menschen entstehen, so entsteht die schwierige Situation, daß einzelne Menschen, die für alle handeln, doch nur nach ihren eigenen Vorstellungen vom guten Zweck handeln können. Die Gefahr liegt hier sehr nahe, daß nicht das Gute, das immer für alle gut ist, sondern Neigung und Interesse der Führenden bestimmend wird. Zum Beispiel gilt in unserer Zeit der Präponderanz wirtschaftlicher Interessen der wirtschaftliche Vorteil einer Gruppe als durchzusetzender Zweck, dem das Leben der Gesamtheit dienstbar gemacht wird,- alle Einrichtungen,

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