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Jerubbaal · 1918-04-01 · 1 (4.1918) · p. Seite 17

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Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
1 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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Die Rolle der Jugend in der Politik. 17 und den Äußerungen der Gesamtheit übersieht. Und nur einige Wenige, die im Grunde auch nichts anderes sind als Glieder der Gemeinschaft, fuhren und bestimmen für alle und haben nun das Recht, gegenüber jedem Einzelnen die Interessen der Gesamtheit zu wahren. Die psychologische Beschaffenheit dieser Beauftragten ist immerhin bemerkenswert: sie glauben tatsächlich, eine höhere Berufung und tieferes Verständnis für Wohl und Wehe der Gemeinschaft zu haben, deren eigentliche Stützen zu sein. Die Politik, diese eminent ethische Angelegenheit jedes Einzelnen, wird ein Beruf neben andern Berufen, und es ist leicht einzusehn, wie in soldiem Fall das sittliche Ziel sich in sein Gegenteil wandelt. Wie die Religiosität, die nicht mehr brennendes Erlebnis der Menschen ist, sondern einer Berufskategorie zur Verwaltung übertragen wird, in ihr Gegenteil umschlägt. Von Christus ist nur ein Schritt zum Großinquisitor des Iwan Karamasoff. Wie in der Religion alsbald nicht mehr Gottes Gesetz, sondern der Kirche Interesse Motiv des Handelns wird, so wird in der Politik nicht mehr die sittliche Norm alles Handelns, sondern das selbsterfundene Interesse der Gesamtheit, mag sie nun in ihrer Organisationsform Staat oder anders heißen, ausschlaggebend. Und auch hier tritt alsbald die Verwechslung ein, daß dasjenige, was tatsächlich bestimmt, für das gehalten <oder ausgegeben) wird, was bestimmen sollte. Man predigt im Namen der Moral und meint das von den »Beauftragten« interpretierte StaatsJnteresse. Und man prägt den Begriff des »Patriotismus«, nach dem man die Menschen in gute und verwerfliche einteilt. Wohl ist viel Richtiges in dem sittlichen Grundton des Wortes »Patriotismus«. Denn gegenüber dem schrankenlosen Egoisten, der über der Erfüllung seiner Wünsche alle Menschen zugrunde gehen sehn möchte, ist der Mensch, der auch auf Kosten persönlicher Einschränkungen das Leben der Gesamtheit aus dem Gesichtspunkt des Leben^Könnens auch der andern Menschen einzurichten gewillt ist, der nach unserm Empfinden Höherstehende. Dieses ehrliche Wollen ist das Wesentliche. Statt dessen aber haben die »Beauftragten«, die Politiker, die korrekte Ausübung ihres »Berufes« so begriffen wie ein Kaufmann, der in der Mehrung seines Besitzes und in dem »Blühen seines Geschäftes« seine Aufgabe sieht,- und da doch die Erfüllung der Berufstätigkeit nach der Auffassung unseres Zeitalters »sittliche Pflicht« ist, so haben die Berufspolitiker für ihre Bedürfnisse einen Begriff des Patriotismus zurecht gemacht, den sie der öffentlichen Meinung einhämmern und nach dem sie die Menschen messen. Und so sehr wurde dieses Verfahren einer Idealisierung des proklamierten Gemeinschaftsinteresses gebilligt, daß das Ziel gar nicht revidiert wird, selbst wenn man die Verwerflichkeit der Mittel einsieht. Der heilige Zweck heiligt die Mittel und man berauscht sich an der Glorie jenes, während man über diese die Achsel zuckt und die als »Politik« bezeichnete Tätigkeit als eine Fülle von Unehrlichkeit empfindet, die man als Notwendigkeit sich gefallen läßt, aber von der ein anständiger Bürger sich besser fernhält. Man kennt diese Nebenbedeutung des Wortes »politisch« und braucht nicht erst an das Dichterwort vom »garstigen Lied« zu erinnern.

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