Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3776398-6437699-6437719--025-3776420- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Übcf den verstandesmäßigen und heroisdi-fanafistfien Zionismus. 13 Freilich, nicht unmittelbar zur nationalen Gesinnung und zum nationalen Bewußtsein gehört all dies. Es kann aber die nationale Gesinnung bei uns nicht fruchtbar werden, bis nicht die nötigen gemeinschaftsethischen Dispositionen in uns lebendig geworden sind. Denn nicht aus dem bloßen Verstände und den kalten Meinungen und nicht aus der aufklärenden Propaganda kann die Renaissance eines Volkes geboren werden, sondern aus dem Brwedten der unbewußten, tiefsten seelischen Kräfte, die gegen den alltäglidien, praktischen, individuelUeigensüchtigen Lebensgang sind/ aus dem Erwecken der Triebe, die den Menschen zwingen, eine höhere Lust im Leben zu suchen, eine überalltägliche, ungewöhnliche. Ist dieser Mensch national gesinnt, so kann er für sein Volk Erlösendes schaffen, kann er seine Idee in lebendige Wirkung umsetzen, sein Volk erneuern. Das ist der heroische Nationalismus oder die nationalethische Romantik. Als Martin Luther ausrief: »Hier stehe ich, ich kann nicht anders!« so war das der innerste Ausdruck von Heldenhaftigkeit. Das Charakteristikum des Helden ist eben, daß er anders nicht kann, daß er in der Erfüllung seines Schicksals auch sein Leben ausfüllt. Die Nichtheroischen aber können so — und können auch anders. Und in diesem »Nicht-anders-Können« und in dem Gedrängt^ werden von tiefsten seelischen Kräften, vom ungestümen, in keine Schranken gebannten Weltgefühl, von Rausch und Tat, gleichen einander der Held und der Fanatiker. Beide sind erfüllt von einer inneren Spannung und suchen schmerzhaft und lustvo'il zugleich die Entladung. # & « Und wollen wir uns, dies vorausgeschickt, über die seelische Quelle der ganzen Unzulänglichkeit unserer Zionisterei klar werden, so müssen wir uns, meine ich, den Gegensatz zum Bewußtsein führen, daß bei allen Völkern die Pioniere der nationalen Freiheitsbewegungen heroischen Charakters und Fanatiker ihrer Überzeugung waren und sind, wir aber bleiben die Kläglichen, kalt Einsehenden, alles Verstehenden, beinahe Objektiven. Ich will damit nicht sagen, daß die fanatische Art die an sich bessere ist,- ich könnte eventuell zugeben, daß sie für normale Verhältnisse die schlechtere sei. Aber für das In^Bewegung-Umset zen von Ideen ist sie die einzig wertvolle, weil einzig wirksame Art. Darunter sind aber nicht wirklichkeitsfremde Phantasten und Exaltierte zu verstehen, die anstatt von Ideen von Nebelbildern ausgehen. Nein,- ich meine die, bei denen der Verstand nicht die primäre Triebkraft bildet, aber doch als Rieht kraft funktioniert. Ich meine die, welche ebenso wie die Kläglichen sich um eine klare Erkenntnis des Ziels bemühen, aber zum Unterschiede von den Nur*Verstandsmäßigen diese gewonnene Erkenntnis leben, diese ruhig erfaßte Idee der Gemeinschaftsziele als ein Eigenes, Persönliches leben, für diese Idee mit der Spontaneität, der Heftigkeit, dem Angriffswillen, der Einseitigkeit und Voreingenommenheit handeln, wie es gemeiniglich der Einzelne für sein persönliches Wohl tut , . .