Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Über den Verstandes mäßigen und heroiscWanatisdien Zionismus. 9 Sein Ideengang war ursprünglich ein rein Verstandes- undwillensmäßiger. Nicht die Pflicht des Einzelnen gegenüber der Nation und ihren Zielen nach innen und für die Menschheit,- nicht Gefühle, die im Blute über-* liefert sind/ nicht die seelische Tradition, welche in uns als Instinkt wirktr sollten das Drängende zu tätiger Zukunft sein <-* das alles war wohl in den Falten seines Bewußtseins verhüllt gelegen. In der Argumentation aber benützte er ausschließlich die körperliche, wirtschaftliche und seelische Judennot. Zionist sollte der sein, dem es sich lohnt. Dieser Einstellung entspricht der ganze Plan des »Judenstaates«, in welchem das Wort »Pflicht« überhaupt nicht und »Opfer« nur in der Bedeutung von Aufwendung vorkommt. Die Millionäre, die das große Geld für die Jewish Company hergeben sollen, werden dabei ein gutes Geschäft machen. Damit beginnt es. Aber auch diejenigen, die hinüber sollen — beginnend mit den ganz Besitzlosen — werden dabei ihren Vorteil haben. Als dann aus der Judenstaatsidee der Kongreßzionismus hervorging, da änderte sich im Verhältnis des Einzelzionisten zur Bewegung nichts. Zionist oder Zionistin sein, hieß: zustimmen, daß die Juden eine Nation sind, daß überall eine Art Judennot besteht —* der Masse oder der Ein^ zelpersönlichkeit — und daß das jüdische Volk darum eine Heimat erlangen muß. Punktum. Dieses Bekenntnis kostete nichts. Verpflichtung sollten nur die Führung haben und die Organisationdie hätten vieles leisten müssen: den Charter erlangen, die Zustimmung und Garantie der Mächte erwirken, die Milliarden aufbringen, die jüdischen Massen erwecken, deren Umsiedlung durchführen und vieles andere Große noch. Der Einzelzionist aber zahlte höchstens den Schekel, das sind zwei Heller wöchentlich, und eventuell noch ein Kleingeld für den Nationalfonds, ging einmal jährlich zur Makkabäerfeier, gelegentlich zu einer zionistischen Veranstaltung und — was das einzige Intensive an der Betätigung dieser Art zionistischer Gesinnung war — er suchte mit intensiver Neugierde in jedem neuen Heh der »Welt« nach, ob sich nicht darin irgend eine, durch die große Überschrift als bedeutend klassifizierte Nachricht fände: Ob schon wohl Herzl beim Sultan Palästina »gekauft« oder irgendeine diplomatische Wundertat vollbracht hätte u. dergl. — Wie sollte aber eigentlich die Idee des Zionismus in Wirklichkeit umgesetzt werden? Woher die hiezu nötigen großen Mittel und Kräfte nehmen? Was nützt dieser Idee und der doch notwendigen Realisierung unsere billige Gesinnung? Man weiß, welche hohen Beträge Herzl von den Zionisten erwartet hat und wie beschämend wenig er erhielt. Man weiß auch, wie ihn diese Enttäuschung geradezu tödlich getroffen hat. Und doch gab es schon damals Zehn* oder Hunderttausende, die mit viel Lärm, mit angeblich hohem Stolz und tiefer Begeisterung sich zur sogenannten zionistischen Fahne bekannten. ~~ Aber ihre Tasche bekannte sich nicht dazu! Und so blieb es bis heute. Das Volk — sagt man — ist von der zionistischen Gesinnung noch nicht ergriffen. Aber die Zionisten sind es ja bereits und wenn dennoch auch sie nichts leisten, so muß es an etwas Anderem liegen, als an der Gesinnung, der Einsicht, der Zustimmung zur zionisischen Idee .