Jerubbaal
- Journal
- Jerubbaal
- Volume
- 1 (1918-1919)
- Issue
- 1 (4.1918)
- Date
- 1918-04-01
- Page
- Seite 3 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine Zeitschrift der jüdisdien Jugend, 3 Stunde erfahren, daß die bestimmende Welt von ihr entgegengesetztes Bewerten verlangt, ja ihr. zumutet, sidi gegen ihr eigenes Empfinden und Wollen zu verändern, sich erziehen zu lassen, sidi anzupassen, Aus diesem Widerstreit der äußeren machtvoll erhobenen Anforderungen gegen das innere kategorische Müssen erwächst der Jugend das Problem ihrer Eigenart, die Frage nach dem Recht der anderen, das Suchen, ob nicht vielleicht eine geistige Welt gerade dieser jugendlichen Art bedürfte, wenn die heutige Zweckwelt sie möglichst rasch zu vernichten gezwungen ist. Der jüdischen Jugend verdoppelt sich dies Problem jeder Jugend. Ihr steht überdies eine nichtjüdische Welt entgegen, die mit allen absichtlichen und ungewollten Mitteln ihr Jüdisches als böse, wertlos und gemein bezeichnet und bekämpft: unveränderliche Gesinnungen, blutmäßige Einstellungen, tiefgewurzelte Eigenschaften, welche die jüdische Jugend als ihr Gut, als ihr Bestes fühlt und will. Hier wird ihr noch anmaßender die Anforderung aufgebürdet, sich zu verändern, sich erziehen zu lassen, sich anzugleichen. Es erhebt sich ihr das Problem ihrer jüdischen Art, die Frage nach dem Recht der anderen, das Suchen, ob nicht vielleicht eine wesentlichere Welt gerade dieser jüdischen Art bedürfte. Diese Probleme lassen sich theoretisch nur klären. Gelöst werden sie durch die konkreten Stellungnahmen, durch Taten in jedem einzelnen Fall. Die Ansprüche der Zweckwelt und des nichtjüdischen Milieus äußern sich schmerzhaft vor allem in den Institutionen: in der Schule (vorn Kindergarten bis zur Universität), der Erziehung in der Familie, im Berufe/ in allen wirtschaftlichen Fragen,- im Verhältnis der Geschlechter,- in der täglichen Lebensführung. Eine jüdische Jugend, die in sich selber Werte erkennt, und die entschlossen ist, sich in dieser Erkenntnis nicht beirren zu lassen, weder durch die erwachsene Welt, wenn sie bemüht ist, das Jugendliche als das Unvollkommene zum Reifen und Bürgerlichen als dem einzig Maßgeblichen zu erziehen, noch durch die nichtjüdische Welt, wenn sie das Jüdische als das Minderwertige beschimpft und verfolgt, bemüht, es zu dem Ihrigen, als dem einzig Würdigen zu verändern, eine solche Jugend wird zu ihrer Selbstbehauptung der klaren Erkenntnis und der folgerichtigen Taten bedürfen. Jene zu erzeugen, diese vorzubereiten, heißt der Jugend dienen und ist Aufgabe unserer Zeitschrift. So erst wird sie fähig, ihren eigentlichsten Schwierigkeiten in die Tiefe zu blicken, der Frage ihrer Stellung zum Judentum, seiner Religion, Kultur, Tradition, seinen Führern, seiner Sprache, seinem Lande und so erst kann sie die Aufgabe erkennen, die ihrer in ihrem Volke harrt : seine Zukunft bestimmen, sie zu einer geistigen zu machen. Mancherlei Lösungen, mancherlei Taten sind möglich,- einige nötig. Wir werden nicht eine als die einzige Richtige vertreten. Wir bieten Raum allen Möglichkeiten. Nur aus einem Geiste müssen sie gefühlt, geschaut, gefolgert sein*. Ungenügen an dem Gegenwärtigen ist seine Quelle. Scham über den heutigen Typus der jüdischen Jugend,- Wille zu einem neuen, einem freieren, schöneren, wesentlicheren. Empörung gegen den heutigen Menschen, am heftigsten gegen seine jüdische Form,- Sehnsucht nach einem reineren, heiligeren, unbedingteren Volk. Auflehnung gegen die 1*