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Jerubbaal · 1918-04-01 · 1 (4.1918) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jerubbaal
Volume
1 (1918-1919)
Issue
1 (4.1918)
Date
1918-04-01
Page
Seite 4 (sequence 6)
Language
German
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4 Martin Bub.er: heutige Menschengemeinschaft,- Arbeit für eine gerechtere, geistgestaltete. Eine Jugend, die keine Auflehnung kfennte, wäre keine Jugend. Eine jüdische Jugend aber, die keinen geistigen Inhalt ihrer Empörung wußte, wäre keine jüdische. Sie muß wissen, daß ihr Volk, daß die Menschheit, daß Jahwe diesen Kampf will. Daß für die jüdische Erneuerung wesent* lieber, unerläßlicher als Land, Sprache und alle Autonomien, eine neue, die altneue, jüdische Seele ist, deren freie Gestaltung und Auswirkung. Immer war das unsere elendeste Zeit, wenn die alte Generation — wie heute — in ihrem Hause Baal Tempel baute. Aber immer erging dann Jahwes Wort an einen Gideon <Richter 6, 25): »Zerbrich Baals Tempel, der im Hause deines Vaters ist.« Vielleicht macht sich auch heute wieder die Jugend auf wie jene, von der es heißt: »da nahm Gideon zehn seiner Genossen und tat wie ihm der Herr geboten.« Vielleicht wird dann die Generation von ihrem Baal befreit, wie Gideons Vater Joas dastehen, erschüttert vom Tun der Jugend, segnend und demütig sprechen: »Jerubbaal, — Ist er Gott, so rechte Baal um sich selbst.« Allenthalben in der jüdischen Jugend wird solche Gesinnung lebendig. Unsere Zeitschrift braucht sie nicht erst zu wecken. Aber die so denken und kämpfen sind nodi einsam, Vereinzelte in ihrem Kreis. Die Zeitschrift soll ihnen ein Sammelplatz werden. Denn sie bedürfen der Vereinigung zur Erfüllung einer Forderung des Tages: aus den mannigfaltigen Organi* sationen der jüdischen Jugend die eine Jugendbewegung werden zu lassen, die alles Trennende der Judenheiten und Judentümer niederreißt und den geistigen Aufstand der Jugend des Judentums erzeugt. Solchem Wirken muß viel Denken und Arbeit vorangehen,- die gedankliche und praktische Lösung des Problems der Form jugendlichen Gemeinschaftslebens, der Organisation von Jugendgruppen, letzten Endes des Programms und der Gestaltung der Jugendbewegung. In dieser Erörterung ist schließlich die vornehmlichste Aufgabe dieser Zeitschrtft gegeben, denn in ihr schließt sich, alles Übrige zur Einheit. Siegfried Bernfeld. Jüdisdi leben. Zwei Gesprädie. Meinem Sohn Rafael gewidmet. I. Der Knabe: Was bedeutet das: »Jüdisch leben?« Der Führer: Das hängt davon ab, warum du danach fragst. Der Knabe: Wie soll ich das verstehen? Der Führer: Wenn du fragst, weil du es bloß wissen willst, so be* deutet »jüdisch leben« für dich nichts anderes, als was deine Vorfahren taten, und du kannst es aus der Geschichte erfahren. Fragst du aber, weif du etwas tun willst. . . Der Knabe: Ich will etwas tun. Der Führer: Was ist es, das du tun willst? Der Knabe: Icte will . . , ja, ich kann es nicht sagen.

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