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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-10-15 · 20 (15.10.1938) · p. Seite 305

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
20 (15.10.1938)
Date
1938-10-15
Page
Seite 305 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 305 Arthur Galliner zum 60. Geburtstag In diesen Tagen vollendet Dr. Arthur Galliner sein 60. Lebensjahr. Die Natur hat sich ihm dankbar dafür gezeigt, daß er sie liebte und sich na abschaffend in ihre Gestaltungen vertiefte. Sie hat zum Glück vergessen, die Zeichen des Alterns in seine Gestalt und sein Wesen einzugraben. Ein Freund des Wanderns, schweift er noch gern durch Tal und Hügel» um, wo es ihm gefällt, seinen Zeichenbogeni auszuspannen und, was seine Künstlerseele anspricht, mit ausdrucksvollem Stift, mit geschmackvoller Farbe festzuhalten. Gallmer ist von unermüdlicher Arbeitskraft. Hat-der Künstler sein Tagewerk getan, so schafft der Wissenschaftler bis zur Mittemachtsstunde. Demgemäß zeichnet sich seine Produktion durch große Spannweite aus. Die ZentralkjafL-S^ines-Schalfensist das künstlerische Temp_fiiaroefltr-Shr^elti^^ den Lehrer, den KuJnst4J^ieh«rT^den^cl^c^ferischen Künstler. Sie verleiht ihm die T>e7das Wesentliche des künstlerischen Ausdrucks kunstschaffender Persönlichkeiten zu erspüren und nachzuempfinden und in fesselnden, durch Klarheit des Gedankenbaus und weise Zucht des Wortes ausgezeichneten Vorträgen zu vermitteln. Gallmer, der Schriftsteller, hat oft zu Fragen der Kunstgeschichte und Kunstäußerung das Wort ergriffen. Seine Beiträge in der Enzyclopädia Judaica ergeben zusammen fast den Umfang eines, Buches. Ein schönes Liebermann-Buch hat die Anerkennung des Meisters gefunden. Sehl bedeutsamer Beitrag ■ „Mittelalterliche Glasmalereien in Wimpfen" in „Denkmäler ileutscher Kunst" ist die Frucht eindringender Studien, deren praktische Seite übrigens mit nicht geringen Mühen und Lerbesgefahr verbunden war. Als Kunstgestalter ist Galliner von erstaunlicher Vielseitigkeit. Sein motivisches Gebiet reicht im wahrsten Sinne „vom Fels zum Meer". Wir besitzen von ihm Dünenlandschaften, hingesetzt in feinster Aquarellmalerei, und Bilder aus dem bayerischen Oberland, Trachtenstücke, in dichter und satter öltechnik. Sein Bestes jedoch gäbt Galliner im Portät. Die meisterliche Handhabung von Feder und Kohlestift gestattet ihm die schattenhaft dünnen, aber oft so bestimmenden Züge des Gesichts herauszuholen. Das Porträt von Justizrat Blau mit dein patrizierhaften und verantwortlich-bewußten Ausdruck, das von der Heiteriloeit des Weisen erhellte Antlitz Martin Bubers sind künstlerische Dokumente, die weit über zeitgebundenes Interesse ihren Wert besitzen. •Daß der Mann, der in einem jüdischen Lehrerhause erwachsen ist und angesehene Rabbiner au seiner Familie zählt, an religiösen Fragen Stärkstens interessiert ist, versteht sich am Rande. Das äußere Faktum der Geburt und Erziehung und das innere der Schau- und Eriebenskraft bilden hier eine zuverlässige Führergiememschaft. Oft und erfolgreich hat er sich bemüht, das Mysterium des Religiösen an den großen Gestaltern unserer Religion zu ergründen und die Beweguogskräfte freizulegen, die in ihren Reden und Handeln wirksam waren. Das Buch über Sigismund Stern, entstanden anläßlich der 125jährigen Gründungsfeier des Philainthropins, der Anstalt, an der Galliner als Lehrer für Kulturfächer wirkt, stellt einen wesentlichen Beitrag zur Geschichte der religiösen Reform dar. Arthur Galliner ist noch lange nicht am Ende seines Schaffens angelangt.. Mannigfache Pläne beschäftigen ihn. Ein fast zur Reite gediehenes Werk über mittelalterliche Glasmalerei mußte wegen der Ungunst der Zeit unausgeführt bleiben. Ein Sammelwerk „Dals jüdische Familienporträt" und ein „ßitderatias zur jüu. Geschichte. Kultur, Kunst und Religion" warten auf dte Herausgabe und' verdienen das fördernde Interesse der jüdischen Allgemeinheit. ■Wir würden etwas Wesentliches übergehen, würden wir nicht Galliners. des Mensohen, gedenken. Sein glückliches Naturell, sein gläubiger Optimismus sind ein Zauberschlüssel. Ich verdanke ihm manche Stunde, der Anregung und Belehrung. Der Wunsch, daß ihm noch viele Jahre fröhlichen Schaffens beacfatadn «-«ian und alles, was jetzt noch Vorhaben ist. in abgeschlossener Gestalt .Jsald 'unserem 'Blick JbeBegne. kommt aus Freumieshcigcfe— BAMBERGER& HERTZ DIE ZUVERLÄSSIGEN KLEIDERFACHLEUTE An die Kleinen und Kleinmütigen unter nnJ er häufiger werden diejenigen unter uns beansprucht, die noch in der Lage sind zu helfen. Die Not der Hilfsbedürftigen und der jüdischen Institutionen ist im bedenklichen Wachsen. Die Größe der erzwungenen Opfer darf kein Grund sein sich freiwilligen Opfern zu versagen. Von altjüdischer. ge- - setzestreuer Seite geht uns die nachstehende Zuschrift zu; ihrer Mahnung darf sich in diesen Monaten der erhöhten Ansprüche von vielen Seiten v niemand unter uns verschliesseu. Nicht an die Kinder wenden sich diese Zeilen, auch nicht an die,. deren äussere Gestalt sie nicht hervorragen läßt unter uns. Dieser Appell ist gerichtet an Jene unter unseren Brüdern und Schwestern, die auch heute noch aus kleinem Glauben und kleinem Herzen klein geblieben sind... im Geben. Wem hat nicht die Not der Zeit Seufzer entrungen, wer fühlt sich nicht bedrückt uiJi bedroht vom Geschehen an ihm. um Ihn? Wer ist nicht sehend geworden über die Nichtigkeit des Seins, die Vergänglichkeit auch all dessen auf dieser Welt, was noch bis vor Kurzem so unerschütterlich, noch so unantastbar uns erschienen ist? Unserer Väter nie rastendes Denken und Streben, ihr nimmermüder Fleiß, die ganze heiße Liebe ihres Herzens galt dem Ziele, uns zu bewahren vor Sorge und Kummer, komme, was da .wolle. Alles, was in ihren Kräften stund, toben sie aufgeboten, uns geweiht, damit wir bestehen, ihr Werk erhalten, ausgestalten und wiederum in unseren Kindern verankern und sichern können. Das war Wir Vermächnis an uns. der Dank, den aHein sie von uns erwarteten, dererhoffte Lohn ihres Lebens. Anders tat sich die Gegenwart gestaltet, als man sie vor sich gesehen. Der Weltenleiiiker hat sich uns offenbart. Er lehrt uns mit Eindringlichkeit, „was der Mensch ist und sein Schaffen unter der Sönne". Sollen wir bangen vor Seinem Strafgericht, weil wir uns sicher gefühlt haben? Sicher gefühlt auch ihm gegen- ' über, weil wir vielleicht siogar geglaubt haben, auch Seine* entraten zu können? Neil-.! Nicht bangen sollen wir. nicht verzweifeln, wir sollen es nicht, wir brauchen es nicht, wir dürfen es nicht. Gott erzieht uns. nicht klein zu bleiben, sondern zu wachsen, wo Grüße von unsgefordert wird, nicht satt und selbstgefällig das nur zu genießen, was wir unseren Vätern an irdischem Gut verdanken, sondern sie zu ehren. Wochen und Monate strahlender Sonne, wohliger Wärme waren uns beschieden. Wohl lasen, hörten, fühlten wir die schwere Krise, die' die Welt erbeben läßt, die die Fundamente all deßeu. was wir gefestigt glaubten. er/iittcm macht. UmJ immer noch glaubten und glauben' wir. daß nur ein Unwetter über uns hinwegziehe. Und wir tun recht in diesem Glauben! Aber: „Nicht rühme, sich der Kluge seiner Klugheit, nicht rühme sich der Starke seiner Stärke, und nicht rühme sich der Wohlhabende seiner Wohlhabenheit!" ..Gotteserkenntnis" ist die Losung. Erkenntnis seines Wollens und Wirkens auf Erden die Lösung des nienchlichem Seins. Die Wochen und Monate der rauhen Wirklichkeit stehen vor iins*ir'ndt bedrohen, mehr noch als uns selbst, unsere Brüder und- '. Schwestern, deren einzige Reserve für die Zeit der Not ihr . Gottvertraiien gehMrbfji Ist. Wtollftn wir r11,1111111 iilr yll1 ilinill zurechtkommen? Dürfen wir, satt_und selbstgefällig. Jene sich tntd- Dr.- M** Katten-Bamberg Gottes Httfe überantworten? Fühlen wir immer nnclrtnvs" selbst so JiMlische WinterhitfcT Spenden an die Rasse der Wohlfahrtsstelle (Postscheck-Konto 27011) oder auf Postscheck-Konto der Jttd. Winterhilfe München Nr. 45842 erbeten.

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