Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 19 (1.10.1938)
- Date
- 1938-10-01
- Page
- Seite 291 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/10638461-6435885-6435914--455-3770971- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 19 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern 2fll Jetzt und nicht später! itJtMittHtfi&fltiliPit W9WW1?VW w*W lr VWWFWWm^fW W Geistern verliassen ist, wird nicht itr billiger psychologischer Weise geschildert, sondern durch Explikation menschlicher Glambensrichtungen und Vorführung geistiger Haltungen demonstriert. Die nachstehende Predigt des anglikanischen Pfarrers von Iffley beim Naohmittagsgottesdienst in seiner engen, massiven, altersdunklen kleinen Kirche ist die zentrale Stelle des fast 750 Druckseiten sta'rken „Romans", i - Von diesem unbeholfenen Ländpfarrer sagt sein weitläufiger Sohn: „Der Alte fühlt sich in dieser Welt schrecklich unbehaglich und gehört auch, wirklich gar nicht hinein. Nur in \ der Kirohe ist er echt; bei ihm ist's genau umgekehrt wie bei Allen anderen Pfarrern1, die ich kenne." In diesem Kapitel hörten wir die Worte: Ein Engel des Herrn. Lasset uns für einen Augenblick betrachten, was mit diesen Engeln 'gemeint ist. Ich will nicht, auf die Ansichten der Kirchenväter über die Natur der Engel eingehen. Das sind gelehrte, fromme, verehruugswürdige Theorien: aber was jedes Ding der Schöpfung — einerfei ob Engel. Mensch oder stofflicher Gegenstand — seiner eigenen Natur nach wirklich ist. das weiß mit Geweißheit nur Gott allein. Für uns ist ©in Engel im wesentlichen ein Bote, wie das griechische Wort in der Tat bekundet; und es ist des Engels Botschaft, die uns als der eigentliche Engel entgegentritt. Ich meine «un. meine lieben Freunde, alle Dinge sind Engel! Mir dürft euch jedoch, nicht jeden Engel als ein holdes, lächelndes Kind vorstellen, das heiter im Licht schwimmt und die Strahlen des Lichtes von seinen Fittichen schüttelt. Es (Übt auch Engel, die ein Schwert tragen, und gefallene Engel, mit denen die Versuchung sich naht. Auch in ihnen vermögen wir die Boten dies Herrn zu erkennen, freilich nicht unmittelbar, als wären die Gedanken, die sie uns einflüstern, oder die Taten, zu denen sie uns treiben, von Gott gewollt, sondern nur mittelbar, insofern als sie unter Gottes Zulassung zu uns kommen und unter gewissen 'ßedimgu'nKeu doch den göttlichen Auftrag tiaben. uns durdh Warnung. Leidein. Mühen oder Opfer zu Ihm zurückzuführen. Glaubt mir. es gibt nichts in der Welt, was nicht denen, de Gott aufrichtig suchen, zum Mittler werden und denen, die Ohren haben, seine Stimme zu vernehmen, als seini Orakel dienen könnte. Daß das Leid ein Sakrament der Versöhnung sein kann; wißt ihr alle aus eigener Erfahrung: doch gibt" es^ noch düstere Engel, die ebenso unwillkommen au uns treten und dennoch-ebenso reich an Gnaden sirtd. Nehmen wir zum Beispiel dre WöTirheit. Die Wahrheit ist ein fürchterliches Ding. Sie ist viel finsterer, viel trauriger, viel unedler, viel unmenschlicher und hohnvoller, als die meisten unter uns zugeben wollen, oder sich auch nur vorstellen können. Welche christliche Familie, welcher junge Mann, welche junge Frau, die äußerlich'wohl behütet vor jeglichem Bösen leben, würden im Angesicht der W«hr-_ heit nicht irgendein unschönes Geheimnis enthüllen müssen? Wir", sind allzumal elende Sünder. Wir sind alle unglücklich in unsenn HerzeH.-Und auch die jyahjjiejfjler natürlichen Tatsachen, die Wahrheit der Wissenschaft ist uns ein Stein—des. Anstoßes. Wie angstvoll, wie unsicher strebt die Kirche danach, den Schatz ihres G'aubens vor dieser erbarmungslosen Sturmflut zu retten! Doch alle Wahrheit bleibt ein Engel des Herrn, sogar ein Teil des göttlichen Wesens; denn der heilige Augustinus sagt, daß Gott nicht nur gut. sondern die Güte selbst ist: nicht nur wahr, sondern die Wahrheit selbst. Wir denken nur in unserer Oberflächlichkeit, die Wahrheit könnte gefährlich sein, sie körinte das Dasein Gottes widerlegen. 0 welcher Unglaube bei uns Gläubigen! Wäre die Wahrheit nicht wahrhaftig, wie es unsere Vorurteile annehmen, oder wie es unsere selbstischen Leidenschaften wünschen, warum Altted Stock W 9 W m W W 9w Ir^ff flf Sonnenstraße l 2 Telefon 10786 sollte dann die Religion darnach streben, dieses- Vorurteil aufrechtzuerhalten und dieser verhängnisvollen Leidenschaft Vorschub zu leisten? * Erhebt lieber eure Herzen und reinigt den Kelch eures Innern! Maßt euch nioht an, Gott vorzuschreiben, was Gott sein soll, oder wa$ er tun soll. Lauft ihm entgegen, wie ein Kind dem Vater entgegenläuft: gleicht eure Wünsche seinem ewigen Ratschluß an, nehmt den Platz und die Beschaffenheit, die er euch zugeteilt hat, willig aus seiner Hand, dann wird sich eure Schande in Rulrm verwandeln, und selbst inmitten dieses irdischen Lebens und seines Elends werdet ihr unter seinen Engeln leben. Sommer und Winter. Jugend und Alter. Reichtum und Armut wenden Seine Boten sein, die zwar nur einen Augenblick verweilen, aber euch in diesem einen Augenblick das Gewebe der Ewigkeit erkennen lassen. Und der Tod ist der letzte, der erhabenste Engel von allen. Mit mächtigen Fittichen eilt er ungebeten und gefürchtet herbei; denen aber, die innerlich der Welt entsagt toben, bringt er Frieden. Heilung und die geistliche Vereinigung mit den himmlischen Gütern: während er die. die nicht entsagt Ilaiben, mit dem Sehwert des Zornes und des unheilvollen Untergangs schlägt. Zum Sukkoffest Von Fabius Schach Daß der Jude sich auch freuen kann, das klingt uns heute wie ein Märchen aus der Traumwelt oder gar wie eine bittere Ironie. Und doch ist das Wort'„Seelenfreude" keine leere Formel, aus welcher der Inhalt entschwunden ist. wenn wir wie unsere Väter unsere Freudenfeste feiern. Unsere Väter in ihrer schlichten Frömmigkeit drangen"" tief in die jüdische Seele ein. Sie wußten, daß das Judentum etwas anderes unter Freude versteht: keinen Rausch, kein Austoben der Sinne, sondern ein Sicher Ii eben hz um Quell inneren Lebens. Unsere Religionsphilosophie hat das Wort „Simchat Hanefesch". Freuden der Seele geprägt und damit den tiefsten Begriff der Freude verbunden: die Flucht aus dem Alltag in höhere Regionen, das Begreifen, daß der Mensch nicht von Brot allein lebt, daß auch seine Seele Nahrung haben will, also Stunden' der Weihe und des Nachdenkens. Der Mensch soll die Schönheiten der Natur genießen, sich aber nicht berauschen. Bei aller Freude des Gemüts soll er das Religiöse, das Göttliche in sich nicht vergessen, bei allein Schauen des Zeitlichen soll er der Ewigkeit gedenken. Und auch in schwerer Zeit soll er in den geweihten Fcstsüuujen^ die Sorgen bannen und sich eine höhere Stimmung schaffen. von. Für den An- und Verkauf Immobilien und Geschäften ferner für HaUSVCrWaltUHgCO > empfiehlt sich c Firma. S- Äckermann, Ritter von Epp-Platz 9 Telelon Nr. 12502, 12587, 13394 Erste Referenzen! Jegliche Bank-Garantie 1 i