Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 19 (1.10.1938)
- Date
- 1938-10-01
- Page
- Seite 288 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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288 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. »9 pfcä*2äfc JkmkmmmmMmk^m y> "«v* DER WEG Von Manfred Sturmann Wir sind auf dem Wege, Wir wandern alle, \ .Seil der Kindheil gehen wir. Wir sind oft müde geworden. Wir haben oft oerzagt Und gehadert mit ihm, Der uns auf den Weg schickte. Viele Morgen erstanden Vor unsern Augen, Ein purpurnes Hoffen, Stiegen sie auf aus dem Schöße Der Sacht. Immer sahen wir Tage sterben, Monde und Jahre gehen. Und wir trugen zu Grabe, Was einmal uns leuchtete Auf dem Wege. Ach, so oft sind die Knie Schwach geworden, wir wankten. Immer ober kam einer Uiui riß uns empor. , Manchmal war es der Huf Eines Vogels, . Oder das Koscjt des Windes, Manchmid ein Wort nur. L'nd wie ein Wunder Drang es in uns l'nd machte uns neu. über uns zeichnet Der Herr die Kreise der Jahre. Wir aber wissen nicht. Wieviele der Kreise l'ns noch umschließen. Sommer verklingen. l'nd Herbste verdämmern. Haid sind wir müde. Wir sind auf dem Wege, Wir wandern alle, Seit der Kindheit gehen wir. Diese 171 Personen gehören zwar zu der am 16. Mai 1938 ortsanwesenden jüdischen Bevölkerung, sind aber keine Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde München und werden infolgedessen auch nicht als verzogen registriert, wenn sie München 'verlassen. Die Erfassung des Mitgliederstands der Kultusgemeinde erfolgte durch Versendung von Haushaltslisten, deren Angaben auf Karteikarten übertragen wurden, sowie durch mündliche Erkundigung. Die Gesamtzahl von 6392 Personen,' die sich aus der Zählung der Karteikarten ergab, wiurde alsdann nach ve/schtedenen Gesichtspunkten untergestellt. Zunächst erfolgt die^Äufgliederung nach dem Familienstand. Tabelle 2 Familienstand A. 1. männlich verheiratet s .1586 männlich nicht verheiratet_ männlich zusammen 2. weiblich verheiratet weiblich nicht verheiratet weiblich zusammen 1305 2891 1426 2075 3501 Gsaimtzahl 6392 1 D<ese Zahl der luden in München in Mai 1938 ist zu vergleichen mit ihrer Zahl am 11. Juni 1933 (vgl. A. Cohen, Die Volkszählung von 1933; Bayer. Isr. Gemeinde-Zeitung 1933. S. 499 ff. und: ..Die Juden in München" in Heft 10, Jahrg. 1938 des Münchener Wirtschafts-'und Verwaltungsblatts. heraus«, v. Statistischen Amt der Sadt München. Im Jahr 1925 betrug ihre Zahl noch 10068.4m Jahr 1933 (11.VI.33): 9005. Anm. «er Red. Die Aufgliederung des Familienstands wird in der folgenden Tabelle verdeutlicht. Tabelle 3 . Familienstand B. 1..Verheiratete: männlich 2. Verheiratete: wedbliich 3. Kinder: männlich - 4. Kinder: weiblich 5. Geschiedene: männlich 6. Geschiedene: weiblich 7. Verwitwete: männlich 8.. Verwitwete: weiblich * 9. Ledige: männlich 10. Ledige: weiblich 1426 421 445 58 90 177 744 649 796 Gesamtzahl 6392 Aus den beiden Familienstandstabellen ergibt sich, daß die Zahl der Frauen die der Männer recht erheblich übersteigt. Die Geschlechterproportion von Männern zu Frauen ist wie 100:121; das Bild verändert sich freilich, sobald man die seit Februar/ März 1933 bis einschließlich 16. Mai 1938 ausgewanderten ehemaligen Gemeindemitglieder zu der Zahl der noch in München .wohnhaften Gemeindemitgliedier hinzurechnet. Die Auswanderung V' weist einen Männerüberschuß auf. Beide Karteien zusammen) (Gemeirtdemitgliederkartei und Verzogenenkartei) enthalten 4874 Männer, und 5092 Frauen, woraus sich eine Geschlechterproportion von Männern zu Frauen wie 100 :104 errechnet. Dies ist eine Verhältnoszahl. die dem in Mitteleuropa 4rbBcheir Durch-— schnitt nahekommt, während die Verhältniszahi für die am 16. Mai 1938 in München anwesenden Gemeindemitglieder das typische Bild einer Gemeinschaft bietet, die durch Abwanderung in erster Linie ihrer männlichen (und jugendlichen) Angehörigen beraubt worden ist. Betrachtet man die Familienstandstabellen näher, so bemerkt man. daß ein ungeheurer Frauenüberschuß unter den Verwitweten, ein nicht unbedeutender aber auch unter den Ledigen und unter den Geschiedenen vorhanden ist, während unter den Kindern (Personen unter 20 Jahren) die weiblichen nur einen unwesentlichen Vorsprung vor den männlichen haben. Unter den Verheirateten dagegen ist das Verhältnis umgekehrt: 1586 Männern stehen nur 1426 Frauen gegenüber. Die Erklärung hierfür bietet die Miischehenstatistik. Tabelle 4 Mischehen von Gemeindeangehörigen: arische Ehemänner jüdischer Frauen 82 arische Ehefrauen jüdischer Männer 242 nichtjüdische Kinder aus gemischten Ehen 168 Rechnet man die arischen Ehemänner, welche mit Jüdinnen verheiratet sind, der Zahl der männlichen verheirateten Juden und die arischen Ehefrauen, welche mit Juden verheiratet sind, der Zahl fler weibHohen verheirateten Jüdinnen zu, so ergibt sich , beiderseits die Gesamtzahl von 1668 Ehen innerhalb der Gemeinde. Hiervon machen die 324 gemischten Ehen-19,1% aus, wobei zu bemerken ist. daß nur diejenigen Fälle erfaßt werden konnten, in welchen der jüdische Partner noch als Konfessionsjude anzusprechen war. Die Zahl von 168 halbarischen und außerhalb des füdischen Gerne müc verband es aufwachsenden Kindern dagegen kann mit (Her Gesamtzahl von 866 jüdischen Kindern überhaupt nicht in Beziehung gesetzt werden, da zweifellos die zur Verfügung stehenden Angaben hinsichtlich der Imlbarrschen Kinder besonders unvollkommen sind. Immerhin geben idlie gewonnenen Zahlen eine Anschauung von der Größe der nur sehr bedingt der jüdischen Gemeinschaft noch zuzurechnenden Peripherie. Die Aufgliederung nach Altersgruppen zeigt wiederum das typische Bild einer Gemeinschaft, die »durch Geburtenrückgang und Auswanderung In ihren kräftigsten Jahrgängen geschwächt ist. V