Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 19 (1.10.1938)
- Date
- 1938-10-01
- Page
- Seite 287 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdisches w».a 4*>mcimlcl»hiU für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Austllllf A: Allgemeine Ausgabe, Bezugspreis KM. -.60 im Vierteljahr, R M. 2. j<> für das Jahr ikaggabe B: Mit dem Beiblatt für Würzburg und Umgebung. Bezugspreis RM. 1.50 im Vierteljahr, RM, 6.— für das Jahr. Erscheint am 1. und 15. jeden Monats. \ Herausgeber: Verband Bayer. Israel. Gemeinden / Verlag B. Heller, München, Plinganserstr. 64, Tel. 73665, Postscheck München 3987 / Anzeigen nach Tarif. Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Volksaufklarung und Propaganda betr. Überwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet. XIV. Jahrgang München, 1. Oktober 1938 Nr. 19 Inhalt: Reichsverband und Landesverbände — Die jüdische Bevöl- Aus dem Reiche — Jüd. Kulturbund in Bayern, ÖrtSverein München kerung in München am 16. Mai 1938 — Der Weg — An die Juden in — Jüd. Turnu. Sportverein München e.V. „Jtus" — Bekanntma- Deutschland! — Mitteilung für Mtfnat Oktober 1938 — Predigt über chung der Isr. Kultusgemeinde München betr. Öffentliche Mahnung die Engel und über die Wahrheit — Zum Sukkotfest — Aus der Ge- — Personalia — Kalendarium. meinde München — öffentliche Kundgebung — Aus der Pfalz — - . . Reichsverband Von Dr. Alired In unserem täglichen Morgengebete findet sich eine Lobpreisung Gottes, daß er die Glieder des Menschen mit Hinsicht gebildet. Wenn eines davon fehlte oder in seinen Verrichtungen gestört würde, könnte der Mensch nicht leben und bestehen. Der Gedanke von der Erhaltung und Schonung der Glieder im Interesse des ganzen menschlichen Organismus wurde, wie bekannt, schon im frühen Altertum auf das öffentliche Gemeinwesen angewendet. Als wir in Bayern am 20. 4. 1920 den Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden schufen, war der Teil vor dem Ganzen da. Wir waren uns aber schon damals bewußt, daß .wir nur ein Teil des Judentums innerhalb der deutschen Grenzen waren, das eben nach seiner rechtlichen Gestaltung rang, und faßten darum gleichzeitig mit unserer Verfassung und als Anlage zu dieser einen Beschluß, in dem wir einen Reichsverband forderten, der die Vertretung nach außen übernehmen und die Aufgaben erfüllen sollte, welche die einzelnen Landesverbände nicht wahrnehmen könnten. Wir haben auch unentwegt an diesem Gedanken festgehalten und ihn in verschiedenen Anläufen zu verwirklichen gesucht. Es wurde mit unserer tätigen Hilfe die Reichsvertretung der Juden in Deutschland gebildet, welche die Autonomie der Landesverbände im wesentlichen unberührt ließ. - In der Folge hat sich zweierlei zugetragen. Die uns umgehenden staatlichen Formen, denen sich die Landesverbände anzuschließen hatten, sind in ihrem Bestand beseitigt oder doch wesentlich gelockert und die das öffentliche Leben weithin beherrschende Idee von der einheitlichen Gestaltung und Führung großer Gemeinwesen hat auch vor unseren Toren nicht haltgemacht. Andererseits , gewannen die in der Zeit begründeten Aufgaben wie Berufsumschichtung, Berufsausbildung und Wanderung und die mit der Lösung dieser Fragen verknüpften Beziehungen zum Auslande immer größere Bedeutung und verlangten eine zentrale Behandlung, ' während die jüdische Bevölkerung allenthalben sich wesentlich und Landesverbände Neumeyer verringerte, zahlreiche Gemeinden der Auflösung verfielen und die Landesverbände so an Gewicht verlieren mußten. Als nun hl der Sitzung des Rats der Reichsveftretung vom 27.7. 1938 die öffentliche jüdische Meinung den Reichsverband der Juden in Deutschland forderte, derart, daß die Landesverbände ihre Selbständigkeit aufgeben und nur als Bezirksverbände weiter bestehen sollten, hat neben den anderen süddeutschen Verbänden auch der Bayerische Landesverband dem zugestimmt, wie wir bekennen, schweren Herzens. Denn es darf vielleicht gesagt werden, daß wir die uns zugewiesenen Aufgaben bis heute zweckmäßig und zur Befriedigung aller unserer Glieder erfüllt haben und Haß a,us unserem Verband heraus der Wunsch nach einer Änderung nie laut geworden ist. Allein wir haben, wie gezeigt, von Anfang an das allgemeine Interesse übfr unser eigenes Interesse gestellt und werden die letzten sein, die in der Zeit schwerer Not sich dem Rute der Allgemeinheit entziehen. So wollen wir auch als Bezirksverband für Bayern dem großen Ganzen dienen. Wir vertreten aber die Meinung, daß in einem räumlich und persönlich begrenzten Gebiete, in dem auf der Grundlage wechselseitigen Vertrauens und reicher Erfahrung die'öffentliehen jüdischen Angelegenheiten' bisher verwaltet wurden, auch weiter fruchtbare Arbeit geleistet werden kann, und möchten darum wünschen, daß die? Eigenverwaltung der früheren Landesverbände insoweit aufrechterhalten bleibt, als es das Interesse der Gesamtheit nur zuläßt. Wir sind uns darüber im klaren, die organisatorischen Dinge sind nur Formen, bestimmt, die Aufgaben der Zeif richtig zu lösen. Sic können nicht entbehrt werden, wenn Ordnung bestehen soll, sie'treten aber weit zurück hinter der Wucht der Aufgaben und dem Willen, geschlossen zusammenzustehen und Unsere Gemeinschaft ehrenvoll durch die Zeiten zu führen. Die jüdische Bevölkerung in I. \\. . Am Stichtag des 16. Mai 1938 wurde von der statistischen Stelle (Karteistelle) der Israelitischen Kultusgameinde" München eine Zählung der Gemeindeangehörigen durchgeführt. Es befanden sich zum angegebenen Zeitpunkt, 6392 Personen in München und In den zur Kultusgemeindie München gehörenden Orten Oberbaverns. welche als Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde registriert waren. In diese Zahl sind solche Personen nicht eingeschlossen, welche, sich zum angegebenen Zeitpunkt lediglich zu Ausbildungsziwedken in München aatfliielten. Es handelt sich um folgende Institutionen: Israelitisches LehrlniKshei<m. Israelitische München am 16. Mai 1938 Jugendhilfe Atitonienstnaße. Israelitische Lehrwerkstätten. Wirtschaf Üiche Frauensclnile Wolfratshauseu. Mieth Chance Galcj-iestraße. Beth Chat uz Lamliwehrstraße. *\, Tabelle 1 1 } Zu AusibilduiiKSzwecken hielten sich in München auf: Männlich über 20 Jahre 3 männlich unter 20 Jahre 71 weiblich über 20 Jahre * 4 weiblich unter 20 Jahre 93 171