Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
- Volume
- 14 (Ausgabe A) (1938)
- Issue
- 18 (15.9.1938)
- Date
- 1938-09-15
- Page
- Seite 276 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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27ft Jüdisches Gemeindebla it/f^r den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. 18 SCHUHHAUS M. FLEISCH^ÄNN MÖNCHEN, THEATINERSTRASSE 17 Sp.nolität: BALLY-SCHUHE r r werden konnten, und Frau Fradel sagte ihr ein für alle Male, sie wechsele die Dollars nun sogleich um____ * So verging wieder Zeit, und eines Taues gab es Krieg, den Krieg gegen die Franzosen. Und der Sohn von Tante Fradel, der bei den Reitern mit den roten Kragen gedient hatte, mußte mit Nun, da gan es freilich ein anderes Hin- und Herschreiben; wir wissen es aus unserem eigenen Krieg, wie das ist. Tante Fradel. diese andere Mutter, hatte jetzt selbst ihre große Sorge; wir brauchen darüber kein Wort zu verlieren, um es deutlich zu machen. Aber sie vergaß darüber nicht ihre alte Pflicht, mit Amerika zu korrespondieren: und jeden Monat ging sie mit dem vorgetäuschten Brief über die ausgetretene knarrende Holztreppe hinauf zu Hannchen Lipschitz im Hause hinter der Synagoge. Aber auch sonst besuchte sie, die doch auch schon in den Jahren war, die Greisin nun öfters, denn mit der ging es, das fühlten alle, zu Ende. Sie lebte im Grunde nur noch von der Hoffnung auf die Briefe ihres Sohnes, nein, gar von der, ihn selbst bald noch einmal sehen zu können. Tante Fradel hatte ihr eines- Tages, nachdem sie beim letzten Brief den sehnlichen Wunsch geäußert hatte, ihn wiederzusehen, bevor sie sterbe, einen Antwortbrief vorgelesen, indem er versprach, bald zu kommen, „wenn die Geschäfte es irgend zuließen." » . Es war aber gerade an dem, Tag in jenem harten Winter, da Hannchen Lipschitz sich zu sterben anschickte, als Tante Fradel und ihr Mann Simon aus dem Felde die Nachricht erhielten, daß ihr Sohn in einer mehrere Tage dauernden Schlacht an einem Flusse, der Lisaine hieß und an der Festung Beifort vorbeifließe, wie in dem Schreiben stand, für das Land gefallen sei. Und das war eben der Tag. an dein es nur noch Stunden währen konnte, bis die alte Frau im Städtchen tot war, deren sich die andere Mutter all die Jahre so angenommen hatte, wie wir es geschildert haben. Die Sterbende war zwar schwach am Körper, aber sich doch noch bewußt des wichtigsten Inhalts ihres armen Le&ens, des Sohnes, der für sie noch lebte. Und sie sprach von ihm, verlangte nach seinem Brief, als könne das sie retten. Und man berichtete ihren Zustand der vor Schmerz um den eigenen Verlust beinahe fassungslosen Mutter Fradel. Da erhob die sich, die neben ihrem Manne schon auf dem niedrigen Stuhl gesessen hatte mit Augen, die vor Tränen kaum mehr sahen, ging hinab und schritt in ihrem schwarzen Kleide zu der Sterbenden, setzte sich neben ihr Bett und las ihr einen heiteren Brief eines Sohnes vor, der nicht mehr lebte; es gehe ihm gut und er werde bald heimkehren, um sie zu sehen, und brachte ihr so. bis sie still einschlief, den Trost, wie sie ihn all die Jahre für sie gehabt hatte, zum letztenmal. Sie aber, Tante Fradel____ — Ende — us der Gemeinde München Gottesdienst an den hohen Feiertagen . Über die Abhaltung des Gottesdienstes an den hohen Feiertagen sind die Gemeindemitglieder durch besondere Mitteilung unterrichtet. Die Gemeinde kann als Ersatz der Hauptsynagoge in diesem Jahr mir den Betsaal (Herzog-Max-Straße 3-5) und den Itus-Tumsaal (Plinganserstraße 76) für die Festtagsgo^tesdieriste am Neujahrsfest (Vorabend am 25. September — Haüpftage 26. und 27. September) und am Versölmungstag (Vorabend am 4. Oktober — Haupttag 5. Oktober) zur Verfügung stellen. Für die Regeluug der Platzfrage in den Räumen Herzog-Max- und Plinganserstraße haben Vorstand und Rabbinat eine besondere Gottesdienstordnung aufgestellt. Karten können noch am Freitag und Montag, M. & J. AMBRUNN München, Theatinerilrnfje 17/1 T.I.Ion 1204« EUganto Herremchn«iderei und Tudihandlung Anfertigung milgabrocfiler StoH. Iii ziviUn Pr.iien. den 16. und 19. September (9—12 und 15—18 Uhr), sowie Sonntag, den 18. September (9—12.30 Uhr) im gemeindlichen Sitzungssaal unentgeltlich abgeholt werden. Die Karten sind nummerierr und werden gezogen, um jede Bevorzugt! n d zu vermeiden; der Zeitpunkt der Abholung entscheidet daher nicht für Platz und Stunde des Gottesdienstes. Anfragen außerhalb der festgesetzten Abholungsstunden bittet man zu vermeiden. Für die Schüler im Alter von-]«- bis 15 Jahren sind besondere Gottesdienste-vorgesehen, worüber die Schüler Näheres im Religionsunterricht erfahren. Erstaulführung des Tonfilms „Der neue Weg" am Samstag und Sonntag, den 17. und 18. September „DER NEUE WEG", der neue Tonfilm aus Palästina wird Samstag, den 17. September, in München gleichzeitig mit Berlin und Leipzig seine Uraufführung erleben. Der Film weicht in seinet künstlerischen Gestaltung von den bisher gezeigten Palästinafilmen wesentlich ab. Er bringt nach einleitenden Bildern der Arbeit und des Lebens in Palästina Szenen von den Unruhen und legt Zeugnis ab von dem Behauptungswillen der jüdischen Jugend im Lande ihrer Väter. Aufnahmen vom Bau und von der Tätigkeit des Hafens von Tel-Avfv sowie noch nie gefilmte Szenen aus dem Hule-Sumpf und Bilder von der Landnahme neuer Siedlungen lassen erwarten, daß der Film auf weiteste Kreise des jüdischen Publikums eine starke Wirkung ausüben wird. Erstmalig werden in diesen Film in Palästina aufgenommene Ton- Aufnahmen und Lieder verwandt. Zur Uraufführung am Samstag, den 17. September, wird Herr Di. Alfred Perlmutter, zur Aufführung am Sonntag, den 18. September, Herr Max Weiner eine Ansprache halten. Es empfiehlt sich, Karten rechtzeitig im Vorverkauf-Schlosserstraße 2/1 (Telefon 5 30 52) zu sichern. Vorführung Im Jtus-Saal (Plinganserstraße 76) — Beginn an beiden Abenden 20.30 Uhr. - Kennkartenzwang lür Juden Das Polizeipräsidium München gibt bekannt: Juden deutscher Staatsangehörigkeit sind'ohne Rücksicht auf das Lebensalter verpflichtet, eine Kennkarte zu führen. Für Juderj, die nach dem 1. Oktober 1938 geboren werden, muß der Antrag jeweils innerhalb von drei Monaten nach der Geburt gestellt werden. Die Anträge zur Ausstellung einer Ketmkarte sind persönlich bei den Polizeirevieren zu stellen, in deren Bezirk-der Antragsteller seinen Münchener Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt hat oder mangels eines solchen sich tatsächlich aufhält. Bei beschränkt geschäftsfähigen oder geschäftsunfähigen Personen ist der Antrag durch den gesetzlichen Vertreter zu steilere Zur Antragstellung sind zwei Lichtbilder (Paßbilder) aus neuerer Zeit mitzubringen. Die Anträge bei den Polizeirevieren können ab 1. Oktober gestellt werden. Die Gebühr für eine Kennkarte beträgt drei Mark. Diese Gebühr ermäßigt sich bei einer späteren Neuausstellung auf eine Mark, wenn die alte Kennkarte, die noch mehr als zwei Jahre gültig wäre, durch eine neue Karte ersetzt werden muß, weil sich inzwischen der Name oder Beruf des Karteninhabers geändert hat. Bei Kennkartenzwang ist die Gebühr auf eine Mark festgesetzt. Juden haben die Normalgebühr von drei Mark zu entrichten. — Nach der Reichsverordnung über Kennkarten vom 22. 7. 38 muß der Antrag auf Ausstelbu»g der Kennkarte bis spätestens 31. 12. 38 gestellt werden. Für Hmrung und Anmeldung der jüdischen Vornamen der dazu Verpflichteten laufen die Fristen bis 31. 12. 38 (Führung) bezw. 31. 1. 39 (Anmeldung). * Trauerfall Herr Geh. Justizrat Prof. Dr. Heinrich Frankenburger und Herr Rechtsanwalt Dr. Fritz Freudenreich in München wurden durch das Ableben von Frau Oora FW e u d e n r e i c h , geb. Frankenburger, in Haifa am 28. August! in tiefe Trauer versetzt. Herrn Geheimrat Frankenburger und Herrn Dr. Fritz Freudenreich mit Kindern wendet sich die wärmste Teilnahme der jüdischen Gemeinde München zu.