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Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-09-15 · 18 (15.9.1938) · p. Seite 274

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
18 (15.9.1938)
Date
1938-09-15
Page
Seite 274 (sequence 8)
Language
German
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274 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. 18 Ende September werde ich voraussichtlich mein Oatchürt •chllcBan. Ich bin Ihnen dankbar, wenn Sie vorher noch Ihren Bedarf bei mir decken. i. LEVINGER, ZIGARREN Ge|rOndet (886 — Ferniprecher 54 8 97 im Hoiel Rheinischer Hof „Ich weiB, daß meine Soldaten sich wundern," sagte nun der König.^ ■■Ich spüre flüsternde Ungeduld. Sie warten auf einen Schlag* der törichten Widerstand erledigt. Sie fragen, warum diese Stadt nicht fällt." ..Herr, der Chaldäer kennt nur Dein Gebot. So führt er Nebukadnezars Kriege. Wir schöpfen aus Deinem Willen den unsern. Asien liegt zu Deinen Füßen. Du wirst nach Egypten schreiten, und Hellas hat nur kurze Frist." „Glaubst Du, daß Juda,. die kleine Frucht über uns, jetzt fallen wird?" „Ks bedarf nur des Schütteins." „Beten sie noch immer in ihrem Tempel?" „Ks tönt durch die Nacht. Wir werden über Betende und Opfernde steigen." „Das will ich nicht. Ich sage es nur Dir, Nebusarraddon. Ich will den Gott dieses Volkes überwinden, aber nicht stürzen." „Dennoch willst Du Zions Tempel zerstören?" „Den haben Menschen erbaut. Menschen können ihn nicht halten. Der Stadt Jerusalem soll meiner Krieger gerechte Beute werden — der Tempel nicht. Sein goldenes und ehernes Gerät wird unversehrt nach Babel getragen. Wer es verletzt, ist des Todes. Das Gebäude werde Staub." „Du wirst Baal Moloch den Altar des Judengottes geben?" „Nein, Nebusarraddon." „Du wirst es nicht?" > „Ich künde Dir meinen Willen. Du stirbst, wenn Du ihn zu Anderen trägst vor der Zeit."____ ..Dank. Herr. Warum mir diese Ehrung?" •Weil Du mit der Sonne den Befehl übernehmen wirst. Du sollst vollenden, was ich begonnen habe. Ich verlasse das Lager vor Tagesanbruch und ziehe nach Ribla, an der Grenze des Reiches. Dort erwarte ich Deine Meldung, daß Jerusalem gefallen." „Wird der Mut des Heeres nicht sinken, wenn es Dich nicht mehr in seinen Reihen weiß?"r_ „Es hat tausendmal gesiegt, nur um mir den Sieg zu künden. Diesen iahe ich vorbereitet, wie keinen zuvor." „So will ich sie zum Sturm führen, bevor sie von Deinem Aufbruch erfahren." „Handle, wie Du mußt." Nebusarraddon warf sicli auf sein Roß und stürmte ins Dunkel hinaus. Der König rief Surmith. Sie stand schon im Zelt. , „Wir reiten. Rüste Dich." „Verläßt Du Jerusalem?" „An seinem Todesniorgen." Surmith kniete. — „So wirst Du bald^gesunden. Du hast Deine , Kraft an dieses Volk verschwendet."~Jetzt bleibt es hinter Dir bei allen, Überwundenen." „Nein, Surmith. Wer überwindet Juda?" Diese Eingangsszene zu dem neuen Roman von Georg Hirschfeld läßt noch nichts ahnen von den beiden Häuptgegenspielern: Gedalja und Ismael. Die antiken Zeugnisse für die Ermordung Gedaljas durch den judäischen Prinzen Ismael aüs dem Geschlecht König Davids sind die Jeremias-Kapitel 40 und 41. das letzte Kapitel (25) des II. Königsbuches und die ergänzenden Angaben bei Flavius Josephus (Antiqu. X, 9, 4). Die zahlreichen Rekonstruktionsver- Stets HeukeUeu <mW9fw*r »•'■'•»■•■'■■ «r»^ im Fachgeschäft lür Damenbekleidung I CO ODDCMMEIMED Dachauer Strasse 9 LEU UrrCnnCiriCR, („eben Cife Rheinlind) suche der Historiker, die für den Mord nach Ursachen und Beweggründen suchten, sind unbefriedigend. Der Dichter kann mit seinen Gestalten freier schalten als der Geschichtsschreiber. Von der Tradition wurde der Tod des vom babylonischen König eingesetzten Statthalters Gedalja als nationales Unglück angesehen. Zur Erinnerung daran ist ein Fasttag am 3. Tischri. am Tag nach dem 2. Tag Rosch-Haschonoh, festgesetzt. Die oben angeführten BibelsteUen über die Mordtat lassen einen tiefen Einblick in die Verhältnisse in Judaea nach der Katastrophe von 586 zu. Red. Die Gütige Novelle von Jakob Piaard Das war Frau Fradel, Tante Fradel, wie)alle sie nannten, ob sie nun mit ihr verwandt waren oder nicht. Man brauchte es freilich nicht von ihr zu erwarten, so zu sein, wie sie war, nämlich die größte Wohltäterin des Städtchens, wenn wir dieses Wort für sie gebrauchen wollen, obwohl es vielleicht zu allgemein ist in seiner Bedeutung, um ihr Wesen riahtig zu umschreiben. Sie war eben immer da, wenn man sie brauchte; und: „sie hätte es' nicht nötig gehabt", wie die Leute stets meinten, denn sie und ■ ihr Mann zählten zu den Wohlhabendsten der Judengemeinde. Nicht etwa daß sie Geld gab oder anderes, das durch Geld beschafft werden mußte. Nahrungsmittel den Armen oder Kleidung, getragen oder neu, wo sie fand, daß es nötig war — das taten andere wohl ebenso schon um der heiligen Vorschriften willen, wenn auch nicht in dem Maße wie sie: nein, überall eben, wo es zu helfen galt mit Rat und Tat, war sie einfach da. oder dachte man an sie zuerst, wenn man nicht aus noch ein wußte. Was war es aber, das sie tat? Nun, vieles gibt es außer dem, was nur durch Geld zu haben ist oder Geldes Wert hat. Wer brachte dem. kleinen Salme, der kaum mehr gehen konnte und allein lebte, täglich nur ein wenig betreut von der stummen Balbine, am Erev Schabbos, kurz bevor man Schulen ging, den roten Kidduschwein in der kleinen Flasche und einen selbstgebackenen kleinen Barches sommers wie winters? Es war Fradel. Wer nahm den Hühnern, ohne je etwas dafür zu fordern, kunstfertig mit einem besonderen Messer den Pips von der Zunge, damit sie wieder ihre Körner fressen konnten wie die gesunden Tiere? Die Fradel war es, zu der die Frauen vertrauensvoll darum gingen, die unruhigen Vögel unter dem Arm. Zu wem kam allwöchentlich am Speisig-Nacht, nach Schabbos- Ausgang, die schwarze Elle, die freilich längst weiß unterm Scheitel und vergrämt war, weil ihre Kinder, zwei Töchter und deren Männer, sie aus Geldsucht mißachtet hatten, seit je. so daß sie aus den Sorgen nie herausgekommen war, und -brachte einige Pfennige, zwanzig oder gar nur zehn, die sie die Woche über erspart hatte, damit sie verwahrt wurden? Zu wem sagte sie dabei fast jedesmal: „Zu euch hab' ich das meiste Zutrauen, Fradel; hebt mir das Geld auf, bis sie mich zum guten Ort bringen, und laßt mir e Mazeiwo setze davon, weil meine Töchter' es doch nit tun werde. Schein jisborach wird's euch zum Sege werde lasse." - Und wen schickte der Doktor zu den Leuten, um ihnen zu hei— fen, den ungeschickten, wenn eine Epidemie im Ort war, etwa Diphterie unter den Kindern, da es noch keine sicher helfenden Einspritzungen gab wie heutzutage, und den Kleinen Schwefelpulver in die Hälschen geblasen werden mußte, nicht zuviel und nicht zu wenig? Tante' Fradel. — Ja dieses und mehr verstand sie und unterzog sich der selbst vgesetzten Pflicht, die die Pflicht des ewigen Gesetzes Ist. Könnt . ihr sie sehen:, wie sie Im Frühsommer zwischen den Wiesen über die Feldwege eilte, die Sorgliche, leichten Fußes, weil sie gehört^ hatte, daß des Menke Gump jüdischer Knecht sich beim Mähen die Sense in die Wade gehauen habe — „man muß schon" besonders geschickt sein" — hatten sie gesagt, „um so etwas fertig zu bringen"; da mußte sie dabei sein, schon weil er fremd war und niemand eigenen im Dorf hatte. —.Oder seht ihr sie an einem frost- - bitteren Wintertag, da die 'Wolken, eine graue Mafese. auf das Städtchen drückten, barhaupt und nur den wollenen schwarzen Shawl um die Schultern, schnell um die Ecke nach dem Hintergäßchen gehn. ein Häufchen Kleinholz in der Schürze vor sich hintragend? Es ist ihr plötzlich eiugefallen, beim alten Salme könne vielleicht nicht genügend geheizt sein in solcher Gerire, solch erbärmlicher Kälte. — Dazu aber war ihr eigenes Hauswesen in Ordnung und sauber wie nur eines. Man mußte nur die Zinnkrüge im Vorraum auf dem Bord stehen sehen, blank und gescheuert das ganze Jahr wie am Tag vor Pessach, oder gar die messingene Lampe mit den

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