Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg · 1938-09-15 · 18 (15.9.1938) · p. Seite 270

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern und die Kultusgemeinden München, Augsburg, Bamberg, Würzburg
Volume
14 (Ausgabe A) (1938)
Issue
18 (15.9.1938)
Date
1938-09-15
Page
Seite 270 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/10638461-6435885-6435912--435-3770950
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

270 Jüdisches Gemeindeblatt für den Verband der Kultusgemeinden in Bayern Nr. 18 O glaub, t. vorbei ist nicht vorbei , O glaub, vorbei ist nicht vorbei, Die Welt ist unermeßlich groß! — Mir träumt ein Sommer grenzenlos, Mir träumt ein ewiger Mai. Ein Mai, der steht auf seiner Statt, Verwandelt sich und bleibt sich treu, Macht alle alten Jahre neu, m Macht allen Kummer satt. Ein Sommer über Meer und Land, Der dem liegehren Urlaub gibt, Da Liebe glaubt, da (Haube liebt l 'nd- Hoffnung hält Bestand. fe> /^/^i/%/^/^/^/%/>>./^/^/>. auch diese. Hühner werden Eier lesen, so daß wir viele Hühner und viele Hier haben werden. Und icli bin doch eine kluge Frau, darum werden wir weder die Eier noch die Hühner essen, sondern ich werde sie verkaufen und mir ein Kälbchen erstehen. Und dieses Kälbchen werden wir nich{ aufessen, sondern lieh werde es aufziehen, bis es eine Kuli geworden ist, und auch die werden wir nicht essen, bis sie viele Kälber geworfen hat. Und auch diese werden wir nicht essen, so daß wir viele Kühe und Kälber haben werden, denn ich bin doch eine kluge Frau! Dann werde ich Kühe und Kälber verkaufen, dafür Felder erstehen, \o daß wir Felder. Kühe und Kälber haben werden, und dann wird (flis gar nichts mehr fehlen!" Während die Bäuerin noch so sprach und sich über das Ei ireufe, fiel\ es ihr aus den Händen/und zerbrach. V Genau so ergeht es uns. Wenn die heiligen Tage kommen, da beschließt jeder Mensch, von seiner Schuld umzukehren, und denkt in seinem Herzen, das und jenes will ich tun. Aber die Tagq vergehen über diesem bloßen Denken und sich Vornehmen, und der Gedanke bringt uns nicht zur Tat, und nicht nur das, sondern am Ende fällt man noch tiefer! Darum muß der Mensch sehr auf sich achten, daß er, behüte, nicht noch falle. Noch "ein Gleichnis, aus dem Midrasch, pflegte unser Meister zu sagen: Einst sündigte ein Prinz gegen seinen Vater, den König. Da verstieß ihn der Vater aus seinem Hause. So lange nun der Prinz noch nahe seinem Yaterliause umherzog, wußten alle, daß er der Sohn des Königs sei, und halfen ihm mit Speis und Trank. Im Laufe der Zeit aber entfernte er sich in den Königslanden in eine Provinz, wo keiner ihn kannte . Da hatte er nichts mehr zu essen. Er begann seine Kleider zu verkaufen, und kaufte sich Speise. Als er nichts melirVzu verkaufen hatte, verdingte er sich als Hinte. Nachdem er sicfi als Hirte verdungen hatte, da fehlte ihm nichts mehr, denn er brauchte nichts mehr. Saß eidoch auf den Bergen und hütete die Schafe und sang seine Lieder, wie alle Hirten, vergaß, .daß er ein Künigssohn sei, und vergaß alle Genüsse, die er gewohnt war. Die Hirten machen sich aber ein FUr den An- und Verkauf von Immobilien und Geschäften ferner (^Hausverwaltungen I empfiehlt sich die Firma S.Ackermann, Ritter von Epp-Platz 9 Telefon Nr. 12502, 12587, 13394 Erste Referenzen! Jegliche Bank-Garantie 1 kleines Strohdach als Schutz vor dem Regen, und auch er wollte sich so ein Strohdach machen, hatte aber nichts, womit es zu fertigen. Da wurde er sehr traurig. Einmal zog nun der König durch diese Provinz, und der Brauch war, daß jeder, der eine Bitte hatte, sie aufschrieb, wenn der König durch die Provinz zog, und sie in den Wagen des Königs warf. So kam auch der Königssohn unter den Bittstellern und warf seine Bittschrift in den Wagen, er wolle ein Strohdach, wie alle Hirten. Der König erkannte seine Handschrift und empfand großen Schmerz über seinen Sohn. Wie tief war er doch gesunken, daß er vergessen hatte, daß er ein Königssohn sei, und gar nicht mehr spürte, was ihm fehlte, außer dem Strohdach! So, Freunde, ist es mit uns. Wir haben schon vergessen, daß wir Königskinder sind, und haben vergessen, was uns eigentlich fehlt. Der eine schreit um Erwerb, der andere Schreit um Nachkommen. Aber um das zu bitten, was uns in Wahrheit fehlt, um all' unsere Schätze, die wir früher besaßen (um Land und Heiligtum), das vergessen wir! (Anm.: Rabbi Chajim Zanser, ein berühmter chassidischer Rabbi des vorigen Jahrhunderts, Verfasser bedeutender halachischer Responsen und exegetischer Werke. Das „Königsmotiv" ist besonders für die Jamim Noraini immer gern verwendet worden, da Rosch Haschana der Tag ist, an dem Jisrael G'tt als König der Welt anerkennen soll. Aus diesem Grunde ist das Wort „Me- Iech", König, in der Liturgie dieses Tages das ausschlaggebende. Das erste Gleichnis bezieht sich wohl auf den in den S'lichoth täglich wiederhorten'Vers „Laßt uns unsere Wege suchen und erforschen und zum Ewigen, unserem G'tte zurückkehren!") Der Tag vor Rosch Haschana v „Gedenke des Bundes" Am Tag vor Rosch-Haschana steht man zwei, drei Stunden nach Mitternacht auf, um S'lichoth zü sagen, geht in das Bethaus und. sagt mehr Bittgebete, als an den anderen S'lichoth-Tagen. Und diese Nacht vor Rosch Haschana wird genannt „Nacht des Gedenkens des Bundes", denn in dieser Nacht flehen wir, daß der Heilige, gelobt sei Er, des Bundes mit den Vätern gedenke und uns schütze um ihres Verdienstes willen, so wie Rabbenu Ger* schom, die Leuchte der Gola, es in seinem Gebetslied „Gedenke des Bundes" niedergelegt hat. Denn als Jisrael in der Wüste gesündigt hatte, da stand Mosche vor dem Heiligen, gelobt sei Er, sprach viele Gebete und Bitten, und wurde dennoöh nicht erhört. Als er aber sagte: „Gedenke des Awraham, des Jizchak und des Jisrael, "Deiner Diener", da wurde er sofort erhört (Talmud Sabbath, 30a). (Anm.: „S'chor B'rith", Gedenke des Bundes, sind die Anfangsworte des „Pismon", der am Tag vor Rosch-Haschana in den S'lichoth gesagt wird. „Pismon" ist ein von Vorbeter und Gemeinde im Wechselsang vorgetragenes Gebetsgedicht. Jeder der S'lichoth-Tage hat seinen bestimmten Pismon. Der Pismon „S'chor B'rith" ist von Rabbenu Gerschom (11. Jahrhundert) verfaßt, der den Beinamen „M'or Hagola", Leuchte der Vertreibung, nach seinem so benannten Talmudkömmentar trägt.) „Höre unsere Stimme." Der Gaon Rabbi M'schulam Jissachar Halevi Hurwitz, sein Andenken zum Segen, aus Stanislaw, öffnete, bevor er am Tage vor Rosch-Haschana den Vers „Höre unsere Stimme" in «Jen S'lichoth vortrüg, unter Tränen die heilige Lade und sprach: Ein König hatte einen einzigen Sohn, ein zartes, verzärteltes Kind, und sein Vater liebte ihn, zog ihn auf und erzog ihn auf den Pfaden der Gradheit, und führte ihn unter den Trauiiimmel, und all sein Sehneri war, iba-äuf dem .rechten Wege zu sehen. Der Sohn aber enttäuschte ihn. Die guten Eigenschaften, die sein Vater in ihm verwurzeln wollte, tauschte er in schlechte, ging den Lüsten seines Herzens nach, verließ die Frau seiner ersten Liebe und hing einer anderen an. Sein Vater, der König, als er die Taten seiner Verderbtheit sah, wandte sein Herz von ihm und begann, ihn zu hassen, vertrieb ihn aus seinem Hause und Palaste und schickte ihn' in ein fremdes Land, weit weg von dem seinen. Da irrte der Sohn von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt. Seine Kleider zerrissen und verschlissen. Sein Aussehen ward verändert, bis nicht mehr kenntlich war, daß er ein Königssohn sei. Als viele Tage verstrichen waren, und er seines Umherirrens satt war, da gedachte er seines Vaters, des Königs, und seines Palastes. Er begann, über seine Lage nachzusinnen, und warum ihn wohl sein Vater so weit verschickt hatte. Und täglich wurde seine Sehnsucht, ins Vaterhaus zurückzukehren, stärker. Da beschloß er, heimzukehren und iri vollkommener Umkehr zu bereuen. Als er nun vor seinen Vater, den König, kam, fiel er ihm weinend und V

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.